Wasserburg – Der Wirtschaftsraum Wasserburg ist bis jetzt dank vieler Unternehmen der nicht gebeutelten Milchbranche in der Corona-Wirtschaftskrise glimpflich davon gekommen, betonte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Wasserburg, Peter Schwertberger, bei der Jahrespressekonferenz. Sie widmete sich dem Geschäftsjahr 2019, das angesichts eines Wachstums von 3,8 Prozent positiv verlaufen ist. Aber die Pandemie drückte dem Gespräch im Sparkassensaal den Stempel auf.
Doch auch das zurückliegende Geschäftsjahr gilt als herausfordernd. Es war durch die Niedrigzinsen geprägt, die zwangsläufig den Zinsüberschuss, wichtige Einnahmequelle einer Bank, signifikant reduziert hätten, so Schwertberger. Gute Vertriebserfolge im Verbundbereich hätten die Zinsausfälle nicht voll ausgleichen können. Trotzdem: Die Bilanzsumme stieg erneut um 46 Millionen auf 1,265 Milliarden Euro. Ein Plus auch bei den Einlagen: Sie erhöhten sich nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden von 2018 auf 2019 um 3,1 Prozent auf 968 Millionen Euro. Die Gesamtausleihungen stiegen von 741 auf 748 Millionen Euro – trotz extrem niedriger Zinsen. Viele Kunden setzen in der zinslosen Zeit nach Angaben von Schwertberger auf Termin- und Tagesgeld.
Gutes Polster
an Eigenkapital
Die Sparkasse ist mit einem Eigenkapital von 157 Millionen Euro und einer Gesamtkapitalquote von 20,7 Prozent (Rang sieben von 64 Sparkassen in Bayern) ins Jahr 2020 gestartet, berichtete der Vorstandsvorsitzende weiter. Das sei ein sehr gutes Polster für die jetzigen schwierigen Monate.
2019 verzeichnete die Sparkasse Wasserburg nach Angaben des stellvertretenden Vorstandsmitglieds Andreas Bonholzer einen Rückgang bei den Kreditzusagen im Wohnungsbau von 24 Prozent. Der Grund: Als Vergleich diene das Rekordjahr 2018. 15,7 Millionen Euro seien außerdem 2019 an die LBS vermittelt worden, weil der Kundenwunsch nach langer Zinsbindung im vergangenen Jahr besonders intensiv ausgefallen sei.
Im Gesamtdarlehensgeschäft (privat und gewerblich) seien die Kreditzusagen 2019 ebenfalls stark zurückgegangen – um minus 25 Prozent auf 123 Millionen Euro. Vor allem Gewerbekunden hätten angesichts der Notwendigkeit, wenig Verwahrgeld vorzuhalten, auf eigene Mittel gesetzt.
Die Sparkasse Wasserburg verwaltete 2019 mit der Deka in den Wertpapierdepots ihrer Kunden ein Gesamtvolumen von 292,5 Millionen Euro. Stark aufgestellt ist das Bankhaus, das in fünf Landkreisen (Rosenheim, Ebersberg, Mühldorf, Traunstein und Erding) aktiv ist, im Immobilienbereich. Die Sparkasse ist eine der größten Makler in der Region. 2019 hat sie nach Informationen von Bonholzer 22 Objekte im Wert von 10,3 Millionen Euro vermittelt. Weiter ausbauen will das Bankhaus die Vermietung eigener Immobilien. Im Bestand sind 63 Mietwohnungen und 19 Gewerbeeinheiten. Geplant sind nach Informationen des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Christian Fuchsbüchler ein neues Mietshaus in Hohenlinden und Isen sowie ein neues Wohn- und Geschäftshaus in Babensham.
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie prägen das aktuelle Geschäftsjahr. Unbürokratisch und schnell könne die Sparkasse dank guter Eigenkapitalausstattung Liquiditätshilfen zur Verfügung stellen. „Wir sind wie ein Regenschirm, wenn er gebraucht wird, sind wir da“, versprach Schwertberger. 140 Kunden haben nach Angaben des Vorstands bisher Zins- und Tilgungszahlungen aussetzen lassen – für insgesamt 260 Darlehensverträge. Die Antragstellung sei online verlaufen – ohne Prüfung, ohne Papierkrieg. „Keiner muss bei uns als Bittsteller auftreten“, so der Vorstand.
Er hatte angesichts der Ausgangsbeschränkungen erwartet, dass die Sparkasse mit Anträgen für das Online-Banking überrannt wird. Doch so war es nicht, was auch daran liegen mag, dass die Online-Banking-Quote bereits bei 54 Prozent liegt. Die hohe Steigerung der Neufreischaltungen, die schon 2018 zu spüren war, wird sich 2019 fortsetzen, so Robert Minigshofer, zuständig für Marketing und E-Business. Aktuell liegen der Sparkasse nach Informationen von Fuchsbüchler etwa 50 Anträge von Firmenkunden auf Soforthilfen mit einem Volumen von 15 Millionen Euro vor. Vielfach sei den Unternehmen bereits im Rahmen einer sparkasseneigenen Soforthilfe und ohne staatliche Programme geholfen worden. Fuchsbüchler wies darauf hin, dass es nicht so einfach, wie vielfach vermittelt, sei, die staatlichen Hilfen und Förderkredite zu erhalten. Risikoüberprüfungen seien notwendig: „Wer vor Corona schon in der Krise war, kann nicht gefördert werden.“ Die Messlatte sei jedoch nach unten gelegt worden, so Schwertberger. „Was wir irgendwie machen können, machen wir“, versprach Fuchsbüchler.
Der Vorstand hat nach eigenen Angaben mit mehr Anträgen gerechnet, noch gebe es keinen Bearbeitungsstau. Das liege an der örtlichen Wirtschaft, die stark vom Lebensmittelbereich geprägt sei. „Doch die Krise ist noch nicht vorbei“, warnte Schwertberger. Es sei eine „ganz, ganz schwierige Zeit“, in der das Bankhaus stets auf Sicht fahre, will heißen: die langfristigen Folgen auf die Wirtschaft noch nicht absehen kann.
Die Sparkasse, die laut einer Umfrage die zufriedensten Kunden im bayerischen Verbund der Sparkassen hat, muss aufgrund des anhaltenden Zinstiefs Kosten einsparen, um „zukunftsfähig“ zu bleiben. Schwertberger kündigte eine „Optimierung der Geschäftsstellenstruktur“ an: Standorte werden nicht aufgelöst, sondern zum Teil umgewandelt – in reine SB-Stellen. „Wir ziehen uns nicht aus der Fläche zurück“, unterstrich Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates.
Einige Filialen umgewandelt
Aktuell hat die Sparkasse 20 Standorte, eines der dichtesten Geschäftsstellenetze im Freistaat. In und um Wasserburg sind in einem Radius von etwa drei Kilometern fünf Geschäftsstellen. Doch das Kundenaufkommen nimmt stark ab, dank Online-Banking. Deshalb werden jetzt fünf Filialen in SB-Sandorte umgewandelt, Öffnungszeiten in drei Filialen verkürzt und Standorte in Wasserburg – etwa für Beratung und Service – gebündelt. All diese Maßnahmen führen zu keinem Mitarbeiterabbau, so Bonholzer. Im Gegenteil: Die Sparkasse sucht zur Verstärkung weitere Mitarbeiter und aktuell noch zwei Azubis, berichtete Fuchsbüchler.