Soziale Medien werden für Manager immer wichtiger

von Redaktion

Der Priener IT-Experte Thomas Reck und sein Kompagnon raten Führungskräften, sich mit hilfreichen Beiträgen zu positionieren

Berlin/Traunstein/Prien – Corona hat die Wirtschaft durcheinandergewirbelt. Experten der DZ-Bank gehen davon aus, dass die Krise die deutschen DAX-Konzerne um bis zu 50 Prozent ihrer Gewinne bringen könnte. „Aufgrund der aktuellen Situation fangen immer mehr CEOs von DAX-Konzernen an, auf LinkedIn und anderen Social Media-Plattformen aktiv zu sein“, stellt Thomas Reck in diesem Zusammenhang fest.

Reck ist gebürtiger Priener, hat vergangenes Jahr kurz nach seinem Abitur in Traunstein in Berlin ein Start-up gegründet (wir berichteten). Insight Consulting verhilft Managern und Unternehmern zu einem professionellen Auftritt auf der boomenden Business-Plattform LinkedIn. „CEO-Personal Branding“ nennt sich das im Fachjargon.

Gegenüber unserer Zeitung erklären Thomas Reck und sein Geschäftspartner Moritz Neuhaus, warum sie und andere Marketing-Experten neben den klassischen Medien das Thema Social Media gerade in der Krise für so wichtig erachten.

Als Ausgangspunkt dient ihnen dazu eine neue Studie der Macromedia Hochschule: Fast die Hälfte der 31 deutschen DAX-Manager ignorieren bisher die sozialen Medien, acht nutzen immerhin einen Kanal; nur Jennifer Morgan, bis vor Kurzem noch SAP-CO-Chefin, ist auf allen Kanälen präsent und erzielt damit große Resonanz.

Ganz generell, so Reck und Neuhaus, setzte die Riege der deutschen DAX 30-Manager lieber weiterhin auf Printmedien, weil sie hier eine höhere Kontrolle verspüre: „Die Bedeutung nimmt, auch durch Corona, aktuell deutlich zu. Wie sonst sollen Führungskräfte sonst ihre Fortschritte sichtbar machen?“

Sich selbst als Marke präsentieren

Gleichzeitig würden diese Führungskräfte beobachten, wo die Aufmerksamkeit von Mitarbeitern, Kunden und Partnern zusätzlich sei: Auf sozialen Netzwerken, sei es nun LinkedIn, Facebook oder Youtube. Die Kanäle, sagen die beiden Geschäftsführer, seien das Instrument für die CEOs, sich als Marke zu positionieren. Reck und Neuhaus setzen dafür speziell auf LinkedIn, damit die Manager und Führungskräfte „in ihrer Nische herausstechen.“

Große Social Media-Erfolge wie die von Jennifer Morgan könnten auch einen negativen Effekt haben, gerade für weibliche Führungspersönlichkeiten, beobachten die beiden: „Wir treffen viele fähige und hochausgebildete Frauen, die aber vom medialen Erfolg anderer abgeschreckt sind und die sich verunsichert fühlen.“ Etwa, wenn sie irrtümlicherweise den Schluss ziehen, sie müssten ihre Follower „mit unter die Dusche nehmen“. Doch diese Strategie verfolge das Personal Branding nicht, betont der Chiemgauer Reck.

Möglicherweise haben es Männer leichter. Am Beispiel von VW-Chef Herbert Diess zeigt Reck: „Die Personenmarke hängt stark mit der Firmenmarke zusammen. Sie ist die Galionsfigur des Unternehmens. Hier geht es aber nicht darum, das Ego zu befriedigen, sondern darum, für die Firma einen Mehrwert zu schaffen.“ Diess mache das bislang sehr gut.

Die Qualität
der Inhalte

Insgesamt gehe es bei Social Media um Follower-Zahlen und Rankings, aber nicht zuletzt auch um die Qualität der Inhalte. Sich zu allem in der Welt äußern zu wollen, führe bisweilen zu wenig Substanz. Zu viel des Guten sei nicht förderlich, vor allem nicht in der Krise. Was das betrifft, sind sich Experten wie auch die beiden LinkedIn-Spezialisten einig: Jetzt relevante Inhalte zu posten, eröffnet Marken Handlungsfelder, um sich auch in Corona-Zeiten nachhaltig zu positionieren. Nur müssten die Beiträge hilfreich sein, um Teil der Konversation zu sein und damit Marken, seien es Personen oder Firmen, gestärkt aus der Situation hervorgehen können. sen

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