Aus für Erdölprojekt in Ampfing

von Redaktion

Keine wirtschaftliche Nutzung möglich – Firma RDG sucht nach Alternativen

Ampfing – Große Enttäuschung in Schicking: Die Erdöl-Fördertests der Firma RDG haben nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Die Förderung ist mittlerweile eingestellt. Damit wird es in Zukunft kein Erdöl aus Ampfing geben. „Das Erdöl konnte nicht mobilisiert werden“, sagt Projektleiter Ernst Burgschwaiger. Zwischen acht und zehn Millionen hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben bislang in das Projekt gesteckt.

Fördermenge
ist zu gering

Burgschwaiger zufolge liegt die Hauptursache für das negative Ergebnis darin, dass die Fließgeschwindigkeit des Erdöls langsamer ist, als bei der früheren Förderung, die von 1955 bis 1987 ganz in der Nähe stattfand. Die Fördermengen in Schicking seien zu gering. Damit sei de facto keine wirtschaftliche Förderung möglich, so Burgschwaiger. Genauere Angaben zur gefundenen Menge macht das Unternehmen nicht. Auch mit einer Modifikation der Förderanlage, zum Beispiel einer größeren Dimensionierung, wäre laut Burgschwaiger kein Ergebnis im angestrebten Bereich zu erwarten. Zu Beginn der Testphase war von wenigstens zehn Kubikmetern pro Tag gesprochen worden.

Am 17. Dezember vergangenen Jahres hat die Testförderung begonnen, im Februar sei sie eingestellt worden, sagt Burgschwaiger. Die guten Indikationen nach der Bohrung hätten sich im Förderergebnis leider nicht bestätigt. Wann die Testanlage abgebaut wird, stehe noch nicht fest.

Die Firma will nun aber weiter im Westen – Richtung Heldenstein – nach einer möglichen zweiten Lagerstätte suchen, um dort eine weitere Erkundungsbohrung zu setzen. Das gesamte Prozedere mit Aufbau des Bohrturms würde dort von Neuem beginnen. Mit einer Entscheidung darüber, ob es zu der neuen Erkundung kommt, rechnet Burgschwaiger bis zum Jahreswechsel. Nach seiner Schätzung hat RDG in das Projekt in Schicking bisher acht bis zehn Millionen Euro investiert.

Neues Testfeld in Richtung Heldenstein?

Bei der Suche nach einem neuen Testfeld stützt sich das Unternehmen mit Sitz in Hannover auf die vorhandene Seismik des Untergrunds, die seinerzeit auf einem 180 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Mühldorf und Rattenkirchen durchgeführt worden war. Dieses Untergrundmodell soll nun zusammen mit den in Schicking ermittelten und den von der einstigen Förderung vorliegenden Daten analysiert werden.

Eine wirtschaftliche Nutzung von Energie könnte aber auch in Schicking trotz der aktuellen ernüchternden Ergebnisse noch möglich sein. Dazu sind zwei Alternativen in der Überlegung: Erdwärmenutzung mittels Sonde beziehungsweise geothermische Nutzung durch Förderung heißen Tiefenwassers. Für den Einsatz einer Sonde würde Burgschwaiger zufolge die jetzige Bohrung, die in 2000 Meter Tiefe führt, ausreichen. Allerdings sei bei dieser Variante weniger Energiegewinnung zu erwarten als bei Geothermie.

Für diese zweite Möglichkeit müsste die Bohrung noch um einige hundert Meter vorangetrieben werden, um den Geothermiehorizont zu erreichen. Dafür würde dann erneut der Bohrturm in Schicking stehen. Die Temperaturen im Untergrund seien bereits bei der jetzigen Erdölförderung mitgemessen worden und könnten für eine Wassertemperatur im Geothermiehorizont in etwa hochgerechnet werden.

Nicht kalkulierbar ist laut Burgschwaiger die Schüttung. Hier könnte man aber durch eine Variation der Parameter möglicherweise etwas ausgleichen, indem man zum Beispiel bei zu geringer Schüttung etwas weiter in die Tiefe geht, um so heißeres Wasser zu fördern. Auch für diese weitere Nutzung der Schickinger Bohrung rechnet der Projektleiter mit einer Entscheidung bis zum Jahreswechsel. Neben den geologischen und technischen Aspekten werde dabei auch die Frage der Investitionskosten sowie die der Nutzungsmöglichkeiten für die gewonnene Wärmeenergie eine Rolle spielen.

Erdwärmegewinnung: Antrag läuft

Beim bayerischen Wirtschaftsministerium sei mittlerweile der Antrag zur Erdwärmegewinnung gestellt. Dieser bezieht sich Burgschwaiger zufolge auf beide Arten der Wärmegewinnung, „um alle möglichen Konzepte umsetzen zu können“. Für die Vermarktung der gewonnenen Wärme bräuchte RDG dann einen Partner, denn „das ist nicht unsere Kernkompetenz“.

Aufgabe von RDG sei es, die Erdwärme an die Oberfläche zu fördern. Die Gemeinde Ampfing sieht das Unternehmen als ersten Ansprechpartner an, mit dem Überlegungen für eine Wärmenutzung entwickelt werden könnten.

Gemeinde Ampfing als Partner?

Für eine so gewichtige Entscheidung der Gemeinde Ampfing ist es noch zu früh. Erst am Dienstagabend wurde der Gemeinderat von der Firma informiert. Bürgermeister Josef Grundner: „Wo die Reise hingeht, ob wir als Partner einsteigen können, das ist derzeit nicht zu sagen.“ Er bedauert, dass das Unternehmen trotz hoher Investitionen nicht den gewünschten Erfolg hatte. Die RDG war bislang ein guter Partner und Steuerzahler in Ampfing. Die energetische Nutzung der Erdwärme sei sicherlich interessant und zeitgemäß. „Im Detail sind aber noch viele Fragen offen, vor allem um welches Investitionsvolumen es da geht.“ Beim Thema Fernwärme sei zu klären, ob man die Wärme wirtschaftlich nutzen kann, wo sich ja der Ort Ampfing nördlich der Autobahn befindet und weiter entwickelt.

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