Jeder findet hier seinen Platz

von Redaktion

Die Personalpolitik der Eder GmbH Tuntenhausen hat sich das Familiäre bewahrt

Tuntenhausen – „Ich bin vom Eder!“ Dominik Gambos reagiert schon fast empört auf die Frage, ob es schon Versuche gegeben habe, ihn als Meister für Landmaschinentechnik abzuwerben. Natürlich gab es die. Und nicht nur einmal. Schließlich ist die landwirtschaftlich geprägte Region dicht besiedelt mit Technikanbietern. Fachleute sind gefragt. Doch von der Eder GmbH weggehen? „Nein, das käme für mich nie in Frage“, sagt der 51-Jährige. Er ist schon seit 34 Jahren dabei, hat im Tuntenhausener Landtechnik-Unternehmen seine Ausbildung gemacht, bildet heute als Meister selbst den Nachwuchs aus.

600 Mitarbeiter in familiärer Atmosphäre

Aber das Wichtigste: „Wir sind ein Familienunternehmen. Da ist einer für den anderen da“, betont der Meister der Landtechnik. Kaum vorstellbar, dass bei 600 Mitarbeitern das Familiäre noch eine Rolle spielen kann. Doch genau diese Maxime ist mit dem Unternehmen gewachsen, das 1956 von Josef Eder begründet wurde. „Er war eine richtige Legende“, sagt Gambos hochachtungsvoll. „Er kannte all seine Leute.“ Heute leben seine Nachfolger dieses Credo. „Natürlich will ich wissen, wie es meinen Leuten geht“, sagt Angi Eder (50), die in der Geschäftsleitung fürs Personal zuständig ist. „Schließlich sollen sie hier glücklich sein.“ Und so kümmert sie sich nicht nur um die Ausbildung von jährlich bis zu 100 Lehrlingen, sondern auch um die „kleinen“ Dinge im Leben. Sei es eine Wohnung oder eine Mitfahrgelegenheit. Seien es private Sorgen. Angi Eder weiß genau, was ihren Leuten auf der Seele brennt.

Maximilian Graf (28) ist einer von den jungen Mitarbeitern, der auf seine Chefin bauen konnte. Als er sich schon mit 17 Jahren auf die eigenen Beine stellen wollte, war sie an seiner Seite. „Er hat sich richtig durchgebissen“, ist Angi Eder stolz auf den Einzelhandelskaufmann, der im Baumarkt in der Holzabteilung genau der Richtige ist.

Normale Menschen sind genau richtig

Bei Neueinstellungen ist Angi Eder oft dabei. Als Bindeglied der Geschäftsleitung zu den zehn Abteilungen des Hauses. Als die, die sich für weit mehr als Abschlüsse und Referenzen interessiert. „Die Leute müssen zu uns passen, sympathisch und offen sein“, erklärt sie. „Keine Zicken, keine Gschafftler. Bodenständige Menschen, die Lust auf ihren Beruf haben und unsere Teams stärken.“ Deshalb gehören auch ein bis zwei Schnuppertage zum Einstieg bei Eder dazu. Und dann entscheiden viele „Bäuche“ – die des Neuen, der Alten, der Abteilungsleiter und der Chefin. Damit fährt das Unternehmen gut. „Die Fluktuation ist minimal. Und manch einer von den jungen Leuten, die gehen, weil sie gern auch mal etwas anderes ausprobieren wollen, kommt zurück“, erzählt Beate Hüter (59) aus der Lohnbuchhaltung – schon seit 30 Jahren im Unternehmen. Die Eder-Hierarchien sind flach. Der Chef ist der Chef. „Trotzdem sind alle auf Augenhöhe, und genau das macht ein gutes Team aus“, sagt Hüter.

Schon die Azubis wissen, dass sie einfach nur Mensch sein dürfen. Mit Fehlern. Mit Fehlentscheidungen. Mit guten und schlechten Tagen. Johannes Schmidt (31) aus Tuntenhausen ist einer von denen, die nach der Lehre „flügge“ wurden. Sieben Monate war er fort, dann holte ihn Firmenchef Peter Eder zurück. Heute leitet Schmidt das Ersatzteillager im Fahrzeug- und Maschinenbau Algema Fit-Zel.

„Wir haben tolle Azubis“, ist Angi Eder stolz auf ihren Firmennachwuchs. „Und wenn es mal nicht so gut laufen sollte, dann wissen die jungen Leute, dass die Nachhilfe zwei- bis dreimal in der Woche im Hause ist.“ In 15 Berufen wird derzeit bei Eder ausgebildet. Die Azubis lernen ihren Job und das Unternehmen von der Pike auf kennen. Und so kommt es vor, dass sich ein Azubi erst mit Eder findet und umentscheidet.

Karriere in 15 Berufen und zehn Abteilungen

„Wir haben Kaufleute, die aus der Werkstatt ins Büro und dann doch wieder in den Handel wollten. Wir haben Lageristen, die als Informatiker Karriere gemacht haben. Und einige haben auch gleich mal zwei Ausbildungen absolviert“, umreißt Angi Eder die Möglichkeiten und betont: „Wichtig ist allein der Mensch, der sich wohlfühlen muss. Wir haben hier so vielfältige Aufgaben, dass sich für jeden das Passende findet.“

Einer dieser „Findlinge“ ist Severin Haas (17) aus Weiching. Nach einem halben Jahr Ausbildung merkte er, dass der Beruf des Mechatronikers doch nicht sein Traum ist. Jetzt macht er eine Lehre zum Groß- und Einzelhandelskaufmann und ist glücklich. Angi Eder hat sich mit der Berufsschule und der IHK darum bemüht, dass er keinen Tag Ausbildung verliert und seine verpassten Module nachholen kann.

Zu nachhaltiger Personalpolitik – oder besser gesagt zur Zufriedenheit der Mitarbeiter – gehören bei Eder auch berufliche Perspektiven. Duale Studien, Meister- oder Technikerausbildungen, Seminare für Führungskräfte, der Wechsel in neue Abteilungen, permanente Schulungen und größere Verantwortungen.

Rosi Kirchberger (32) hat während ihrer Lehre vor 17 Jahren alle Abteilungen des Unternehmens kennengelernt. Nach der Abwicklung von Ersatzteilen und der Buchhaltung ist sie jetzt Teamleiterin für die Verwaltung von Landtechnik. Sie ist erfüllt von ihrer Aufgabe, doch sie weiß auch eines: „Wenn ich irgendwann eine neue Herausforderung suche, werde ich sie bei Eder finden.“

Auch Josef Lechner (25) wird vom Unternehmen in seinem Anspruch unterstützt, sich umfassend auszubilden. Als Azubi für Groß- und Einzelhandel fing er in Tuntenhausen an, danach qualifizierte er sich berufsbegleitend zum Handelsfachwirt.

Unverwechselbarer
„Stallgeruch“

Jetzt leitet er den Verkauf Landtechnik und studiert nebenbei Betriebswirtschaft. Eder fördert ihn, denn „wir brauchen ja auch gute Führungskräfte“, bringt es die Personalchefin auf den Punkt.

„Wer einmal Eder-Stallluft geatmet hat, der geht nicht mehr weg“, sagt Dominik Gambos. „Dieses Gefühl nimmt auch Ängste, denn wer sich wohlfühlt, der identifiziert sich mit seinem Unternehmen und vertraut.“ Deshalb hat den 600 „Eders“ auch die Corona-Krise keine Existenzangst bereitet, denn „Landwirtschaft geht immer weiter“, weiß Gambos.

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