Mühldorf/Wasserburg – Seit rund 20 Jahren boomt das Geschäft mit den Swimmingpools – auch in der Region. Nie waren die kleinen oder großen Schwimmbäder oder Whirlpools im heimischen Garten aber so gefragt wie in der Corona-Krise. Seit Wochen können sich die Anbieter vor Anfragen kaum retten.
Ein in Waldkraiburg ansässiger Hersteller möchte nicht einmal seinen Namen in der Zeitung lesen, denn noch mehr Kundschaft könne er derzeit nicht gebrauchen.
Beim Urlaub zu
Hause hilft ein Pool
Auch der Obertaufkirchener Fischer GmbH rennen die Interessenten die Bude ein. Normalerweise kämen zwei bis drei Anfragen pro Woche; das gebe es nun täglich. „Anstatt die nächste USA-Reise zu buchen, überlegen sich die Leute Alternativen“, sagt Geschäftsführer Josef Schweickel.
Das habe er schon einmal 2001 nach den Anschlägen in New York erlebt. Da sei man ebenfalls sehr unsicher gewesen und habe die Urlaubsstimmung in den Garten verlegt.
Dabei ist den Preisen nach oben hin kaum eine Grenze gesetzt, sagt Leo Essler von der CML Essler GmbH mit Sitz in Bonbruck. Für ein großes Qualitätsbecken müsse man ab 30000 Euro aufwärts zahlen. Noch mal die gleiche Summe für die Baukörperausführung und Zubehör sei durchaus drin.
Was tun, wenn der Geldbeutel nicht ganz so tief ist? Alternativen gibt es natürlich auch, betont Anton Habermeier, der seit Jahren nicht nur teure Betonbecken, sondern auch preiswertere Rundbecken anbietet, die die Kunden selbst im Garten aufbauen können. Ab 1000 Euro geht es los. „Solche Rundbecken haben wir auch aktuell auf Lager“, trotz des großen Andrangs. Die könnte der Kunde theoretisch am Samstagvormittag mit seinem Hänger mitnehmen und das Becken über das Wochenende aufbauen, sagt der Unternehmer, der mit seinem Buchbacher Betrieb heuer eigentlich das 130. Firmenjubiläum feiern wollte. Die geplante große Pool-Party fällt jetzt natürlich ins Wasser. Die jetzige Generation ist bereits die vierte im Unternehmerhaus; die fünfte steht schon in den Startlöchern. Mindestens 2000 Becken hat seine Firma im Lauf der Jahre mit Folie ausgestattet, über 190 Angebote hat er allein in den letzten beiden Monate gemacht; lediglich aus vieren von 20 werde auch ein Auftrag. „Die Menschen unterschätzen einfach die Kosten, die ein gutes Schwimmbecken mit sich bringt!“ Abgesehen davon blicke so mancher sorgenvoll in die Zukunft, schon jetzt sei mancher Bauherr vorsichtiger geworden. „Ohne Corona hätten wir vielleicht sogar noch mehr zu tun.“
Kurzfristig geht aber im höherwertigen Bereich nichts, heißt es bei der Firma Häringer Garten- und Landschaftsbau in Wasserburg. Dort sind bis Mitte Juli alle Beratungstermine ausgebucht. 20 bis 25 Anlagen wird das Unternehmen mit seinen elf Mitarbeitern in diesem Jahr bauen – 2019 waren es 18. Juniorchef Jonas Häringer sagt, dass Corona dem schon vorher spürbaren Trend zum „Urlaub daheim“ einen weiteren Schub gegeben hat.
Jetzt sei das Bedürfnis, sich auch zu Hause im Außenbereich eine Oase zu schaffen, noch stärker geworden. „Die Leute geben viel mehr Geld als früher für ihre Außenanlagen aus“, sagt er. Vor zehn Jahren hat der Fokus noch eindeutig auf dem Haus und dem Innenausbau gelegen. Hinzu kamen eine Terrasse und Rasen – fertig.
Nicht nur für
Manager bezahlbar
Baden im eigenen Garten: Das leisten sich nach seinen Angaben deshalb nicht nur Manager, sondern auch Häuslebauer mit kleinerem Geldbeutel. Ein Pool oder Naturteich kostet 1000 Euro aufwärts, ab 35000 gibt es hochwertige Modelle, die bis zu 30 Jahren halten. „Die Kosten sind vergleichbar mit einem Mittelklassewagen, doch der verzeichnet einen viel schnelleren Wertverlust“, betont Häringer.