„Wir schreiben Genossenschaftsgeschichte“

von Redaktion

Interview Hubert Kamml, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Rosenheim-Chiemsee, zur Fusion mit Altötting-Mühldorf

Rosenheim – So ein Projekt hat die Region noch nicht gesehen. Mit der Fusion entsteht die drittgrößte Genossenschaftsbank Deutschlands. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit Hubert Kamml, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Rosenheim-Chiemsee.

Herr Kamml, wie ist die Idee zur Fusion entstanden?

Mein Kollege Wolfgang Altmüller und die VR meine Bank Altötting haben die gleichen Themen wie wir: Digitalisierung, Arbeitgeberattraktivität, Niedrigzinsen, Mitarbeiterqualität und die langfristige Begleitung von größeren Gewerbekunden. Und so sind wir sehr schnell zu dem Ergebnis gekommen, uns zusammenzuschließen. Jetzt schreiben wir Genossenschaftsgeschichte: Denn wir sind die beiden größten Genossenschaftsbanken in Bayern. Wobei es uns nicht um Größe geht. Es ist die Nähe zu unseren Kunden, die wir mit einer besonderen Qualität und Stärke bedienen möchten.

Was sind die Vorteile der Fusion für die Kunden?

Die Kunden werden es merken. Wir werden uns digital gemeinsam weiterentwickeln, auch mit Spezialisten. So zum Beispiel in der Landwirtschaft und in der Reisewirtschaft. Die Kollegen in Altötting kennen sich auch gut aus bei Beteiligungen. Wir wollen technisch up to date sein und persönlich mit einer Qualität beraten, wie sie sich die Kunden wünschen.

Stichwort Digitalisierung – werden Filialen wegfallen?

Das Thema Filialen haben wir seit langen Jahren. Das hat nichts mit einer Verschmelzung zu tun. Der Kunde bestimmt den Nutzen einer Filiale, indem er dort Beratungsleistungen in Anspruch nimmt oder nicht. Wir spüren schon, dass sich die Nutzung durch die starke Digitalisierung verändert und auf die Filialstruktur Auswirkungen hat.

Das Thema Fusion von Banken ist oft ein schwieriges Thema für Arbeitnehmer. Ist mit einem Stellenabbau zu rechnen?

Ich spreche nur von einer Verschmelzung. Wir wollen die Interessen aller zusammenbringen und aus unseren Häusern das Beste machen. Natürlich hat dies auch den Sinn, dass wir Synergien schaffen und Abteilungen zusammenlegen. Langfristig wollen wir an der einen oder anderen Stelle auch effizienter werden. Das ist jetzt die siebte Verschmelzung, die ich begleite. Bisher ist uns das exzellent gelungen. So müssen wir keinen Personalabbau ad hoc machen, sondern in einem gleitenden Prozess. Wichtig ist aber, dass wir uns im Kundengeschäft noch stärker engagieren und noch mehr Geschäft machen. Dann können wir auch viele Menschen beschäftigen.

Ist denn irgendwann mit einer „VR Bank Oberbayern“ zu rechnen?

Ich weiß nicht, was in zehn Jahren ist. Heute steht die VR Bank für die Region zwischen Salzburg und München. Da sind wir zu Hause, und darauf konzentrieren wir uns.

Wo wird die Zentrale der neuen Bank sein?

Wir haben drei wichtige Dienstleistungszentren, und das wird so bleiben. Altötting, Rosenheim und Bad Aibling. Uns ist auch wichtig, dass die Mitarbeiter in den Dienstleistungszentren dezentral und möglichst heimatnah arbeiten können. Außerdem erledigen wir viel in digitaler Zusammenarbeit. Interview: Heidi Geyer

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