Bad Aibling/Feldkirchen-Westerham – Die coronabedingten neuen Arbeitsformen haben nicht nur in Unternehmen ihre Spuren hinterlassen. Homeoffice statt Präsenz fegte in den letzten Monaten auch die Tagungshotels leer. Jetzt kehren die Unternehmen allmählich wieder zur Normalität zurück, bieten Seminare und Tagungen an. Doch die Nachfrage ist verhalten. „Das Tagungsgeschäft hat noch lange Schatten“, informiert Jost Deitmar, Inhaber des Romantik Hotels „Das Lindner“ im Herzen Bad Aiblings. Seit Mitte Juli werden wieder Räume für Seminare gebucht. Trotzdem lägen die Anfragen momentan nur bei etwa 15 Prozent eines gesunden Jahres. „Normalerweise ist das Mangfalltal mit seiner schönen Lage und den vielen tollen Tagungshotels bei bayerischen Unternehmen eine gefragte Adresse“, betont Dr. Thomas Geppert, der Landesgeschäftsführer der Dehoga Bayern. Um ihnen wieder Mut für Präsenzveranstaltungen zu machen, plane die Dehoga in den nächsten Wochen Aktionen. „Wir haben es geschafft, dass in Bayern unter bestimmten Bedingungen wieder bis zu 200 Menschen in Räumen mit Sitzplätzen aufeinandertreffen dürfen“, betont Geppert. Damit könne ein wichtiger Wirtschaftsfaktor wiederbelebt werden. „Nun geht es darum, den Unternehmen und Veranstaltern zu zeigen, dass sicheres Tagen wieder möglich ist.“
Grundsätzlich dürften die Hotels ihre Kapazitäten wieder voll ausschöpfen. Doch die Nachfrage kommt erst langsam in Schwung. Im Hotel St. Georg in Bad Aibling liegt die Auslastung der Tagungskapazitäten derzeit bei etwa 20 Prozent. „Wir bleiben optimistisch“, sagt Hoteldirektor Norman Moll. Trotzdem blicke er mit gemischten Gefühlen auf die Entwicklung der Corona-Pandemie und den Herbst. „Manche Konzerne haben ihre Tagungen bis Februar storniert, weil sie kein Risiko eingehen wollen“, sagt Jan Ströter, Hotelchef der IHK-Akademie in Westerham. Trotzdem sei das Haus ab September wieder zu 70 Prozent ausgebucht. Dabei gehe die Tendenz zu kleineren Gruppen von zehn bis 15 Teilnehmern. Auch wenn in der Corona-Krise digitale Arbeitswelten ausgebaut werden mussten, bleibe der persönliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht eine wichtige Komponente, betont Ströter. „Tagungen haben viele Effekte, die sich nicht in Euro ausdrücken lassen“, bestätigt auch Deitmar: „Die Menschen sehnen sich nach sozialem Miteinander. Zudem werden bei einem Abendessen am Rande einer Tagung ganz andere Themen angesprochen und Probleme gelöst, als das im Rahmen von Seminaren möglich ist.“
Der Personalaufwand für die Hotels ist größer geworden. Flächen müssen regelmäßig desinfiziert werden. Der Ablauf von Tagungen wurde modifiziert. Buffets sind nicht erlaubt. Also werden die Gäste bedient. Glück haben derzeit jene Tagungszentren, die über große Räume für ausreichend Abstand verfügen. Eine naturnahe Lage ist von Vorteil, um intensiv lüften zu können, ohne dass der Verkehrslärm die Veranstaltung stört. Und auch Seminarräume im Freien werden immer beliebter. „Unsere Plattform ist so gut gebucht wie nie“, bestätigt Ströter. Weiträumig sind auch die Möglichkeiten im B&O Parkhotel in Mietraching. Bei schönem Wetter lassen sich Besprechungen und Arbeitspausen hier ganz unkompliziert in die Parkanlage verlegen. Zudem wurde erst im Juli das neue Konferenzzentrum eröffnet. „Damit verfügen wir jetzt über eine Tagungsfläche von 2000 Quadratmetern und flexiblen Raumangeboten von 35 bis 410 Quadratmetern“, berichtet Katharina Kech, die B&O Marketing- und Vertriebschefin. Anfragen, Buchungen und Stornierungen entwickelten sich genauso wellenartig wie der Verlauf der Corona-Pandemie. „Wir haben gut gebuchte Wochen. Kaum wird über steigende Corona-Zahlen informiert, kommt es zu Stornierungen.“ Große Konzerne verhielten sich zurückhaltend, weil sie weltweite Vorgaben einhalten müssten, die zum Teil strenger als die Corona-Regeln in Bayern seien. Kathrin Gerlach