St. Wolfgang/Schechen – Über eine stabile wirtschaftliche Entwicklung – „trotz eines gesellschaftlich und politisch turbulenten Umfeldes“ – freute sich der Vorstandsvorsitzende Hans Auer in der Mitgliederversammlung der Erzeugergemeinschaft Südbayern im Gasthaus Schecks in St. Wolfgang und Kapsner in Hochstätt (Schechen). Der Genossenschaft gehören 10000 Landwirte als Mitglieder an.
Kritik an der
Düngeverordnung
Das Vermarktungsvolumen von 1,25 Millionen Schlachtschweinen, 1,3 Millionen Ferkeln, 72000 Schlachtrindern und 58000 Kälbern und Fressern belege, dass die Genossenschaft ihre Marktposition auf einem stabilen Niveau habe behaupten können, so Auer.
In allen Bereichen der tierischen Veredelung kommt es jedoch zu deutlichen Produktionsreduzierungen. Dabei sei weniger die wirtschaftliche Situation der Anlass für die Resignation vieler Betriebsleiter, sondern vielmehr „die überquellende Verordnungs- und Regulierungsflut“, die von den Landwirten nicht mehr verstanden und auch nicht mehr bewältigt werden könne, so Auer. Gerade die Vorgaben der Düngeverordnung werden nach seiner Meinung zu einer „unvermeidlichen weiteren Beschleunigung des Viehbestandsabbaus“ führen.
Vorstand Willi Wittmann erläuterte das derzeit erfreuliche Marktgeschehen im Ferkel- und Schweinebereich. Er verwies aber auch darauf, dass ein gewaltiger Anteil des Nachfragesogs durch das Schweinepest-Geschehen in China ausgelöst worden sei. Es habe dazu geführt, dass im größten Schweineproduktionsland der Welt 200 Millionen Tiere, also mehr als in ganz Europa vorhanden, hätten vernichtet werden müssen. Gerade dieses offensichtlich nicht kontrollierbare Seuchengeschehen bereite Sorge, weil auch das europäische Umfeld, insbesondere die östlichen Länder, längst betroffen seien und ein Ausbruch in Deutschland gravierende Auswirkungen auf die Exportmöglichkeiten hätte.
Dabei sei die Inlandsnachfrage nicht erfreulich. So ist der Inlandsverzehr allein im Jahr 2019 um 8,2 Prozent abgeschmolzen, berichtete Wittmann. Dem stehe eine ebenso rasant schrumpfende Produktion gegenüber. Die Statistik belege, dass sich in den vergangenen 30 Jahren die Zahl der Schweine in Bayern um rund ein Drittel reduziert habe und im gleichen Zeitraum von ehemals 92000 schweinehaltenden Betrieben nur noch 4500 übrig geblieben seien.
Trotz aller Unsicherheitsfaktoren erwartet Wittmann auch für die nächste Zeit erfreuliche Ferkel- und Mastschweinepreise.
Nicht so positiv fiel der Bericht von Prokurist Erwin Hochecker über die Rindervermarktung aus. Die Entwicklung der Preise konnte die Erwartungen nicht erfüllen und blieb hinter dem Niveau aus 2018 zurück. Dies sei umso erstaunlicher, als Rindfleisch im Gegensatz zu allen anderen Fleischarten weiter in der Gunst der Konsumenten zulegen habe können. Für diesen Preisdruck sieht der Marktexperte weniger die Auswirkungen des Mercosur-Abkommens als vielmehr die europäischen Wettbewerber in Irland und Polen verantwortlich, die mit erheblichen Mengen den Markt fluten würden.
Hochecker verwies auf die deutliche Diskrepanz, die zwischen Umfrageergebnissen und Verbrauchereinkaufsverhalten liege. Der Ernährungsreport sage aus, dass angeblich 90 Prozent der Verbraucher bereit seien, für bessere Haltungsbedingungen auch mehr Geld auszugeben. Das tatsächliche Einkaufsverhalten an der Theke besage aber, dass 73 Prozent zu Billigangeboten greifen würden und nur 27 Prozent den teuren Bio- oder Tierwohlartikeln den Vorzug geben würden.
Strukturplan für
Schlachthöfe
Da die Forderungen nach erzeugernaher Schlachtung, kurzen Transportwegen und flexiblen Absatzwegen untrennbar mit leistungsfähigen Schlachtbetrieben verbunden sind, verwies der Vorstandsvorsitzende Auer auf die gute Konstellation in Südbayern. Durch die konsequente Umsetzung des Schlachthofstrukturplanes unter aktiver Einbindung der Erzeugergemeinschaft wurden mit den Schweinebetrieben in Vilshofen und Landshut sowie dem Rinderbetrieb in Waldkraiburg Betriebe geschaffen, die für die Zukunft aufgestellt seien und den Kundenanforderungen gerecht werden könnten. re