Tuntenhausen – Das Mehl kommt aus Altötting, der Schinken aus Rosenheim, Formfleisch und Analogkäse sind Fehlanzeigen: „Wir legen großen Wert auf gute regionale Zutaten“, sagt Andreas Spaun, Chef der „BayernPizza“ in Ostermünchen. Bis zu 180000 tiefgekühlte Roh-Pizzen verlassen jährlich in „normalen“ Zeiten den Lebensmittelbetrieb im Gewerbegebiet am Oberrainer Feld; der Umsatz liegt laut Spaun bei knapp 600000 Euro.
Von den 17 Sorten, die in reiner Handarbeit entstehen, genießt der 57-jährige Unternehmer am liebsten die Thunfisch-Variante, wie er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen gesteht.
Appetit gehörig
vergangen
Der Appetit sei ihm im Frühjahr gehörig vergangen: Coronabedingt sackten im März die Absatzzahlen in den Keller, der Umsatz brach um 90 Prozent ein, „weil wir ausschließlich die Gastronomie beliefern, wie Kneipen, Sportheime oder Tenniscenter; die mussten aber aufgrund des Lockdowns alle schließen“, so Spaun. Auch er machte seinen Betrieb zwangsläufig im April dicht, für die 17 Mitarbeiter in den Bereichen Produktion, Verpackung, Verwaltung und Lieferung war Kurzarbeit angesagt.
Spaun machte aus der Not eine Tugend und warb auf seiner Facebook-Seite: „Hallo, wie ihr bestimmt aus den Medien erfahren habt, müssen alle Gaststätten und Kneipen wegen der Corona-Krise vorerst schließen. Wir bieten jedoch Freitag und Samstag von 18 bis 22 Uhr ‚Pizza to go‘ zum Sonderpreis an.“
Aufholen konnte er das Defizit mit dieser Aktion natürlich nicht, aber nach den Lockerungen ging‘s ab Mai und Juni wieder etwas bergauf mit den Zahlen.
„Die Idee für den Pizza-Betrieb kam 2003 von einem früheren Geschäftspartner, der selbst eine Gastronomie betrieben hat“, erzählt Spaun unserer Zeitung. „Wir wollten eine gute Tiefkühl-Pizza herstellen, die im Unterschied zu einer Supermarkt-Pizza nicht vorgebacken ist.“ Das Procedere ist bis heute gleichgeblieben: Der Teig wird selbst hergestellt und in Schalen portioniert, die Tomatensoße aufgebracht, mit den Zutaten belegt und sofort schockgefroren. Spaun: „In den Anfängen wurden die Roh-Pizzen in einer Tiefkühltruhe eingefroren; produziert haben wir sie in Kellerräumen. Erst für die eigene Kneipe, dann auch für einen Nachbarn. Der wiederum hatte einen Bekannten, der auch beliefert werden wollte – und so sind wir langsam gewachsen.“
Richtig los mit der Serienproduktion ging‘s dann in Feldkirchen-Westerham, „anfangs im kleinen Familienbetrieb auf 200 Quadratmetern. Mit sechs Leuten haben wir monatlich bis zu 4000 Pizzen hergestellt“, so der Unternehmer weiter.
Nach sechs Jahren platzte der Produktionsbereich aus allen Nähten, also wurde umgezogen in eine größere Betriebsstätte in Tuntenhausen, in dem nun zwölf Mitarbeiter bis zu 110000 Pizzen pro Jahr in den Froster schoben. Nach acht Jahren war auch hier wieder Schluss: Jetzt produziert Spaun mit seinen Mitarbeitern in der neuen 720 Quadratmeter großen Halle im Ostermünchener Gewerbegebiet „im Monat etwa 15000“, sagt er hörbar stolz.
Wichtig für die
Gewerbesteuer
Was auch auf die Gemeindefinanzen positive Auswirkungen hat, wie Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl bestätigt. „Mit Gewerbebetrieben sind wir gut aufgestellt, darüber sind wir froh“, sagt der Rathauschef auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Bayern-Pizza ist einer der Betriebe, die sich mit ihrer Gewerbesteuer positiv im Gemeindesäckel bemerkbar machen.“
Aufgrund der neuesten Entwicklung an der Corona-Front befürchtet Spaun jetzt allerdings erneut Einbrüche in den Auftragseingängen.