Jettenbach/Töging – Sein 100-jähriges Betriebsjubiläum hätte das Wasserkraftwerk Jettenbach-Töging 2024 feiern können. Doch dazu wird es nicht mehr kommen: In zwei Jahren soll das neue Kraftwerk in Töging, unmittelbar neben dem jetzigen „Wasserschloss“ gelegen, seinen Betrieb aufnehmen.
Strom für
200000 Haushalte
Um ein Viertel werde die jährliche Stromerzeugung dann steigen und könnte damit den Strombedarf von 200000 Haushalten decken, teilt dazu das österreichische Energieunternehmen Verbund mit, das die Innkraftwerke 2009 erworben hat. Die Verbund Innkraftwerke GmbH mit Sitz in
Töging investiert in das Neubauprojekt 250 Millionen Euro.
Das Projekt umfasst neben dem Kraftwerksneubau in Töging auch die Erneuerung der Wehranlage in Jettenbach sowie Baumaßnahmen am 20 Kilometer langen Innkanal. Um den notwendigen Wasserzulauf für das neue Kraftwerk in Töging sicherzustellen, mussten die Betonwände des Kanals in die darüber liegenden Wiesenböschungen erhöht werden. „Die dafür benötigten Flächen werden gemäß der Verpflichtung zum Flächenausgleich im Projektgebiet wieder hergestellt.
So wird sichergestellt, dass kein hochwertiger Naturraum verloren geht. In unserem Fall wandeln wir intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen in Magerrasenflächen um“, teilt der Verbund mit. Die Arbeiten am Kanal seien bis auf punktuelle Restmaßnahmen weitestgehend fertiggestellt. Ausständig seien noch Arbeiten an den Innkanalbrücken Au-Moos und Hart bei Waldkraiburg.
In Töging ist mit dem Bau des Kraftwerks begonnen worden, aktuell würden die ersten Maschinenteile geliefert, so das Unternehmen. Dank moderner Technik würden in dem neuen Kraftwerk nur noch drei Kaplan-Turbinen anstelle der bisher 15 Francis-Turbinen zum Einsatz kommen. Mit dem Einbau des ersten Kaplan-Turbinenlaufrads rechnet die Verbund GmbH für
Februar oder März nächsten Jahres, die beiden weiteren sollen Mitte und Ende 2021 folgen. In Jettenbach wird das Wehr, dem ebenfalls ein kleines Kraftwerk angegliedert ist, mit den derzeit sechs Wehrfeldern durch einen Neubau mit nur noch vier, dafür aber größeren Wehrfeldern ersetzt. Jedes der neuen Wehrfelder ist 26 Meter breit, neun Meter hoch und über 100 Tonnen schwer. Zwei dieser Wehrfelder sind inzwischen fertiggestellt.
Das Stauziel am Wehr in Jettenbach – der Wasserstand im Kanal – werde um 70 Zentimeter angehoben, die bisherige Stauanlage nach dem Bau des neuen Wehrs abgerissen, so Verbund-Pressesprecher Wolfgang Syrowatka.
Derzeit beginne die Niedrigwasserphase, was insbesondere für die Arbeiten auf der Wehrbaustelle von besonderer Bedeutung sei. Nur jetzt könnten die Maßnahmen zur Herstellung der noch fehlenden Wehrfelder 1 und 2 begonnen werden. Sie müssten rechtzeitig abgeschlossen werden, denn wenn im alpinen Einzugsgebiet des Inns die Schneeschmelze einsetzt, wäre eine Fortsetzung der Arbeiten erst im Herbst/Winter des nächsten Jahres wieder möglich.
„Vor dem Beginn des Sommerhalbjahres machen wir die Baustelle fit für die höhere Wasserführung. Dank dieser Vorbereitungen haben auch die heurigen Phasen verstärkter Wasserführung keine negativen Folgen gehabt – auch wenn es natürlich spektakulär aussieht und klingt, wenn beim Wehr in Jettenbach das Wasser dahin rauscht und ganze Bäume an der Baustelle vorbeitreiben“, erklärt Bernhard Gerauer, Projektleiter der Verbund Innkraftwerke.
Projekt durch Corona nicht behindert
Mit dem Fortschritt des Projekts zeigt sich der Energieversorger sehr zufrieden: „Die Kostenplanung und Kostenentwicklung entspricht ebenso wie der Zeitplan unseren Erwartungen. Die aufkeimende Covid-19-Situation hat anfangs durchaus für Unsicherheiten gesorgt, es hat sich aber gezeigt, dass sich die Wirtschaft sehr rasch auf die neuen Herausforderungen eingestellt hat. Sowohl Fachkräfte wie auch Material und Bauteile konnten zur Baustelle gelangen.“