Barnhouse-Geschäftsführer Martin Eras (Mitte) bei der Vertragsunterzeichnung mit (von links) Andreas Remmelberger, Sepp Wasmeier, Michael Rittershofer, Gerhard Schweiger und Hans Reichl. Foto Barnhouse
Kirchdorf/Mühldorf/Piding – „Das ist unser Müsli und unser Joghurt“, sagen die vier Kinder von Irmi und Sepp Heindl aus Kirchdorf ganz stolz, wenn sie am Frühstückstisch sitzen. Und sie meinen es wörtlich: Die Zutaten zum Bio-Joghurt von Berchtesgadener Land und zum Krunchy-Müsli von Barnhouse stammen nämlich von ihrem Hof. Ebenso das Glas Milch, das sie so gerne trinken.
„Wir besitzen 50 Milchkühe, die produzieren eine durchschnittliche Jahresleistung von rund 7000 Liter Milch“, erklärt Bio-Landwirt Sepp Heindl. Hier ist die Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land ein dankbarer Abnehmer – seit 2008 sind die Heindls Genossenschaftsmitglieder. Jeden zweiten Tag kommt der Milchlaster und holt 1600 Liter zertifizierte Naturland-Milch. Den durchschnittlichen Milchpreis aktualisiert die Molkerei auf ihrer Homepage. Derzeit gibt es 44,83 Cent pro Kilo für die Bergbauern-Milch – für konventionelle sind es 43,73 Cent. Bio-Naturland-Milch bringt 53,80 Cent und für Bio-Demeter-Milch bekommen die Bauern 55,96 Cent (bisheriger Jahresdurchschnitt).
Im Jahr 2013 hat das Familienunternehmen rund 150000 Euro in den Stallumbau investiert – damit die Tiere mehr Platz haben. 2015 wurden noch einmal 120000 Euro in einen gebrauchten Melkroboter gesteckt.
Für die die Barnhouse Naturprodukte GmbH in Mühldorf betreibt der Biohof bereits seit fünf Jahren Hafer-Vertragsanbau. Jetzt im Herbst ist das erste Krunchy-Müsli mit Heindl‘schem Getreide „vom Band“ gegangen.
Bis zu 60 Dezitonnen je Hektar können die Heindls aus dem Haferanbau erwirtschaften. „Der Haferpreis liegt netto bei 38 Euro – vorausgesetzt ist ein Hektoliter Gewicht von 54 Kilo. Heuer hatten wir 3,10 Hektar angebaut und nächstes Jahr werden wir wegen der Fruchtfolge Dinkel für Barnhouse ernten“, sagt Irmi Heindl.
Mit Blick auf Corona sagt sie, der wirtschaftliche Einfluss sei beim Verkauf von Rindern und Kälbern zu spüren. „Die Erlöse sind niedriger. Die Lokale haben alle zu, es gibt keine Volksfeste, das Oktoberfest fiel aus. Da ist das Vermarkten halt schwieriger“, erklärt sie im Gespräch mit der Zeitung.
Ihre Haupteinnahmequelle sei das Milchgeld, das sei stabil. „Die Milchabholung war und ist durch die Speditionen und die Molkerei stets gesichert.“ Da viele der Mitglieder Nebenerwerbsbetriebe seien, habe „Berchtesgadener Land“ im Frühjahr alle seine Lieferanten mit einer Corona-Hilfe in Höhe von 1000 Euro im Frühjahr unterstützt.
„Persönlich merken wir, dass das Ansehen und die Wertschätzung der regionalen und ökologischen Landwirtschaft bei der Bevölkerung durch Corona ansteigt“, sind sich die Heindls einig. ANDREA KLEMM