Mühldorf – Strukturwandel und Digitalisierung stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. Einige Berufsprofile werden nicht mehr benötigt und fallen weg. Das ist der Horizont, in dem die „Taskforce Fachkräftesicherung+“, die Unternehmen bei der Weiterqualifizierung von Mitarbeitern unterstützt, unterwegs ist. Die Mühldorfer Firma ODU hat das Angebot bereits mehrfach genutzt.
„Wissen ist der entscheidende Vorsprung im globalen Wettbewerb“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), bei einem Online-Besuch. Deshalb unterstütze sein Verband das Weiterbildungsengagement von Firmen, ein Angebot „so attraktiv wie nie zuvor.“ Finanziert würden die Maßnahmen, die das Qualifizierungschancengesetz ermögliche, mit Mitteln der Bundesagentur für Arbeit (BfA).
Motivation muss vom Mitarbeiter ausgehen
Gerlinde Dilg, Leiterin Personalmanagement bei ODU, betont die verbesserten und nachhaltigen Einsatzmöglichkeiten für Mitarbeiter mit zusätzlicher Qualifikation und die stärkere Bindung dieser Mitarbeiter an das Unternehmen. Die Motivation für eine Qualifizierungsmaßnahme müsse aber vom Mitarbeiter kommen, der Betrieb entscheide dann nach Gesprächen mit dem Vorgesetzten des Bewerbers sowie der Ermittlung des zukünftigen Fachkräftebedarfs des Unternehmens über die Weiterqualifizierung. Bei ODU betrifft dies vor allem die Bereiche Lagerlogistik und Maschinenführer. Insgesamt fünf Qualifizierungsmaßnahmen habe das Unternehmen in Kooperation mit der Taskforce im vergangenen Jahr genutzt, so Christine Kasmannshuber von der Personalentwicklung. Seit 2012 fördere ODU auf diese Weise die Mitarbeiter mit entsprechender Unterstützung durch externe Zuschüsse und Fördermittel. Darüber hinaus biete das Unternehmen weitere Qualifizierungen ohne externe Beteiligung an.
Mitarbeiter Daniel Gass (28) hat sich zum Fachlageristen und anschließend zur Fachkraft Lagerlogistik weiterbilden lassen. Er habe sich für die mehrstufige Maßnahme entschieden, um sich seinen Arbeitsplatz zu sichern und die Anforderungen im Umfeld seiner bisherigen Tätigkeit besser kennenzulernen, erzählt er. Für die Fortbildung wurde er freitags vom Betrieb freigestellt, am Samstag hat er sich in seiner Freizeit fortgebildet. Der Online-Unterricht während der Pandemie habe gut funktioniert. Ein Jahr und neun Monate haben die beiden Maßnahmen insgesamt in Anspruch genommen.
Eine Chance in der Phase der Kurzarbeit
Als „leuchtendes Beispiel“ dafür, dass diese Initiative funktioniert, stellte Klaus Beier von der Regionaldirektion Bayern der BfA, die Firma ODU dar. Weiterbildung sei unerlässlich für die Anforderungen von Strukturwandel und Digitalisierung. „Die Dinge, vor denen wir stehen, sind schwierig, aber auch eine Chance, daran zu wachsen“, so Beier. Er rät, die derzeitige Kurzarbeiterphase für Weiterqualifizierungen zu nutzen. In diesem Fall übernimmt während der Kurzarbeit die BfA die Sozialversicherungsbeiträge für die sich fortbildenden Arbeitnehmer bis zum Jahresende 2021.
Die Angebote der Weiterbildung gelten aber für alle Unternehmen, unabhängig von möglicher Kurzarbeit, so Bertram Brossardt. Entscheidend sei die Frage, welche Berufsprofile in der Zukunft benötigt würden. In einigen Bereichen wie zum Beispiel der Autoindustrie oder Luft- und Raumfahrttechnik würden einige Berufsbilder in der Zukunft wegfallen.