„Der Treibstoff der Zukunft“

von Redaktion

Interview Unternehmer Georg Dettendorfer zur Etablierung des Wasserstoffs

Rosenheim/Raubling Kaum Fahrzeuge, wenige Tankstellen und hohe Preise – das Thema Wasserstoff ist auf dem Treibstoffmarkt derzeit noch nicht konkurrenzfähig. Der Nußdorfer Unternehmer Georg Dettendorfer ist dennoch überzeugt von dem alternativen Antrieb und will die Infrastruktur für Wasserstoff in der Region verbessern. Im Interview erläutert der Geschäftsführer der Spedition Johann Dettendorfer seine Pläne für die kommenden Jahre, bei denen vor allem der Autohof in Raubling eine zentrale Rolle spielt.

Herr Dettendorfer, wieso beschäftigen Sie sich als Spedition und Transportunternehmen mit dem Thema Wasserstoff? Ist das nicht eine Aufgabe für die Autohersteller?

Ganz und gar nicht. Es gibt gleich vier Gründe dafür: Erstens interessiert uns als Transportunternehmen immer, wie unsere Fahrzeuge in Zukunft angetrieben werden. Zweitens werden die Preise für die bisher herkömmlichen, fossilen Brennstoffe durch steigende CO2-Abgaben extrem steigen. Zudem sind wir als Treibstoffhändler tätig und wollen uns frühzeitig richtig positionieren. Zu guter Letzt betreiben wir als Partner auch Tankstellen auf Autohöfen wie in Tirol oder Raubling und wollen daher das Thema Wasserstoff in die Region tragen. Es ist wichtig, in die Welt der alternativen Antriebe zu gehen und allen Leuten zu zeigen, dass da etwas passiert.

Zur Einordnung: Was ist der Vorteil von Wasserstoff im Vergleich zu Benzin oder elektrischen Antrieben?

Der größte Vorteil liegt darin, dass Wasserstoff in Zukunft reichlich zur Verfügung stehen wird und beim Antrieb keine CO2-Emissionen in die Umwelt setzt. Daher wird das Prinzip politisch gefördert werden. Die Förderung für fossile Brennstoffe wird dagegen abnehmen. Im Vergleich zur Elektrik, die derzeit noch energieeffizienter ist, bietet Wasserstoff eine größere Reichweite, was gerade für längere Transporte wichtig ist. Außerdem hoffen wir, dass es langfristig auch günstiger wird. Aktuell kostet ein Kilo Wasserstoff 9,50 Euro. Wenn das Kilo aber, wovon wir mittelfristig ausgehen, zwischen drei und fünf Euro kostet, wird es sicher einen großen Umschwung geben.

Warum gibt es noch nahezu keine Wasserstoffautos?

Aktuell ist der fossile Brennstoff immer günstiger als alle Alternativen. Das große Problem ist daher beim Wasserstoff die fehlende Infrastruktur. In Deutschland gibt es lediglich 100 Tankstellen, von denen vier für Lkws geeignet sind. Die Leute, die diese bauen könnten, sagen allerdings, dass es sich nicht lohnt, solange es kaum Autos mit Wasserstoffantrieb gibt. Das ist das klassische Henne-Ei-Problem, das wir durchbrechen müssen.

Wie wollen Sie das machen?

Wir müssen Geld in die Hand nehmen und sowohl Wasserstoff-Tankstellen als auch Fahrzeuge mit dem passenden Antrieb auf die Straße bringen. Als Transportunternehmen hoffen wir, dass wir mit den Lkws vorangehen können. Es gibt Experten, die sagen, wenn es dort funktioniert, könnte auch die Pkw-Branche nachziehen. Neben unserer Eigeninitiative braucht es dafür allerdings auch Fördermittel. Denn keiner wird einen Lkw kaufen, der im Moment fünfmal so teuer ist wie ein Diesel-Fahrzeug und auch im Betrieb mehr kostet.

Laut dem Bayerischen Wirtschaftsministerium gibt es im Landkreis bisher nur eine Wasserstofftankstelle am Irschenberg. Wie genau wollen Sie das ändern?

Wir haben mit zwei Autobahnen und viel Grenzverkehr die perfekte Möglichkeit dafür. Konkret arbeiten wir gerade an zwei großen Wasserstofftankstellen. Einmal in Kufstein als Partner der Tiroler Wasserstoff AG. Zum anderen werden wir den Autohof an der Ausfahrt Reischenhart in Raubling in den nächsten fünf Jahren ausbauen, sodass man dort alle alternativen Treibstoffe bekommen kann.

Was erwartet einen zukünftig in Raubling?

Erst einmal ein großer Aufwand. Allein so eine Tankstelle kostet rund 2,5 Millionen Euro. Der Stufenplan sieht vor, nach dem Umbau der Gastronomie im vergangenen Jahr nun die Fahrspuren zu verbessern. Auch mehr Parkplätze für Lkws sollen in diesem Jahr gebaut werden. Bis 2025 werden Aufenthaltsräume errichtet, in denen Elektro-Tanker sich während der Wartezeit ausruhen können. Zudem sind Übernachtungsmöglichkeiten, Fahrertauschstationen und natürlich Wasserstofftankstellen in Planung. Das Ganze wird circa im Jahr 2025/2026 fertig sein.

Beim besagten Inntal-Autohof haben Sie auch eine Corona-Teststation eingerichtet. Was passiert damit, wenn der Hof ausgebaut werden soll?

Das Zentrum war eine Aktion, um vor allem Transporteuren einen Test bei der Einreise zu ermöglichen. Das wurde von allen Beteiligten auch sehr gut angenommen. Jetzt aber ist die Testpflicht für Lkw-Fahrer weggefallen und es wird mehr und mehr mit Selbsttests gearbeitet. Daher wurde die Station aufgelöst.

Geben Sie uns einen Ausblick: Wie viele Ihrer 250 Lkws werden künftig auf Wasserstoff fahren?

Da brauchen wir noch etwas Geduld. Das ist alles Zukunftsmusik. Wir fahren seit 1998 unseren bestehenden Fuhrpark mit Biodiesel. In diesem Jahr kommen die ersten Fahrzeuge mit Gasantrieb dazu. Wenn das Thema Wasserstoff kommt, was standardmäßig wohl erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts der Fall sein wird, werden wir auch mit unseren Lkws reagieren. Ab 2035 werden die alternativen Antriebsformen vorherrschend sein. Schließlich haben sich die Hersteller verpflichtet, ab diesem Zeitpunkt nur noch anderes auf den Markt zu bringen.

Landratsamt Rosenheim will vermitteln

Peter Heßner ist im Landratsamt Rosenheim für die Wirtschaftsförderung und Energiewende zuständig und hat daher in Zusammenarbeit mit Georg Dettendorfer eine digitale Veranstaltung zum Thema Wasserstoff organisiert. Mit der Initiative „Energiezukunft Rosenheim“ (ezro) möchte man im Landkreis ein Netzwerk aufbauen, das sich mit dem Prinzip des Wasserstoffantriebs beschäftigt.

Dementsprechend wollen das Landratsamt und die „ezro“ die Projekte wie die neue Tankstelle in Raubling unterstützen und als Ansprechpartner zum Thema Wasserstoff vermitteln. Zudem hält es Heßner für möglich, in Zukunft auch die Bauhöfe des Landkreises miteinzubeziehen. Aufgrund des großen Zuspruchs ist außerdem eine weitere Veranstaltung für alle Interessenten im kommenden Herbst geplant.

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