Traunstein/Berchtesgaden/Piding – Grasende Kühe, summende Bienen und blühende Streuobstwiesen: Der Bauernhof von Johann Praxenthaler, in der Nähe von Fridolfing im Rupertiwinkel gelegen, ist ein Beispiel für den Erhalt und die Förderung von Biodiversität in der Landwirtschaft.
Neben der Milchwirtschaft engagieren sich die Praxenthalers mit eigenem Mischwald, Streuobstwiesen, Bienenvölkern sowie mit dem Anbau vielfältiger Gemüsesorten im Nutzgarten für mehr Artenvielfalt. Ein ganzheitliches Konzept, das den Bauernhof zu einem eigenen kleinen Ökosystem macht. 25 Kühe leben auf dem Hof. Sie sind neben den Einkünften, die Johann Praxenthaler als Melkanlagenmechaniker verdient, die Basis für die Haupteinnahmequelle: die Milch.
Schon Praxenthaler senior legte Wert auf einen ganzheitlichen ökologischen Ansatz. Den Jungviehstall errichtete er 1964 am Waldrand, in Sichtweite des Hofes. „Die Jungtiere sind hier den ganzen Tag im Freien, was sich sehr positiv auf deren Gesundheit auswirkt. Für den Nachwuchs haben wir noch nie einen Tierarzt gebraucht“, erklärt Johann Praxenthaler. Krankheiten ihrer Kühe behandelt die Familie vorwiegend mit Homöopathie, ansonsten wird der Tierarzt gerufen.
Bereits seit 2002 ist der Betrieb Teil der Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land. Zwei Jahre zuvor wurde der Hof auf Bio umgestellt und wird seither jährlich durch den Öko-Verband Naturland zertifiziert. Die ökologische Landwirtschaft ist für das Ehepaar Praxenthaler eine Lebenseinstellung: „Alles steht in Wechselwirkung zueinander, das zeigt sich auf unserem Hof ganz deutlich. Unsere Kühe zum Beispiel sind Landschaftspfleger: Morgens beziehungsweise abends nach dem Melken gehen sie auf die angrenzenden Weiden, die rund um den Hof liegen und als Kurzrasenweide gehalten werden. Das ständige Abgrasen durch die Kühe trägt zu einer dichteren Grasnarbe bei und beugt gegen Trittschäden vor“, erklärt Praxenthaler.
Der Landwirt achtet auf eine stickstoffarme Düngung, indem er die Gülle stark verdünnt. Damit schafft er ideale Voraussetzungen für artenreiche Wiesen mit einer großen Vielfalt an Gräsern und Kräutern. Diese sind wichtige Nahrungsquellen und Lebensraum für Bienen und andere Insekten.
Auch beim Mähen nimmt er Rücksicht: Er mäht außerhalb der Hauptflugzeiten der Insekten und verzichtet auf einen Aufbereiter – ein Anbaugerät zum Knicken der Halme –, da hier das Risiko, dass Insekten und Bienen zerquetscht werden, sehr hoch ist. „Bienen und andere Insekten sind unerlässlich für intakte Ökosysteme und müssen daher geschützt werden. Bei uns beispielsweise leisten sie als Bestäuber wichtige Arbeit auf den angrenzenden Streuobstwiesen und Gärten“, erklärt Praxenthaler. Die Lebensmittel kommen der Familie zugute – ein funktionierendes Kreislaufsystem mit Vorteilen für Mensch, Tier und Natur.
Der Beitritt in die Genossenschaft war für die Praxenthalers die richtige Entscheidung: „Die Wissenswerkstatt der Molkerei ermöglicht beispielsweise den Erwerb zusätzlicher fachlicher Kompetenzen, aber auch der Austausch untereinander wird gefördert“, so der Landwirt.
Durch den fairen Milchpreis trage die Molkerei zudem zum Erhalt der kleinbäuerlichen Strukturen bei. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung der Biodiversität in der gesamten Region.