Rosenheim – Bäcker zu sein, sei schon ein ganz besonderer Beruf, sagte der stellvertretende Rosenheimer Landrat Josef Hofer jetzt bei der Freisprechungsfeier der Bäckerinnung in Neubeuern. Welcher Berufsstand könne sonst von sich behaupten, dass er Millionen Menschen den Tag in den Start versüße.
Ob das der Grund ist, dass das Bäckerhandwerk zwar auch den Mangel an Auszubildenden spürt, verglichen mit anderen Handwerksbereichen aber noch gut dasteht, wie Innungsobermeister Wolfgang Sattelberger sagt, weiß man nicht. Fest steht aber, dass auch in der neuen Anfangsklasse in der Berufsschule wieder 16 Bäcker und Bäckereifachverkäufer zusammenkommen werden. „Es gibt andere Handwerksbereiche, da werden die Schüler unter Umständen nach München in die Schule fahren müssen, weil sich hier in der Region nicht genügend Auszubildende finden“, sagt Sattelberger.
Der Innungsobermeister kann bei den Bäckern einen größeren Nachwuchszulauf feststellen, als bei den Bäckereifachverkäufern. Auch bei der Freisprechungsfeier kamen acht Bäcker auf sechs Fachverkäufer. „Uns fehlen die Leute, die Spaß am Umgang mit Menschen haben“, sagt der Innungsobermeister. Für den, der gerne mit dem Grundnahrungsmittel Nummer eins, dem Brot, umgeht, aber auch mit Semmeln, Brezen oder Torten, sind die Arbeitszeiten im Bäckerhandwerk offenbar ein geringeres Problem als der Kundenkontakt. Ein Trend, den Wolfgang Sattelberger schon seit einigen Jahren beobachtet, ohne dass er dafür eine eindeutige Erklärung hätte.
Für Martin Tusak aber ist der Umgang mit Menschen nicht nur kein Problem. Er ist es, der für ihn seinen Beruf erst interessant macht: „Schon wegen der Kunden ist kein Tag wie der andere“, sagt er. Und die Kunden der Bäckerei Goldmann aus Bruckmühl haben die Gewissheit, dass sie in Zukunft vom Innungsbesten bedient und fachkundig beraten werden. Zumindest für ein Jahr lang, bis Tusak auf die Meisterschule gehen wird. Sein Rat an alle, die ihm und seinem Erfolg nacheifern wollen: „Hört auf eure Lehrer und vertraut auf die Erfahrung der alten Hasen unter euren Kollegen“.
Dafür, dass man sich sehr wohl mit den Arbeitszeiten im Bäckerhandwerk arrangieren kann, ist Denise Krempl das beste Beispiel. Sie hat ihre Ausbildung absolviert, obwohl sie als junge Mutter in gewissem Sinn eine Doppelbelastung hatte. Das allein auf die Reihe zu bekommen, nötigt einem schon Bewunderung ab, dabei aber auch noch Innungsbeste zu werden, hebt das Ganze noch einmal in eine ganz andere Dimension.
Krempl selbst hängt ihre Leistung tiefer. Zu den Arbeitszeiten sagt sie: „Die haben auch ihre Vorteile. Ich habe bereits wieder frei, wenn andere noch lange arbeiten müssen.“ Und ansonsten sei alles nur eine Frage der Organisation, die in ihrem Fall vor allem darin bestanden habe, mit ihrem Mann Maximilian, der ebenfalls Bäcker ist, die freien Tage so zu koordinieren, dass immer einer bei der kleinen Magdalena gewesen sei.
Das setzt verständnisvolle Chefs voraus. Und den hat nicht nur Denise Krempl in der Bäckerei Bauer aus Neubeuern. Allgemein versuche man, die Rahmenbedingungen so positiv wie möglich zu gestalten, berichtet Christoph Müller von der Bäckerei Müller in Prien. Das Stellen der Berufskleidung, ein vernünftiges Frühstück – das seien so kleine Stellschrauben, an denen man drehen könne, um das Bäckerhandwerk attraktiv zu gestalten. Und dann sei da natürlich die Tatsache, dass man die Lehrlinge auch tatkräftig zu unterstützen suche, wenn sie sich an dem einen oder anderen Punkt in ihrer Ausbildung schwertäten. Bei Izuchukwu Ndukwu war das vor allem die Sprache. Im täglichen Leben und auch im Betriebsablauf hat der junge Mann aus Nigeria, der vor fünf Jahren nach Deutschland kam, da keine Probleme. Aber die theoretische Wissensvermittlung in der Schule mit ihren Fachbegriffen war nicht leicht für ihn. Um so größer sein Stolz, dass er sich mithilfe seines Betriebes durchgebissen und in kurzer Zeit das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft gelegt hat.
Dieses „Etwas aktiv auf die Füße stellen“ – das zeichnet nach Ansicht von Karin Stecher, Mitglied der Schulleitung der Berufsschule, junge Handwerker aus. Viele, die jetzt ihr Abitur in der Tasche hätten, stünden trotz manchmal hervorragender Noten vor einem großen Rätsel, was ihre Zukunft betrifft. „Ihr hingegen steht bereits mitten im Leben, wisst, wer ihr seid und was ihr wollt“, gab sie den frischgebackenen Gesellen bei der Freisprechungsfeier mit auf den Weg. Johannes Thomae