Rosenheim/Schechen – Im Hinterzimmer eines vollgepackten Ladens über der Abrechnung der aktuellen Lieferung sitzen oder auf dem Salzburgring über die Rennstrecke jagen: Für Matthias Mauritz aus Schechen ist das kein Widerspruch, sondern sein gewohntes Terrain. Der 38-Jährige verbindet mit dem Familienbetrieb „Mauritz Pokale“ und seinem Herzensprojekt „Kaffee und Kurven“ das traditionelle Familiengewerbe mit emotionalem Management. Rund 45 Jahre nach der Gründung der Pokalfirma blickt der Geschäftsführer auf eine bewegte Zeit zurück.
Der Weg von Geburt
an vorherbestimmt
Im Grunde ist Matthias Mauritz bereits alles in die Wiege gelegt worden, was er für seinen Beruf braucht: „Schon mit vier Jahren habe ich meinen ersten eigenen Pokal zusammengebastelt“, erinnert sich der Geschäftsführer des Familienunternehmens „Mauritz Pokale“. Im Jahr 1976 waren seine Eltern Maria und Dieter mit der Herstellung ihrer Trophäen aus dem eigenen Wohnzimmer in das Geschäft an der Innstraße in Rosenheim umgezogen und legten dort den Grundstein für mittlerweile eine der größten Anlaufstellen für Pokale in Europa.
Die Leidenschaft für
schnelle Autos bleibt
Nach der Ausbildung zum Großhandelskaufmann und dem Studium in Sport, Kultur- und Eventmanagement war für Mauritz der Weg bereits früh vorgezeichnet. Seit 2011 arbeitete er Vollzeit im Familienbetrieb, mittlerweile hat er ihn komplett übernommen. Mithilfe seiner rund 40 Mitarbeiter sorgt er dafür, dass Pokale, Medaillen, T-Shirts, Anstecknadeln, Wimpel oder Schals von der zentralen Verkaufsstelle in Schechen auf ganz Europa verteilt werden.
Doch das ist nicht das Einzige, was Mauritz aus seiner Jugend in sein heutiges Leben übernommen hat. „Ich war bereits früh bei professionellen Kartrennen und bin gegen heutige Formel-1 Legenden wie Lewis Hamilton oder Nico Rossberg gefahren.“ Zwar musste Mauritz seine Profikarriere aufgrund einer Verletzung mit 18 Jahren an den Nagel hängen. Doch die Leidenschaft für schnelle Autos blieb ihm bis heute erhalten. „Ich habe mich gefragt, was ich in meinem Sport denn noch tun kann und bin schnell auf das Organisieren gekommen“, berichtet er. Von kleineren Kartevents über monatliche Ausfahrten mit Sportwägen wurde er schließlich zum Manager für die internationale Veranstaltung „The sound of sportscars“ in Salzburg, bei der Autoliebhaber aus diversen Ländern zusammenkommen. Von Fahrten über das Sudelfeld bis hin zu internationalen Veranstaltungen auf dem Salzburgring organisierte Mauritz alles selbst – inklusive Kaffee-Vertrieb im Online-Shop. Im Vergleich zum manchmal „trockenen“ Alltag der Pokalherstellung stecken in seinen Projekten viele Emotionen. Ganz so gegensätzlich sieht er die beiden Bereiche dennoch nicht.
„Wenn ich daran denke, wie viele Gefühle ein einziger Pokal für fünf Euro bei einem Kind auslösen kann, dass diesen gerade bei einem Hobbyrennen gewonnen hat, dann kommt einem die Herstellung gar nicht mehr so eintönig vor“, meint der Geschäftsführer.
Nichtsdestotrotz würden sich seine Eltern manchmal wünschen, dass er genauso viel Energie in den Familienbetrieb stecken würde wie in seine Sportevents, gesteht er. Für Mauritz ist jedoch klar, dass seine Veranstaltungen nur ein stark ausgeprägtes Hobby sind. „Die Pokale werden bleiben, auch wenn sie in den vergangenen zwei Jahren kein Mensch gebraucht hat.“ Denn aufgrund der Corona-Pandemie fanden nahezu keine Veranstaltungen statt, bei denen man Preise benötigt hätte. Der Umsatz ging in diesen Zeiten in manchen Monaten um bis zu 98 Prozent zurück. Doch die Durststrecke scheint nun überstanden, erste Sportturniere können wieder ausgerichtet werden. Die Anfragen für Pokale liefen wieder ein, weshalb auch die Mitarbeiter langsam zurück aus der Kurzarbeit geholt werden könnten.
Eine „Wunde“ wird die Corona-Pandemie dennoch hinterlassen: Mauritz musste schweren Herzens in diesem Frühjahr die Filiale in der Rosenheimer Innstraße, in der vor 45 Jahren alles begann, aus wirtschaftlichen Gründen schließen. „Das tut einem natürlich schon im Herzen weh, wenn ein Unternehmen mit so viel Tradition einen Standort aufgeben muss“, sagt Rainer Pastätter, neuer Vorsitzender des City-Managements Rosenheim. Er könne sich jedoch gut vorstellen, dass die vergangenen zwei Jahre ohne Sportveranstaltungen hart gewesen sein müssen, weshalb er die Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen voll nachvollziehen kann. „Trotzdem ist es natürlich traurig.“ Matthias Mauritz blickt dennoch optimistisch in die Zukunft – und plant von seiner Zentrale in Schechen aus weiter mit seinen lebensfüllenden Projekten: egal ob mit Pokalen oder Sportwagen mitsamt „Kaffee und Kurven“.