„Holz hat nur Vorteile“

von Redaktion

Zimmererpräsident Peter Aicher betont wachsende Bedeutung des Baustoffs

Halfing – Er kennt sich aus in der Holzbranche, weiß um Sorgen und Nöte der Waldbesitzer, der Sägewerksbetriebe und der Zimmerer.

Peter Aicher (62) ist mehrfacher Funktionär: Präsident von Timber Construction Europa, des europäischen Holzbau-Dachverbands, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, das Sprachrohr von 11500 Betrieben, und Präsident des bayerischen Zimmererverbands, des größten Verbands in Deutschland.

Daneben führt er mit seinen beiden Töchtern und seiner Ehefrau in Halfing eine Holzbaufirma in dritter Generation. Im Interview unterstreicht Aicher die Bedeutung des Baustoffes Holz in Zeiten des Klimawandels.

Warum ist es hierzulande zu einer Holzknappheit gekommen?

Es wird viel exportiert. Es stimmt, einige Sägereien bei uns und auch in Tirol haben in den vergangenen ein, zwei Jahren vermehrt Holzprodukte in die USA verkauft. Dort war der Bedarf groß, auch wegen der mittlerweile beigelegten Streitereien mit Kanada und aufgrund der Corona-Pandemie.

Auf der anderen Seite haben Windwurf und auch Käferholz bei uns für ein gewisses Überangebot gesorgt. So sind dann auch große Mengen Rundhölzer wegen des Überangebots nach China exportiert worden. Ohnehin ist Deutschland in Europa das Land, in dem das meiste Holz wächst. Und lassen Sie mich zum Käferholz sagen: Wenn man es rechtzeitig aus dem Wald entfernt, kann man es genauso verwenden wie anderes Holz.

Warum ist Holz gerade so begehrt?

Holz ist ja der einzige nachwachsende Rohstoff, den man fürs Bauen verwenden kann. Angesichts des Klimawandels ist es von herausragender Bedeutung, dass man mit Materialien arbeitet, die mit der absolut notwendigen Wirkung der Kreislaufwirtschaft kompatibel sind. Die Politik hat das mittlerweile erkannt und so hat der Holzbau bei uns in Bayern eine Wachstumsrate innerhalb der vergangenen fünf Jahre von bis zu zehn Prozent. Die Bauherren entscheiden sich immer öfter für die Holzbauweise.

Wo liegen die Vorteile von Holz?

Im Vergleich zu mineralischen und petrochemischen Baustoffen hat Holz eigentlich nur Vorteile. Es ist nachwachsend, schnell verarbeitbar in der Vorfertigung und hat einen sehr hohen Dämmfaktor. Von der Beständigkeit ist es genauso zu bewerten wie Beton und andere Baustoffe, wenn man es richtig verarbeitet. Deshalb haben die Innungen hier eine große Verantwortung. Sie haben viele Ziele in gemeinsamer Arbeit erreicht. Die Innung forciert zum Beispiel die hohe Qualität bei der Bauweise mit Holz.

Welche Holzarten kommen beim Bauen mit Holz zum Einsatz?

Unser Brotbaum ist die Fichte. Wegen des Klimawandels und der damit notwendigen Stützung der Biodiversität müssen wir für einen Waldumbau in Richtung Mischwald sorgen. Aus diesen Gründen verschiebt sich der Fokus auf viele andere Hölzer, zum Beispiel auf Tanne, Douglasie, Lärche und Buche. Dieser Prozess hat bereits begonnen und die Waldwirtschaft hat schon vor der Jahrtausendwende die Weichen nach dem Nachhaltigkeitsprinzip gestellt.

Was sind Ihre Aufgaben als Funktionär in diesem Entwicklungsprozess?

Ich wirke an den Themenfeldern mit, die wir in den Verbänden bei der Aufstellung unserer Zukunftsstrategien festlegen. Dabei geht es auch um die Fragen, in welche Richtung sich der Holzbau entwickelt. Zu den Themen gehören Bildung – also Aus- und Fortbildung.

Dazu kommen die Bereiche Forschung und Entwicklung. Ferner geht es um die Lösung technischer Fragen sowie die Erweiterung des Holzbaus mit Blick auf mehrgeschossige Gebäude in Ballungsräumen. Es geht uns insbesondere auch um Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. interview: winfried weithofer

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