Rimsting – Der Krieg in der Ukraine macht schmerzlich klar, wie sehr Deutschland auf dem Sektor Energie von anderen Ländern und speziell von Russland abhängig ist. Ein Ausweg ist der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien. Hier gibt es in der Region eine Reihe von Spezialisten. Einer von ihnen ist das Rimstinger Familienunternehmen KOCO Energy AG.
Die Arbeiten sind in
den letzten Zügen
Es arbeitet an einem besonderen Großprojekt: einer 3000 Quadratmeter großen Fotovoltaikanlage (PV) auf dem Dach des Berliner Olympiastadions. Das Unternehmen vom Chiemsee ist Initiator, Projektierer und Anlagenerrichter.
Auf dem äußeren Betonring des Dachs wurden Tausende Meter von Kabelleitungen verlegt, die Arbeiten sind in den letzten Zügen. Sechs Jahre lang dauerte es, bis für das Projekt alle Hürden genommen waren, berichtet das Chiemgauer Unternehmen. „Die PV-Anlage auf dem Olympiastadion Berlin ist ein starker Beitrag zum Masterplan SolarCity, dem Weg Berlins zur solaren Stadt. Und sie ist ein weiterer Meilenstein unserer Green Globe Nachhaltigkeits-Zertifizierung, die wir 2018 als erstes Stadion der Welt erhalten haben“, freut sich Timo Rohwedder, Geschäftsführer der Olympiastadion Berlin GmbH. Investor und Betreiber ist der Ökoenergieversorger Polarstern, der rund 625000 Euro investiert. Ludger Bottermann, Vorstand der Rimstinger KOCO Energy, initiierte das Projekt, wie das Unternehmen mitteilt. Vorstandskollege Klaus-Michael Koch sei in seinem früheren Tätigkeitsbereich schon für die Fertigung und Montage des lichtdurchlässigen Olympiastadion-Membran-Daches zur Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 verantwortlich gewesen. Über 1600 Fotovoltaikmodule installierte die Rimstinger KOCO Energy auf dem Dach des Berliner Olympiastadions. Sie erzeugen rund 615000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Das entspreche dem jährlichen Bedarf von 205 Drei-Personen-Haushalten. Versorgt werden mit dem Strom im Berliner Olympiastadion unter anderem Lüftung, Kühlung und Beleuchtung. Die Solarmodule stammen vom Systemanbieter Solarwatt aus Dresden und damit aus deutscher Fertigung – ein Aspekt, der der KOCO Energy wichtig gewesen sei, so die Rimstinger Firma.
Den Grundstein für das Unternehmen legte Urgroßvater Carl Koch, der im Jahr 1919 in Erfurt mit einer noch nicht elektrifizierten Automobil-Produktion begann. Herbert Koch entwickelte in den 50er-Jahren eine Dachabdichtungstechnologie mit Kunststoffbahnen und Membranen, die bis heute weltweit vorherrschend ist. Klaus-Michael Koch führte über 30 Jahre lang Membrandächer für Stadien, Flughäfen und zahlreiche außergewöhnliche Bauprojekte auf allen fünf Kontinenten aus. Er war es dann auch, der das Unternehmen im Jahr 2010 mit Blick auf eine Verkehrs- und Energiewende neu ausrichtete. Die KOCO Energy Rimsting wird in dritter Generation vom Senior-Team Klaus-Michael Koch, seiner Frau Angelika von Eicken und Ludger Bottermann geführt. Im vergangenen Jahr zogen sie sich aus dem operativen Geschäft zurück und die drei angehenden Firmenchefs Philipp Koch, Konstantin von Eicken und Daniel Kruse sollen in vierter Generation übernehmen. Die Jungen sind überzeugt von der Energiewende. Sie sagen: „Ohne Energie- und Mobilitätswende wird der Klimawandel nicht aufzuhalten sein.“
Das Kernteam besteht aktuell in Zeiten von Corona aus circa 15 festen Mitarbeitern im Planungsbüro in Rimsting. Hinzu kommen Monteure im Außeneinsatz. Die KOCO Energy ist Ausbildungsbetrieb für Büromanagement.