Dramatischen Rückgang der Tierbestände beklagt

von Redaktion

Bei Regionalversammlung der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben wird Bilanz gezogen

Palling – Bei der Regionalversammlung der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben (VVG) für die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land begrüßte Aufsichtsrat und Versammlungsleiter Josef Moritz zahlreiche Gäste beim „Michlwirt“ in Palling. Der Vorstandsvorsitzende Hubert Mayer aus Seebruck gab einen Überblick über die Lage der Landwirtschaft und die Vermarktungszahlen der Genossenschaft im vergangenen Jahr.

Landwirtschaft
steht vor riesigen
Herausforderungen

Dinge, die über viele Jahre in unserer Wohlstandsgesellschaft als selbstverständlich angenommen wurden, wie die Versorgung mit preiswerten und ständig verfügbaren Lebensmitteln oder die Energieversorgung, werden laut Mayer nun infrage gestellt. Experten befürchten die schlimmste globale Ernährungskrise der vergangenen Jahrzehnte, die ganz besonders die armen Länder treffen wird.

„Wir stehen praktisch vor Riesenherausforderungen“, betonte Mayer, „in der die Landwirtschaft mit ihren vielen Betriebszweigen in Zukunft eine ganz entscheidende Rolle spielt“.

Die Landwirtschaft sei systemrelevant und essenziell und brauche Flexibilität, Mut zum Wandel und Kreativität. Er hofft, dass die Gesetzgebung wieder mehr auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiserfahrung setzt und nicht aus ideologischen und parteitaktischen Gründen zu sehr einschränke. In letzter Zeit gäbe es einen ständigen und teilweise dramatischen Rückgang der Rinder- und Schweinebestände. „Fleischproduktion und Fleischkonsum stehen zunehmend unter Druck.“

Die Megathemen Tierwohl oder Umwelt- und Klimaschutz sowie in letzter Zeit auch noch die Verfütterung von Getreide an Nutztiere würden diesen Trend noch verstärken. Der Lebensmitteleinzelhandel habe sich in der Tierhaltung praktisch als De-facto-Gesetzgeber etabliert. „Dabei braucht der Lebensmitteleinzelhandel nur ein neues Plakat für seine Regale schreiben, wir Bauern müssen meist durch aufwendige und kostenintensive Um- oder Neubaumaßnahmen diesen Vorgaben gerecht werden“, warnt Mayer.

Gerade die immer höheren Anforderungen an die Tierhaltung bewegen viele kleine und mittlere Betriebe in Bayern zur Aufgabe der Tierhaltung. Andererseits sei die bäuerliche Nutztierhaltung ein wichtiger Teil der Identität Bayerns und auch der Landeskultur. Sie ist mitverantwortlich für die Vitalität der ländlichen Räume, für viele regionale Produkte, für die Pflege der Kulturlandschaft und die Synergien im Tourismus und nicht zuletzt ist sie Grundlage für unsere pflanzliche und tierische Kreislaufwirtschaft. Nachhaltige Lebensmittelproduktion wird auf Dauer nur mit der Nutztierhaltung funktionieren.

Die Wertschöpfung für die Produkte habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr zuungunsten der Landwirtschaft entwickelt.

„Beim Fleisch kommen nur mehr 23 Prozent vom Verkaufspreis beim Bauern an, obwohl wir das ganze Preis- und Produktionsrisiko tragen“, berichtete Mayer. „Daher haben wir auch im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem BBV Schweinehälften, küchenfertig oder grob zerlegt, direkt über unsere Genossenschaft verkauft.“ Im Herbst/Winter werde wieder eine Aktion gestartet werden, eventuell dann mit einer größeren Produktpalette. Die VVG würde sich natürlich auch über Nichtmitglieder freuen, die dieses regionale und bäuerliche Angebot nutzen und so die Landwirtschaft direkt unterstützen.

Die 14944 Mitglieder und die VVG kommen nach wie vor ohne Mitgliederbeitrag aus, sagte Mayer, der die Vermarktungszahlen im Jahr 2021 im Rinder- und Schweinebereich auf eine Million bezifferte.

Der Leiter der Schweineabteilung Franz Mitterberger berichtete von katastrophalen Ferkel- und Schweineerzeugerpreisen im vergangenen Jahr. Dadurch gingen auch die Bestands- und Schlachtzahlen stark zurück. In Bayern gaben seit 2010 45 Prozent der Betriebe die Schweinehaltung auf. Der Pro-Kopf-Verzehr ging in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland um zehn Kilogramm von 40,2 auf 30,2 Kilogramm zurück. „In Deutschland haben wir momentan einen Selbstversorgungsgrad von 131 Prozent, der Verbrauch sinkt schneller als die Produktion.“ Mitverantwortlich dafür sei die coronabedingte Schließung der Gastronomie und der Ausfall vieler Veranstaltungen.

Rindermarkt
ist seit Ostern
stark abgefallen

Einen Überblick über die Rindervermarktung gab der Geschäftsführer Sebastian Brandmaier: „Bei uns in Bayern haben sich die Bullen-, Färsen- und Kuhpreise gerade im ersten Quartal stark nach oben entwickelt, nach Ostern sind sie dann eingeknickt.“ Am Schluss ging der Geschäftsführer auf einen Vortrag von Professor Dr. Dr. Windisch von der TU München ein. Darin habe dieser erklärt, dass ein Kilogramm veganes Lebensmittel mindestens vier Kilogramm nicht essbare Biomasse erzeugt. „Eine einseitige vegane Lebensweise ist weder nachhaltig noch klimaschonend. Eine einseitige intensive Tierhaltung ist es auch nicht.“ Er schlug vor: „Wir brauchen eine vernünftige Kombination aus Pflanzen- und Tierproduktion. Das sollte auch in Zukunft unser Leitbild sein.“

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