Mangfalltal – Dass sie keine Entscheidung „Kinder oder Karriere“ treffen müssen, dafür machen Arbeitnehmerinnen seit Jahrzehnten in Deutschland mobil. Doch mittlerweile fordern auch immer mehr Väter das Recht ein, ihre Vaterrolle auch ausüben zu können, und appellieren an ihre Arbeitgeber, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für die männliche Belegschaft zu ermöglichen.
Vielen Vätern reicht es heutzutage nicht mehr, wenigstens zur Bettgehzeit daheim zu sein, um nach dem Arbeitstag dem Kind noch einen Gute-Nacht-Kuss geben zu können. Sie wollen am Leben und an der Erziehung des Kindes teilhaben – ohne dadurch ihren Job aufs Spiel zu setzen. Eine Entwicklung, auf die das Bundesfamilienministerium unter anderem mit einer bezahlten Väterauszeit reagieren will.
Mehr Abstimmung in
Unternehmen nötig
Vorgesehen ist, dass Väter künftig nach der Geburt eines Kindes zwei Wochen lang bezahlt freinehmen können, ohne dafür – wie bislang üblich – Urlaub oder Elternzeit in Anspruch nehmen zu müssen. Die Einführung ist nach Angaben des Ministeriums für 2024 anvisiert. Doch wie bewerten Unternehmen aus der Region diesen Vorstoß? Und gibt es in der Region bereits Betriebe, die schon Angebote für (werdende) Väter in der Belegschaft haben, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern?
Bei der Neenah Gessner GmbH etwa, einem Hersteller von technischen Spezialpapieren mit 700 Mitarbeitern an den Standorten Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham, gewinnt das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Väter zunehmend an Bedeutung. „Wir als Unternehmen stellen uns dieser gesellschaftlichen Entwicklung“, sagt Norbert Höbel, Personalreferent des Unternehmens. „Als attraktiver Arbeitgeber wollen wir, dass unsere Beschäftigten gerne bei uns arbeiten und bleiben.“ Dazu gehöre, dass Wünsche nach Elternzeit, Teilzeit oder auch Sabbaticals wohlwollend behandelt werden.
Höbel will aber auch nicht verschweigen, dass dies insbesondere im Schichtbetrieb „mit vorwiegend männlichen Arbeitskräften“ in puncto Organisation und Sicherstellung der Produktion zusätzlichen Abstimmungsaufwand bedeutet. Der geplanten Väterauszeit steht das Unternehmen nach eigenen Angaben positiv gegenüber. „Die neue geplante gesetzliche Regelung in Form von bezahlter Freistellung von Vätern nach der Geburt ihrer Kinder ist für unsere Beschäftigten eine gute Sache“, sagt Höbel. „Wir werden mit dieser Herausforderung positiv umgehen.“
Das Unternehmen Salus mit Sitz in Bruckmühl, das Naturarzneien, Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel produziert, möchte keine Stellung zur geplanten Väterauszeit beziehen. „Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, in aller Regel gesellschaftspolitische Themen und parteipolitische Initiativen nicht öffentlich zu kommentieren“, teilt Unternehmenssprecherin Katharina Schildhauer mit. Allgemein hätten bei Salus aber „alle Väter die Möglichkeit, die gesetzlich geregelte Elternzeit in Anspruch zu nehmen“. Eine Möglichkeit, die für den Arbeitgeber zwar „herausfordernd“ sei, aber keineswegs als „Last“ bezeichnet werden könne. Je nach Verantwortungsgrad müssten Aufgaben während der Abwesenheit umverteilt werden, so die Unternehmenssprecherin. „Mit genügend zeitlichem Aufwand und entsprechenden Abstimmungen mit den Kolleginnen und Kollegen hat das bisher immer geklappt“, sagt Schildhauer. Die Unternehmenssprecherin nennt ein aktuelles Beispiel: Ende Februar trete ein Abteilungsleiter des Unternehmens seine fünfmonatige Elternzeit an. „Projekte wurden vorbesprochen und umverteilt, sodass Personen aus seinem Team die Möglichkeit haben, mehr Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Schildhauer, wie sich das Unternehmen für diese Zeit aufstellt.
Flexible Arbeitszeiten
und Homeoffice
Um das Personal – Mütter wie Väter – bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen, arbeitet das Unternehmen unter anderem auch mit flexiblen Arbeitszeitmodellen ohne Kernzeit und bietet Möglichkeiten zum Homeoffice an, durch die „eine Arbeitsatmosphäre“ geschaffen werde, „die sich gut mit Kindern vereinbaren lässt“. Finanziell unterstützt das Unternehmen Mütter und Väter laut Schildhauer zudem mit einem monatlichen Kindergeld und übernimmt Betreuungskosten in einer Höhe von bis zu 150 Euro pro Kind und Monat.
Das Kolbermoorer Textilunternehmen Stangelmayer wirbt unter dem Stichpunkt „Karriere“ auf seiner Homepage zwar damit, auf „eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ zu achten, wollte aber auf Anfrage keine Stellung beziehen. Auch die Eder Landtechnik GmbH in Tuntenhausen, die Rofa AG in Kolbermoor sowie das Wohnungswirtschaftsunternehmen B&O aus Bad Aibling ließen Anfragen zum Thema unbeantwortet.