Rott – Die Naturstein Franke GmbH in Rott besteht seit 150 Jahren und ist heute einer der größten Steinmetzbetriebe in Südostoberbayern. Hier paaren sich Fachwissen und Leidenschaft für das Material, doch auch das Traditionsunternehmen kämpft seit Jahren mit dem Fachkräftemangel, wie Inhaber Peter Franke berichtet.
„Grundsätzlich läuft der Betrieb sehr gut. Eigentlich wollten wir expandieren, mit mehreren Filialen Richtung München“, erklärt Tochter Franziska Franke. „Aber wir finden keine Mitarbeiter, um die geplanten Geschäftsstellen unterhalten zu können“, sagt die 42-Jährige.
Dabei habe das Unternehmen schon vieles versucht, um Personal zu finden. „Wir haben sogar in der ungarischen Fachpresse inseriert, denn dort soll es gut ausgebildete Steinmetze geben, und sogar Straßenschilder aufgestellt“, berichtet Franziska Franke.
Alles vergeblich. Dabei dränge die Zeit, „denn die 14 Mitarbeiter, die aktuell bei uns beschäftigt sind, gehen alle Richtung Rente“, so Peter Franke. Händeringend suche er deshalb Steinmetze, Techniker, Schrifthauer und Versetzer. Ausgebildet habe er einige junge Leute, „doch den meisten war der Beruf wohl zu nass, zu staubig, zu laut und natürlich auch körperlich zu anstrengend“, vermutet der 64-Jährige.
Im Rohmateriallager mitten in Rott lagern etwa 2000 Tonnen Steine, hauptsächlich Hartgesteine wie Gabbro, Granit, Syenit, Basalt und Gneis. Sie alle bilden einen großen Grundstock, aus dem sich die Kunden vor Ort das passende Material auswählen können.
In Bad Aibling und Waldkraiburg hat das Unternehmen Filialen gegründet. In Wasserburg gibt es eine Freiluftausstellung. Gute Beratung und Vertrauen seien wichtig – und unternehmerisches Geschick. Gut im Gedächtnis blieb dem Firmeninhaber die Zeit, als er mit seinem Vater Alfred im Jahr 1964 in Carrara (Italien) unterwegs war, um Marmor zu kaufen. „Damals war der Handel mit Italien noch nicht so gängig, wir waren eine der ersten Firmen, die Geschäftsbeziehungen knüpften. Dann wurde es allerdings schnell mehr“, erinnert er sich.
Seiner Tochter gelang ein ähnlich innovativer Coup in Namibia. Kurz vor der Corona-Krise erstand sie dort 48 Tonnen Marmor aus dem Tagebau. „Er ist weiß mit grau-gelben Adern und wirklich etwas ganz Besonderes“, beschreibt sie. „Franziska Franke ist Teilhaberin der Firma. Sie war auch die erste Frau, die den Abschluss „Industriemeister Naturwerkstein“ gemacht hat. Ein großer Bereich der Firma ist die Gestaltung von Grabmälern. Auch dem spürbar größer gewordenen Wunsch nach anonymer Bestattung oder kleinen Urnengräbern kommt man im Hause Franke nach. Für den Friedhof in Waldkraiburg entwickelte Franziska Franke deshalb ein Konzept für Urnengemeinschaftsgräber. Ihre neu geschaffenen Urnen-Monumente sind bereits patentiert.
Nachhaltigkeit ist in der Firma kein Fremdwort: Nicht nur die Steine kommen aus zertifizierten Lieferbetrieben, auch in der Firma wird nach Angaben der Unternehmensleitung nachhaltig produziert. Seit zehn Jahren liefere die hauseigene Photovoltaikanlage etwa zwei Drittel des Stromverbrauchs des Betriebs. Petra Maier