Innung schreibt Brandbrief an die Politik

von Redaktion

Das heimische SHK-Handwerk übt scharfe Kritik an den Energieplänen der Regierung. Obermeister Josef Pflügl wirft den Verantwortlichen Enteignung vor – und warnt vor einem Scheitern der Energiewende.

Traunstein – „Wir, das heimische Handwerk, sind sehr besorgt um die aktuelle Energiepolitik in Deutschland!“ Mit diesem Satz bringt Josef Pflügl, Obermeister der Innung für Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik (SHK) Traunstein, die gegenwärtige Stimmung in seinem Betrieb und den rund 170 Mitgliedsbetrieben der Innung in den Landkreisen Traunstein, Mühldorf und Altötting auf den Punkt.

Sorgen macht sich der Obermeister vor allem, seit das Bundeskabinett kürzlich den Entwurf für das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) verabschiedet hat. Den vorgesehenen künftig geltenden Verordnungen, die ab 1. Januar 2024 in Kraft treten sollen, bringt er Unverständnis entgegen.

Neue Pläne bringen Fass zum Überlaufen

„Höchst unsozial und in ganz vielen Fällen des Häuserbestandes sowie im Neubau nicht durchsetzbar“ seien die geplanten Änderungen, urteilt der Handwerksmeister, der seine Kritik bewusst nicht politisch motiviert verstanden wissen will, aber hinzufügt: „Wir müssen uns auf die Hinterfüße stellen. Denn wir sind es schließlich, die das alles verbauen sollen.“

Nachdem er mit den Handwerksbetrieben der Innung im Rücken bei Innungsveranstaltungen wie Jahreshauptversammlungen und Freisprechungen immer wieder politische Entscheidungen der vergangenen Jahre angeprangert hat, die oft negative Folgen für Verbraucher, Kunden, Mieter, Eigentümer sowie das Handwerk hatten, hat das GEG nun das berühmte Fass zum Überlaufen gebracht:

Pflügl hat in einem Brandbrief, der unserer Redaktion vorliegt, die regionalen Kommunalpolitiker sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete und Landräte angeschrieben, um auf die schweren Folgen und Nachteile hinzuweisen, die das Gesetz für das Handwerk, aber insbesondere auch für Hauseigentümer, seiner Ansicht nach mit sich bringt. Er wirft den Regierungsverantwortlichen darin zudem schwere Fehleinschätzungen in Sachen Klimaschutz vor.

Es geht unter anderem um den künftigen De-facto-Zwangsaustausch von bestehenden Heizsystemen, die den wortgewaltigen Obermeister auf die Palme bringen. Dabei ist er persönlich durchaus ein Verfechter des Einbaus von Wärmepumpen, für die er sich im Tagesgeschäft stark macht. Er verweist darauf, dass er im eigenen Betrieb bisher rund 600 Wärmepumpen in Privathäusern und Firmenobjekten verbaut hat. „Wir wissen wie das geht und wir stehen auch zu dieser Form der Energieerzeugung“, betont Pflügl.

Einseitige Sicht auf die Wärmepumpe

Die einseitige Fokussierung auf die Wärmepumpe sei aber unsinnig, wie er in dem Schreiben begründet: „Dieser Entwurf verkennt bewusst den CO2-neutralen Energieträger Holz und dessen Beitrag zum Klimaschutz!“ Daneben werde die Substitution fossiler Energieträger wie Kohle, Gas und Erdöl völlig ignoriert. Es sei unverständlich, warum der Entwurf des GEG klimafreundliche, bezahlbare und regional verfügbare Holzbrennstoffe, welche als Nebenprodukte bei der Holzernte anfallen, einschränke. Anstatt weiterhin ihr hohes CO2-Einsparpotenzial zu nutzen, richte der Entwurf einen ungeheuren ökonomischen und ökologischen Schaden im ländlichen Raum an, so Pflügl. „Für die Waldbesitzer bedeutet der Gesetzentwurf einen enteignungsgleichen Eingriff, den eigenen Rohstoff energetisch zu nutzen“, schimpft der Obermeister.

„Wir stellen fest, dass die derzeitige Politik den Hausbesitzer nicht mehr erreicht.“ Der nun häufig überhastete Einbau neuer Gas- und Ölkessel noch in diesem Jahr sei ein Protest der Hausbesitzer gegenüber der Politik und bei ganz vielen Eigentümern die letzte und einzige Möglichkeit, sich eine neue Heizung leisten zu können. „Zum ersten Mal in 30 Jahren am Markt treffen wir auf Kunden, die zwar eine Heizung haben, sich aber den Betrieb nicht mehr leisten können, geschweige denn den Einbau einer neuen Wärmepumpe stemmen können“, schüttelt Pflügl den Kopf über die politischen Vorlagen.

Auch die seiner Meinung nach vielen „handwerklichen Fehler“ – „ideologische Scheuklappen inklusive“ – des GEG-Entwurfs kritisiert Pflügl in dem Brandbrief. Zudem geht er auf eine weitere Thematik ein, die das Handwerk drückt: In Deutschland werde der Hochschulbau mit zusätzlich aufgestockten Mitteln massiv gefördert – die Bildungszentren der Handwerkskammer dagegen gingen leer aus, kritisiert er und macht dies am Beispiel des neu ausgebauten SHK-Bildungszentrums in Traunstein deutlich. Auch im vierten Anlauf sei hier der Antrag auf öffentliche Fördermittel aus für ihn nicht nachvollziehbaren Gründen abschlägig beschieden worden.

Die auch politisch gewollt vorangetriebene Akademisierung bringe das heimische Handwerk aber immer mehr ins Hintertreffen: „Von der Politik wird nur die Akademisierung gefördert und wertgeschätzt. Die politischen Klimaziele lassen sich jedoch ohne Handwerk niemals erreichen. Denn für die Wende braucht es Hände!“

Klimaziele nur mit Handwerk erreichbar

Josef Pflügl weist darauf hin, dass in den kommenden fünf Jahren rund 40 der 170 Mitgliedsbetriebe mangels einer geregelten Nachfolge schließen werden. „Die Aufrechterhaltung für den Notdienst und der Reparaturen der Anlagen sowie das Erreichen angestrebter Klimaziele werden in Südostbayern zu keiner Zeit möglich sein. Die größten Herausforderungen bewältigt unser Land nur mit dem Handwerk!“

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