Inntal/München – Trotz Blockabfertigungen, sektoralen Fahrverboten, Nachtfahrverboten und Baustellen nutzen zahlreiche Unternehmen weiterhin die Straße für den Güterverkehr über den Brenner. Das zeigen Befragungen im Rahmen des Projekts „Klimafreundlicher Brennertransit“, das im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vom Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) Prien durchgeführt und vom Bayerischen Verkehrsministerium gefördert wurde. „Das Festhalten an der Straße erklärt sich mit längeren Transportzeiten auf der Schiene, oft unpünktlichen Güterzügen, zu geringen Kapazitäten und zu hohen Kosten im ‚Kombinierten Verkehr‘.
Streckenausbau
dringend nötig
Auch fehlen häufig Informationen, wie trotz der vielen technologischen und organisatorischen Schnittstellen auf die Schiene umgestiegen werden kann. Gleichzeitig rückt das Thema Klimaneutralität immer mehr in den Fokus der Unternehmen. Schließlich verursachen Güterzüge pro Tonnenkilometer bis zu 80 Prozent weniger CO2 als Lkws. Auch weil die Stabilität der Lieferketten nicht allein auf der Straße gewährleistet werden kann, wächst das Interesse an der Schiene“, erklärt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Mit der nun vorliegenden Studie zeigt die vbw, wie die Infrastruktur im Bereich der Brennerstrecke effizienter und auch umwelt- sowie anliegerverträglicher genutzt werden kann. Brossardt ergänzt: „Wir brauchen nicht nur einen schnelleren Streckenausbau und mehr Terminalkapazitäten, sondern auch eine Verbesserung bei Kostenstrukturen und transparentere Informationsmöglichkeiten, um die Logistik-planung zu erleichtern.
Informationsdefizit
soll abgebaut werden
Ein Ansatzpunkt ist der Aufbau einer übergreifenden Informationsplattform für Verlader. Um die verladende Industrie besser über die schon jetzt vorhandenen Möglichkeiten auf der Schiene zu informieren, wurden im Rahmen des Projektes kurze Erklärfilme und Orientierungshilfen entwickelt. Wir zählen darauf, dass staatliche Stellen darüber hinaus solche Vorhaben unterstützen, die den Interessen der Wirtschaft als auch denen des Umweltschutzes Rechnung tragen“.
Übergeordnetes Ziel ist ein freier, bedarfsgerechter und nachhaltiger Warenver-kehr über den Brenner. „Dazu tragen wir gerne bei, setzen aber auch darauf, dass alle Beteiligten sich ebenfalls bewegen und insbesondere die zahlreichen verkehrsbeschränkenden Maßnahmen auf der Brennerstrecke zeitnah aufgehoben werden“, sagte Brossardt abschließend.
Christian Bernreiter, Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, ergänzte: „Ein großer Teil der Güterverkehre über die Alpen wird über den Brenner-Korridor transportiert und zwar überwiegend auf der Straße. Daher brauchen wir bereits vor Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels mehr Güterverkehr auf der Schiene. Dazu verfolgt die Staatsregierung zahlreiche Projekte zur Verlagerung auf die Schiene und zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs. Wichtig ist auch, dass für die verladende Industrie der Zugang einfacher wird. Dazu muss sie noch besser darüber informiert werden, wie die bereits heute verfügbaren Kapazitäten auf der Schiene optimal genutzt werden können. Gleichzeitig müssen auch die Anforderungen der Verlader berücksichtigt werden. Mit dem von uns geförderten Projekt ‚Klimafreundlicher Brennertransit‘ der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft wurden genau diese Themen aufgegriffen und Tools zur Unterstützung für die Verlagerung auf die Schiene entwickelt.“