Rosenheim/Traunstein/Mühldorf – Die Stimmung am Arbeitsmarkt im Freistaat hat sich laut der Arbeitsagentur leicht eingetrübt. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit in Bayern weiter rückläufig und beträgt nun 3,2 Prozent. Warum der saisonbedingte Rückgang nicht ganz so deutlich ausfällt wie in den vergangenen Jahren, liegt unter anderem an der Registrierung von ausländischen Arbeitslosen. Mehr als 60 Prozent davon gehen auf Menschen aus der Ukraine zurück, die nun auf Arbeitssuche sind.
Arbeitsmarkt bietet viele Möglichkeiten
„Die bayerische Wirtschaft muss sich vielen Herausforderungen stellen. Neben der Digitalisierung, der Automatisierung und der Energiewende dämpft auch der demografische Wandel und der damit einhergehende Arbeitskräftemangel die Dynamik am Arbeitsmarkt“, erklärt Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. „Ich bin trotz allem noch positiv gestimmt und sehe den Rückgang der Arbeitslosigkeit als ein positives Zeichen für den bayerischen Arbeitsmarkt“, sagt Holtzwart weiter.
Auch der verregnete Mai konnte die Stimmung am heimischen Arbeitsmarkt nicht über die Maßen eintrüben. Im Bereich der Arbeitsagentur Rosenheim liegt die Arbeitslosenquote bei 2,5 Prozent. „Die hohe Zahl der Menschen, die sich bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter abgemeldet haben, zeigt, dass der Arbeitsmarkt in unserer Region weiterhin viele Möglichkeiten bietet”, sagt Michael Vontra, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rosenheim. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen sei um 160 auf 7870 zurückgegangen. Für die Stadt Rosenheim errechnet sich im Mai eine Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent. Sie bleibt damit auf dem Wert des Vormonats April. Demnach sind derzeit 1534 Rosenheimer ohne feste Arbeitsstelle. Vor einem Jahr lag der Wert in der Stadt noch bei 3,7 Prozent.
Die berufliche
Zukunft jetzt angehen
Im Landkreis Rosenheim liegt der Wert deutlich unter dem bayerischen Schnitt von 3,2 Prozent. 2,4 Prozent beträgt hier die Arbeitslosenquote. Das entspricht 3576 Menschen. Im Mai 2022 lag der Wert bei 2,0, im April 2023 bei 2,5 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Bereich der Arbeitsagentur Traunstein. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Traunstein betrug im Mai 2,6 Prozent. Im Mai des Vorjahres betrug sie 2,0 Prozent. 2616 Menschen sind derzeit arbeitslos gemeldet, das sind 613 mehr als vor einem Jahr. Verglichen mit dem Vormonat April konnte die Anzahl der arbeitslosen Menschen um 113 verringert werden.
„Der Ausbildungsmarkt im Landkreis Traunstein zeigt noch 732 unbesetzte Ausbildungsstellen“, sagt Jutta Müller, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein. „Wir appellieren an alle jungen Leute, die noch keine Ausbildungsstelle haben, die nächsten Wochen intensiv zu nutzen, um ihre berufliche Zukunft anzugehen. Das gilt auch für die Späteinsteiger.“
Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mühldorf lag im Mai bei 3,1 Prozent. 2134 Menschen waren hier arbeitslos gemeldet, das sind 178 weniger als im April und 230 mehr als im Vorjahresmonat, als die Quote bei 2,9 Prozent lag. Im Landkreis sind derzeit noch 339 Ausbildungsstellen unbesetzt und 260 Jugendliche unversorgt, so Jutta Müller. „Wir raten den Jugendlichen und den Arbeitgebern, sich die möglichen Mitbewerber zu vergegenwärtigen und die Entscheidungen nicht unnötig hinaus zu ziehen.“
Die meisten Ausbildungen starten im Herbst und die Chancen, auch jetzt noch einen Ausbildungsplatz zu finden, sind weiterhin gut. Rein zahlentechnisch stehen im Bereich der Arbeitsagentur Rosenheim den 780 jungen Menschen, die noch eine Ausbildung suchen, knapp 1850 offene Lehrstellen gegenüber. Das sind mehr als zwei freie Stellen für jeden Bewerber. Rund 1600 Ausbildungsplätze sind bereits vergeben.
Schnupperpraktika
als Türöffner
„Es ist schön, dass schon viele Betriebe mit Bewerbern einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben“, sagt Fabian Wilhelm, der ab dem 1. Juni der neue Geschäftsführer operativ an der Rosenheimer Arbeitsagentur wird. Dennoch seien in ganz unterschiedlichen Berufsgruppen noch offene Ausbildungsstellen gemeldet. Als Beispiele nennt Wilhelm unter anderem den Gartenbau, die Bereiche Maschinenbau- und Betriebstechnik, Energie- und Elektrotechnik, aber auch Bäcker, Metzger, Koch und Arzt- sowie Praxishilfe.
„Den jungen Menschen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, rate ich, die Pfingstferien zu nutzen, um bei dem Unternehmen, wo sie gerne eine Ausbildung machen würden, ein Schnupperpraktikum zu machen.“ Häufig sei dies der Türöffner für die spätere Lehre.