Wo es bei der Digitalisierung hakt

von Redaktion

Mitglieder des Informationskreises Wirtschaft und des Wirtschaftsbeirates Bayern aus der Region diskutierten in Bad Adelholzen mit Digitalminister Fabian Mehring über digitale Chancen im ländlichen Raum – und deren Bedeutung für die heimische Wirtschaft.

Siegsdorf – Zusammen mit prominenten Gästen beleuchtete der Informationskreis der Wirtschaft (IdW) Traun/Alz in Kooperation mit dem Wirtschaftsbeirat Bayern, Bezirk Berchtesgadener Land/Traunstein, bei den Adelholzener Alpenquellen in Bad Adelholzen das Thema der „digitalen Zukunft im ländlichen Raum“.

Bezirksvorsitzender Stefan Neumann stellte in seiner Einführung heraus, dass Bayern als Flächenland und moderner Wirtschaftsstandort alles daran setzen müsse, speziell den ländlichen Raum in puncto Infrastruktur und Digitalisierung zu stärken.

5,5 Milliarden für
Zukunftstechnologien

Fabian Mehring, Staatsminister für Digitales im Freistaat, sah wichtige Ziele darin, dass „Bayern an die Spitze der digitalen KI-Revolution“ komme und „Premium-Standort für Zukunftstechnologien im Herzen Europas“ werde. Dies gelte auch mit Blick auf die Wohlstandswahrung. Während in anderen Wirtschaftsbereichen fast Nullwachstum herrsche, zeichne sich die Digitalwirtschaft durch Zuwachsraten von 20 Prozent aus.

Die Investition von 5,5 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien über die Hightech-Agenda des Freistaats habe sich als „echter Gamechanger“ erwiesen. Mit zwei Exzellenz-Universitäten von Weltrang, international profilierten Forschungsinstituten sowie 100 neuen Professuren für Künstliche Intelligenz (KI) und einer geplanten KI-Universität wolle der Freistaat Maßstäbe setzen. Weltkonzerne wie Google und Meta investierten aktuell bereits Milliarden im Freistaat. Erhebliches Potenzial sah Mehring darin, „Bayerns innovativen Mittelstand als Trumpf in der digitalen Transformation einzusetzen“. Mit Blick auf die Digitalisierung und KI-gesteuerte Prozesse schlummere großes Potenzial in der Fläche.

„Mehr Macher als
Bedenkenträger sein“

Den Know-how-Transfer beschleunigen sollen acht Regionalzentren für KI in ganz Bayern. Damit der Umschwung gelingen kann, so Mehring, stünden unter dem Stichwort „innovative Verwaltung“ auch bei den Behörden digitale Reformprozesse für bürgerfreundlichere und bürokratiearme Abläufe an.

Bei der Umsetzung helfen soll die Kooperation mit Deutschlands führendem KI-Start-up Aleph Alpha. Mit dem Pakt für Digitale Infrastruktur soll in Bayern bis 2025 zudem der Ausbau leistungsfähiger Glasfaser- und Mobilfunknetze vorangetrieben werden. „Das ist ein wichtiger Schritt für die digitale Teilhabe.“ Mehring appellierte auch an die Wirtschaftsvertreter, „wieder mehr Macher als Bedenkenträger zu sein“.

Martin Naber, Geschäftsführer der zur Infrafibre Gruppe gehörenden Leonet GmbH aus Deggendorf, gab Einblick in die Praxis des von Staatsregierung und Kommunen vorangetriebenen Ausbaus des Glasfasernetzes. Dieser sei angesichts des „rasch wachsenden Datenvolumens“ unabdingbar. Dank vereinfachter Genehmigungsverfahren und alternativer Verlegemethoden sollen drei Millionen zusätzliche Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Mitte vergangenen Jahres lag der Abdeckungsgrad bundesweit bei gerade mal 35 Prozent.

Naber kritisierte, dass „strategische Manöver der Telekom“ gegenüber Alternativanbietern Kommunen und Verbraucher aktuell verunsichern und Ausbauziele konterkarieren würden.

In der Diskussion machte sich Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH Wirtschaftsförderung, als Moderatorin für den Ausbau der Glasfasernetze auf dem Land stark. „Mehr Drive“ und weniger Rosinenpickerei einzelner Unternehmen wünsche sie sich beim Breitbandanschluss für international agierende Firmen. „Es kann nicht Aufgabe der Wirtschaftsförderung sein, da immer bei der Telekom nachhaken zu müssen.“

Estland und Rumänien
als Vorbilder?

Fragen nach der Vorbildwirkung Estlands oder Rumäniens beim Digitalausbau konterte Minister Mehring mit der Größe des Flächenstaats Bayern und einem oftmals verengten Blick auf die Statistik.

Tobias Jonas vom Start-up innFactory wollte wissen, ob angesichts von KI und wachsender Datenvolumen parallel zum Glasfaser- auch der Stromnetzausbau vorangetrieben werde, was Naber verneinte. Ebenso angesprochen wurde das Thema Sicherheit auf in- und ausländischen Daten-Clouds.

Steuerberater Bernhard Siglbauer aus Traunstein interessierte, warum nach der Freischaltung des digitalen Datenaustausches mit Behörden im Zuge der Grundsteuerreform Kanäle plötzlich wieder abgeschaltet würden oder Formulare ans Finanzamt unzeitgemäß per Fax geschickt werden müssten – angeblich aus Datenschutzgründen. „Da wird viel Zeit auf Verwaltungsakte verschwendet, anstatt die Wertschöpfung zu erhöhen.“

Mehring verwies auf die Notwendigkeit einer sinnvollen Durchdigitalisierung behördlicher Verwaltungsprozesse, „bevor wir KI zur Arbeitserleichterung einsetzen können“.

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