Traunstein – Das Elektrohandwerk erfreut sich trotz der angespannten konjunkturellen Lage noch steigender Umsätze und Auftragszahlen. Der Auftragsvorlauf beträgt aktuell im Schnitt gut 15 Wochen. „Es kündigt sich aber eine leichte Eintrübung der Auftragslage an“, sagte Obermeister Peter Müller kürzlich bei der Jahreshauptversammlung der Innung für Elektro- und Informationstechnik Traunstein. Diese vertrat zum Jahresende 2023 in den Landkreisen Traunstein, Mühldorf, Altötting und Berchtesgaden 163 Elektrobetriebe standesrechtlich. Gegenüber dem 31. Dezember 2022 ist dies ein Zuwachs von zwei Mitgliedern. Die Innung ist damit die zweitgrößte Innung in der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land (Kreiha).
Fachkräftemangel
bereitet Sorgen
Der Obermeister forderte die Anwesenden auf, an einem Strang zu ziehen und sich gegenseitig zu unterstützen. „Nur gemeinsam sind wir in der Lage, den immer mehr fordernden Kunden eine solide und qualitativ hochwertige Leistung zu bieten“, so der Obermeister, der betonte, dass die Innungsmitgliedschaft für Betriebe eine Reihe von Vorteilen bringe.
Auch der Fachkräftemangel mache dem Elektrohandwerk Sorgen. „Die Fachkräftelücke wächst weiter“, charakterisierte er die unerfreuliche Entwicklung. Man müsse junge Leute für das Handwerk begeistern. Bei der Berufsinformationsmesse (BIM) im Herbst wolle man Werbung für das Elektrohandwerk betreiben.
Das Elektrohandwerk sei mit der wachsenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien, Zukunftstechnologien und Digitalisierung konfrontiert, die auch Chancen eröffneten. Der Neubau sei deutlich rückläufig, Sanierungen trügen zu dem guten Geschäftsverlauf bei. Bei Ladeeinrichtungen sei ein Rückgang zu verzeichnen, was letztlich auch auf den Stopp der Bundesförderungen für die Elektromobilität zurückzuführen sei, so der Obermeister.
Müller lobte das Engagement ehrenamtlich tätiger Innungsmitglieder und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit Innungs-Vorstandschaft und Kreishandwerkerschaft.
Stellvertretender Obermeister Ludwig Pfandl ging bei der Versammlung auf Verbandsthemen ein. Auch auf Verbandsebene freue man sich über ein noch gutes Auftragspolster, zu dem die Energiewende und die Digitalisierung wesentlich beitragen würden. Er wies darauf hin, dass der Landesverband den Betrieben umfassende Beratungen anbietet. Kritisch merkte er den Rückgang der Betriebe auf bayerischer Ebene an, was im Wesentlichen auch auf eine fehlende Nachfolgeregelung zurückzuführen sei.
Klares Nein zum
„kleinen Elektriker“
Lehrlingswart und Prüfungsausschussvorsitzender Alois Ortner, der von Obermeister Müller ein Extralob für sein hohes ehrenamtliches Engagement erhielt, freute sich über leicht steigende Ausbildungszahlen. Zum Ende des Jahres 2023 bestanden gesamt 516 Lehrverhältnisse. Ein klares „Nein“ gab es von Ortner für den von der Politik gewünschten „kleinen Elektriker“, wie es ihn in der Industrie gibt. Neben sicherheitsrechtlicher Bedenken betonte er auch, dass das „Nein“ auch billige Arbeitskräfte verhindern soll, die dann auf diesem Wege auch den Meisterbrief erwerben könnten. Der Meisterbrief sei weiterhin ein hohes Qualitätssiegel.
Der Lehrlingswart gab einen Überblick über die vergangenen Gesellenprüfungen. In der Sommerprüfung 2023 haben 25 Teilnehmer die Prüfung bestanden (Notendurchschnitt 2,6). In der Winterprüfung waren es 61 erfolgreiche Gesellen (3,45). Ortner bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit seinen Prüfungskollegen und der Kreishandwerkerschaft.
Johannes Mitterer, Fachgruppenleiter Informationstechnik (IT), ging auf die IT- Prüfungen ein, die in München stattfinden. „Der Beruf Informationstechniker ist eine Randgruppe“, sagte er mit Blick auf die 34 Gesellen aus den heimischen vier Landkreisen, die in den Jahren 2023/2024 die Prüfung erfolgreich abgeschlossen haben.
Das Ehrenamt als Fachgruppenleiter Gebäude- und Energietechnik war zuletzt unbesetzt. Andreas Randlinger wurde ohne Gegenstimme in das Ehrenamt gewählt. Schnell durchgewunken war die Satzungsänderung, die eine Fristerhöhung von drei auf sechs Monate im Kündigungsfall der Innungsmitgliedschaft vorsieht und wirtschaftliche Nachteile für die Innung verhindern soll.
Grünes Licht
für Haushalt
Dagmar Sinzinger von der Kreiha legte die Jahresrechnung vor, deren solides Zahlenmaterial von den anwesenden Mitgliedern nach dem positiven Votum der Rechnungsprüfer Harald Gronert und Peter Schillinger ohne Gegenstimme beschlossen wurde. Gleiches galt auch für den Haushalt des laufenden Jahres, der ebenfalls die uneingeschränkte Zustimmung der Mitglieder fand.
Weiter standen eine Reihe von Neuwahlen an. Als Meisterbeisitzer wurden Alois Ortner, Harald Bauer, Rudolf Brandhuber junior, Stefan Büchele, Stefan Fackler, Peter Müller, Ludwig Pfandl, Andreas Randlinger, Maximilian von Rudno und Max Schranner gewählt. In den Ausschuss für Berufsausbildung wurden Ortner, Brandhuber junior und Büchele gewählt. Im Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten sind künftig Müller, Büchele und Pfandl.
Fachliche Themen standen auch im Kurzvortrag von Alexander Simon vom Bayernwerk im Vordergrund. Er bezog zu aktuellen Themen des Netzbetreibers Stellung. „Es wird alles immer elektrischer, es wird immer komplexer“, wies Simon auf die Herausforderungen für die Netzbetreiber hin.wz