Raubling – Was hilft gegen Fachkräftemangel? Die Antwort scheint einfach: Die Fachkräfte selbst auszubilden und dabei – das ist durchaus wesentlich – auch Quereinsteigern eine Chance zu bieten, sich durch Fort- und Weiterbildung das Wissensniveau von Fachkräften anzueignen. Die Prechtl-Lebensmittelmärkte sind diesen Weg mit Erfolg gegangen: Seit zehn Jahren gibt es nun die Prechtl-Akademie, in der gewissermaßen das eigene Personal „groß gezogen“ wird. So haben auch drei der vier Marktleiter ihre Karriere als Azubis begonnen.
Idee war kein
Selbstläufer
Die Idee war jedoch – so einleuchtend sie in der Rückschau auch scheint – zu Anfang durchaus kein Selbstläufer, erzählt Andreas Prechtl. Es waren die passenden Räumlichkeiten zu beschaffen und parallel dazu die externen Referenten zu akquirieren. Im Laufe der Zeit konnten dann, wie Monika Prechtl erläutert, dank der Akademieleiterin Nicole Reidelbach eigene Mitarbeiter zu Referenten ausgebildet werden.
Ohne die Akademie jedenfalls, da sind sich die Prechtls sicher, wäre das Personalwachstum in den vier Märkten von rund 250 Mitarbeitern im Jahr 2014 auf jetzt 400 „Prechtlerianer“ nicht zu verwirklichen gewesen. Ein Umstand, den auch Landrat Otto Lederer auf der Jubiläumsfeier der Prechtl-Akademie, die kürzlich stattfand, hervorhob. Für ihn sind familiengeführte Unternehmen wie die Prechtl-Lebensmittelmärkte die Basis für die gesunde wirtschaftliche Struktur in Stadt und Landkreis Rosenheim. Das wird laut Lederer besonders an einem Beispiel deutlich, das gerade im Lebensmittelhandel zum Tragen kommt: die entscheidende Rolle, die die Lebensmittelmärkte bei einer stärkeren Regionalisierung der Angebote haben.
Das fängt schon damit an, dass die Kunden überhaupt erst auf die Idee kommen müssen, dass sie durch den Einkauf regionaler Produkte die heimische Landwirtschaft wirksam unterstützen können. Nur so werden Kunden in die Lage versetzt, auf Nachhaltigkeit und Tierwohl verstärktes Augenmerk zu richten. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine breite regionale Produktpalette in den Lebensmittelmärkten, die nicht versteckt, sondern durchaus offensiv beworben wird.
Eine Sache, die sich leicht dahinsagt, in der Praxis aber viel Überlegung erfordert. „Ein großes Problem ist zum Beispiel die Frage: Können wir von den regionalen Anbietern überhaupt genügend Ware bekommen?“, erklärt Jochen Aumüller, der Prokurist der Firma Prechtl. Schließlich müssen vier Märkte damit versorgt werden, in Bad Aibling, Bad Feilnbach, Brannenburg, und Raubling. Eine Lösung, die man bei Prechtl fand, ist, den Begriff Regionalität durch den der Lokalität zu erweitern: So werden die Eier, die von Aiblinger Bauern angeboten werden können, zum Beispiel nur in Aibling verkauft – dafür reicht die Menge, die die Aiblinger Hühner liefern können.
Ziel sei es, so sagt Jochen Aumüller weiter, möglichst eine durchgehende „Wertekette“ aufzubauen – vom Produzenten bis zum Verbraucher. Wohl gemerkt eine Wertekette, nicht nur eine Wertschöpfungskette. Denn regionale Produkte nachhaltig herzustellen, sie in breiter Palette anzubieten und schließlich auch zu kaufen, setzt Aumüller zufolge bei allen Beteiligten bewusstes Handeln voraus.
Und auch dafür liefert die Prechtl-Akademie einen wichtigen Beitrag: Durch die vielfältigen Schulungen, die hier angeboten werden, erreichen die Mitarbeiter den Status echter Fachkräfte: Sie können aus fundiertem Wissen heraus über ihre Produkte informieren.
Vertrauen in die
Mitarbeiter
Dass sie das gerne tun, ist auch dem Betriebsklima bei Prechtl zu verdanken, wie am Jubiläumsabend einem kurzen Film zu entnehmen war, bei dem die Mitarbeiter zu Wort kamen. „Flache Hierarchien“ sind derzeit ein beliebtes Schlagwort. Wenn das aber mehr als nur eine Worthülse sein soll, setzt es Vertrauen voraus, das man den Mitarbeitern schenkt, und zudem Freiräume für eigenes kreatives Denken und die Möglichkeit, dass die Mitarbeiter Praxiserfahrungen aktiv in die Entscheidungen mit einbringen können. Bei Prechtl scheint das gelebte Realität. jt