Waldkraiburg – Nach außen lässt sich Jörg Bornemann, Geschäftsführer bei Dickow Pumpen, nichts anmerken. Lächelnd und locker übergibt er den symbolischen Staffelstab an Dr. Wolfgang Schmitz und Alexander Hammer, die neuen Chefs des Waldkraiburger Pumpenherstellers. Denn seit dem 1. Januar 2025 ist der 64-jährige Bornemann offiziell im Ruhestand.
„Der richtige Zeitpunkt zum Wechsel ist dann, wenn die richtigen Nachfolger gefunden sind“, sagte Bornemann. Sieben ereignisreiche und wohl auch aufreibende Jahre liegen hinter ihm und seiner Mannschaft. Jahre, in denen sie das Unternehmen gemeinsam neu aufgestellt, die Zukunft und Eigenständigkeit gesichert haben. An Schmitz und Hammer ist es nun, Dickow in die Zukunft zu führen und an die neuen Gegebenheiten des Weltmarktes anzupassen.
Anfangs war
Skepsis da
Als Bornemann vor gut sieben Jahren Geschäftsführer wurde, war die Skepsis groß, erinnert er sich. „Der macht uns verkaufsfertig“, hätten viele gedacht. Das wollte niemand, auch Bornemann nicht.
Also krempelten sie gemeinsam die Ärmel hoch und das Unternehmen um. „Alles war auf dem Prüfstand“, erinnert sich Bornemann: Personalabteilung, Marketing, Vertrieb, Technik, kaufmännische Abteilung. Und weil die Zeit fehlte, „haben wir alles gleichzeitig angefangen. Da hat es natürlich geknirscht.“
Heute ist Dickow ein global agierender Hersteller von Spezialpumpen mit einer modernen Unternehmensstruktur und zahlreichen Neubauten auf dem Waldkraiburger Firmengelände. 2021 wurde das Unternehmen in die Astrid-Dickow-Stiftung überführt. Mit all dem ist die Zukunft als eigenständiges Unternehmen ebenso gesichert wie die rund 200 Arbeitsplätze.
Trotz aller
Krisen stabil
Trotz aller Krisen – das Unternehmen blieb stabil, die Aufträge und Umsätze stiegen. Selbst als Märkte wie Iran, Irak, Syrien oder Russland wegfielen, als Corona kam. „Das haben wir alles ausgeglichen. Das ist unsere Stärke: Dass wir die Probleme lösen, die sich uns stellen“, blickt Bornemann zurück.
Der 46-jährige Alexander Hammer hat diesen Weg gemeinsam mit Bornemann beschritten. Er ist seit 29 Jahren im Unternehmen, stieg vom Lehrling zum weltweiten Vertriebsleiter auf und nimmt seit 1. Januar in einem der beiden Chefsessel Platz.
„Es ist noch so viel
Potenzial da“
Auf dem anderen sitzt seit 1. September bereits Dr. Wolfgang Schmitz (57). Der Maschinenbauer ist seit September im Unternehmen, war vorher aber schon im Beirat. Er kommt aus der Energiewirtschaft und bringt den Blick von außen in das Unternehmen. „Ich wollte gerne wieder gestalten. Es ist faszinierend, dass so ein kleines Unternehmen auf so spannenden Märkten weltweit unterwegs ist.“
Schmitz und Hammer wollen das Waldkraiburger Traditionsunternehmen auf die nächste Stufe heben. „Es ist noch so viel Potenzial da“, freut sich Hammer. Alles werde moderner und digitaler, ständig entstünden neue Märkte. „Wir müssen schnell, flexibel, innovativ und da sein, wo ein Markt entsteht.“
Auch die Rahmenbedingungen ändern sich: Die USA und China koppeln sich ab, „die Globalisierung macht gerade eine Rolle rückwärts“, sagt Hammer. Darauf müsse und werde Dickow reagieren. „Wenn sich die Spielregeln ändern, müssen wir uns anpassen.“
Waldkraiburg
bleibt Zentrum
Wie? Das erklärt Schmitz: „Aktuell bedienen wir die Welt ausschließlich aus Waldkraiburg.“ Es sei aber zu prüfen, ob es in einigen Ländern oder für bestimmte Märkte in Zukunft Partner für Teile der Wertschöpfung brauche. „Wie viel Wertschöpfung können und müssen wir von hier aus erbringen?“ Das sei die Frage. „Waldkraiburg wird immer unser Kompetenz- und Produktionsschwerpunkt bleiben. Aber mit unserer Kostenstruktur sind wir uns in bestimmten Märkten nicht wettbewerbsfähig.“
„Es geht dabei in keinster Weise darum, die Produktion herunterzufahren“, betont Schmitz. Im Gegenteil: Ziel sei es, neue Märkte zu erschließen und Wachstum zu generieren. Aber dafür brauche es vermutlich einen etwas anderen Ansatz als bisher. „Das ist das, was nötig ist“, bestätigt der scheidende Bornemann.
Schmitz und Hammer sind zuversichtlich. „Wir sind innovativ, wir sind schnell, flexibel und unkompliziert“, bringt Hammer die Firmenphilosophie und die Erfolgsformel von Dickow auf den Punkt.
Für Bornemann sind seine Nachfolger dafür die richtigen Männer. Während er dazu neigte, einfach loszulegen, gehe Schmitz Probleme „systematischer“ an. Und Hammer sei „immer komplett aufgeschlossen und agil“.
„Ich werde es aus der
Ferne beobachten“
Und so übergibt Bornemann den Staffelstab guten Gewissens: „Damit geht es mir sehr gut. Ich begrüße es zu 100 Prozent, was die beiden planen.“ Er fügt aber auch augenzwinkernd an: „Ich werde es aus der Ferne beobachten.“
Denn Bornemann zieht es jetzt zurück in die Nähe von Pfaffenhofen, wo Frau und Hund auf ihn warten. Langweilig werde ihm sicher nicht. Im Gegenteil. Nächstes Jahr heiratet seine Tochter. „Bis dahin muss ich das Hochzeitsauto herrichten: einen alten Heckflossen-Mercedes.“ Darüber hinaus sei eine Thailand-Reise geplant und er möchte daheim auch noch sein Arbeitszimmer, den Keller und die Garage aufräumen. „Ich habe so viel vor, dass ich gar nicht wüsste, wie ich in dieser Zeit noch arbeiten sollte.“