„Ohne Bauern kein Brot – ohne Züchter kein Vieh“

von Redaktion

Rinderzuchtverband Traunstein ehrt erfolgreiche Landwirte – Neue Chiemgauhalle ist der ganze Stolz

Traunstein – Über eine gut besuchte Versammlung konnten sich kürzlich die Verantwortlichen des Rinderzuchtverbandes Traunstein in den neuen Räumlichkeiten der Chiemgauhalle freuen. In den Rechenschaftsberichten wurde deutlich, dass sich der Verband insgesamt recht positiv entwickelt hat und die neue Chiemgauhalle den ganzen Stolz des Verbandes bildet. Die aktuellen Tierseuchen beschäftigen allerdings nicht nur die Züchter, sondern auch die Behörden.

„Wir blicken auf ein ganz besonderes Jahr zurück, das sicherlich in die Geschichte eingehen wird“, sagte Verbandsvorsitzender Hubert Hartl in seinem Bericht über das abgelaufene Jahr. Fast 50 Jahre war die Chiemgauhalle an der Siegsdorfer Straße in Traunstein der Dreh- und Angelpunkt der Vermarktung. Am 4. Februar 2019 war das Dach der alten Halle eingestürzt. Die Einweihung des Neubaus am 13. Oktober 2024 sei ein Meilenstein in der Geschichte des Verbands gewesen, so Hartl. Er bezeichnete die neue Halle als „nicht nur schön, sondern auch gut“. Zudem bekommt die hochmoderne Halle viel Lob, was Arbeits- und Tierwohlbedingungen angeht.

Steigende
Vermarktungspreise

Sorgen bereiten den Verantwortlichen des Verbands dagegen die Fälle der Blauzungenkrankheit, aber auch die Maul- und Klauenseuche, die Einfluss auf den EU-Markt und den internationalen Markt haben.

Ein umfangreiches Zahlenwerk präsentierte Verbandsverwalter Bernhard Reiter. Die steigenden Vermarktungspreise konnten die Kostensteigerungen insgesamt abfedern, sodass sich die Verbandsmitglieder über einen Einnahmenüberschuss von etwa 58000 Euro freuen dürfen. „Ebenso erfreulich entwickelten sich die Vermarktungszahlen bei den Kälbern“, betonte Bernhard Reiter und informierte über einen Zuwachs von 626 vermarkteten Tieren gegenüber dem Vorjahr. Im Bereich Zuchtvieh konnten 975 Tiere vermarktet werden und damit 68 Tiere mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig informierte er darüber, dass „natürlich hornlose“ sowie „enthornte“ Tiere höhere Verkaufserlöse erwarten lassen.

Zuchtleiter Dr. Rudolf Maierhofer lieferte in seinem Bericht einen Überblick über die Zuchtentwicklung und konnte anhand verschiedener Zahlen eine Steigerung in den Milch- und Fleisch-Leistungswerten belegen. In den vergangenen Jahren gehe der Trend zudem eindeutig zur jüngeren Genetik und zur Hornlosigkeit. Darüber hinaus hat sich das sogenannte Generationsintervall am Beispiel von vier Generationen von 20 Jahren auf vier Jahre verkürzt.

„Ohne Bauern kein Brot, ohne Züchter kein Vieh“, so eröffnete Traunsteins stellvertretender Landrat Andreas Danzer sein Grußwort. Er betonte: „Der Landkreis Traunstein ist eine Region, in der bäuerliche Landwirtschaft nicht nur Tradition, sondern auch Zukunft bedeutet.“ Er sicherte den Züchtern zu: „Wir werden uns weiterhin für eure Anliegen stark machen.“

Stadtrat Simon Schreiber betonte, dass „wir ohne eine Weiterentwicklung der Technik heute noch die Kartoffeln mit den Händen aus der Erde holen“ würden. Gleichzeitig freute er sich, dass der alte und neue Standort der Chiemgauhalle so attraktiv sei. Er appellierte: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, damit es auch in Zukunft noch kleine Betriebe gibt.“

Lobende Worte hatte auch der Amtsveterinär Dr. Jürgen Schmid im Gepäck. „Ich darf Ihnen zur neuen Vermarktungshalle im Namen aller Mitarbeiter die besten Glückwünsche übermitteln.“ Auch die Amtsvertreter seien mit den neuen Arbeitsbedingungen sehr zufrieden. Schmid gab zudem einen Überblick über die aktuelle Situation bei der Blauzungenkrankheit sowie bei der Maul- und Klauenseuche. Zu letzterer sagte er: „Es war für uns alle ein Schock, als die ersten Fälle in Deutschland bekannt wurden.“ Derzeit sei aber keine weitere Ausbreitung im Land bekannt.

Stefan Grabmaier vom LKV, dem Landeskontrollverband für Leistungs-, Qualitätsprüfung und Beratung für Tierzucht, lieferte eine Übersicht über die gesamte Marktentwicklung. Dabei informierte er, dass die Anzahl der Betriebe und der Tiere zwar sinke, dafür aber deren Durchschnittsleistung vor allem in den Bereichen Gesundheit und Robustheit zunehme. Darüber hinaus berichtete er, „dass derzeit wieder verstärkt Tierschutzorganisationen unterwegs sind, die sich unerlaubterweise Zutritt in die Betriebsanlagen verschaffen“. Deshalb warb er für das Anbringen von Tafeln, die ausdrücklich auf das Verbot des unerlaubten Betretens der Stallungen hinweisen.

Sieben Züchter
ausgezeichnet

Gleich sieben Züchter konnten die Verantwortlichen mit einer Ehrenurkunde samt Plakette würdigen. Deren Tiere haben allesamt die „100000-Liter-Marke“ bei der Milcherzeugung geknackt. Über die Auszeichnung freuten sich Rupert und Karina Blank aus Molbaum bei Otting für gleich zwei Tiere. Darüber hinaus erhielten die Ehrung Markus Haselberger aus Krautenbach (Gemeinde Taching), Christian und Renate Mix aus Buchen (Gemeinde Surberg), Paul Fenninger aus Plattenberg (Gemeinde Wonneberg), Konrad Berger aus Kroneck (Gemeinde Grabenstätt) sowie Johannes Wimmer aus Oberaschau (Gemeinde Grabenstätt).

In der anschließenden Diskussion kam die Frage nach einer wöchentlichen Vermarktung anstelle des bisherigen zweiwöchigen Rhythmus auf. Hubert Hartl stand dem Vorschlag skeptisch gegenüber. Er befürchtet, dass bei zu kurzen Intervallen die Kosten steigen und sich die Anzahl der vermarkteten Tiere im Gegenzug nicht erhöhen wird. Darüber hinaus brachte er seine Bedenken zum Ausdruck, dass manche Großeinkäufer bei einem zu geringen Angebot ausbleiben. Deshalb wolle er lieber beim zweiwöchigen Rhythmus bleiben. Hubert Hobmaier

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