Schechen – Die steigenden Kuhpreise im vergangenen Jahr standen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Viehvermarktungsgesellschaft (VVG) Bayern eG, die kürzlich im Gasthof Kapsner in Hochstätt stattfand. Sebastian Brandmaier informierte die rund 80 anwesenden Mitglieder über die Entwicklungen auf dem europäischen Markt. „Es gibt kein billiges Rindfleisch in der EU“, fasste Brandmaier seine Ausführungen über den europäischen Markt zusammen.
Ein wesentlicher Grund für die steigenden Preise ist ihm zufolge die steigende Nachfrage nach Rindfleisch vor allem in der Türkei und in Nordafrika. Zudem werde viel nach Frankreich und Spanien exportiert, wo vor allem „fette Kühe“ gefragt sind, da fettes Fleisch den dortigen Ernährungsgewohnheiten entspreche, wie Brandmaier erklärte.
In Deutschland werden 58 Prozent des Rindfleisches als Hackfleisch verkauft, „und der Anteil von Hackfleisch nimmt noch zu“, so Brandmaier.
Insgesamt nimmt der Fleischverbrauch in Deutschland allerdings ab. 2018 lag er bei 61,5 Kilogramm pro Kopf, 2023 waren es 52 Kilogramm. Der Konsum von Schweinefleisch sank im gleichen Zeitraum von 34,1 auf 27,8 Kilogramm, der von Geflügelfleisch von 13,6 auf 13,1 Kilogramm und der von Rindfleisch von 10,7 auf 9,1 Kilogramm.
In der EU, in der der Fleisch-Durchschnittsverbrauch von 68 auf 64 Kilogramm sank, liegt Deutschland beim Fleischkonsum im unteren Mittelfeld. Führend sind Irland und Zypern mit 86 Kilogramm. Das Schlusslicht bilden Bulgarien und die Slowakei mit 43 Kilogramm.
In Bayern ging die Zahl der Rinderhaltungen in den vergangenen zehn Jahren von 51000 auf 38000 zurück, während der Rinderbestand von 3,2 Millionen auf 2,7 Millionen Tiere sank. Laut Brandmaier spielt nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität des Fleisches eine große Rolle, wobei die inzwischen 41 Gütesiegel der „Haltungsform 3“ seiner Einschätzung nach für die Verbraucher „eher verwirrend“ seien. Erfolgreich seien bei den Siegeln unter anderem der „Landbauern-Ochse“ und die „Grünland-Kuh 3.0“. Die Zukunft werde durch weniger Rinderhalter und geringere Viehbestände, Überkapazitäten an Schlachthöfen und eine Konzentration im Lebensmittelhandel gekennzeichnet sein, sagte Brandmaier voraus.
Franz Heringer berichtete, dass die Situation auf dem Markt für Schweinefleisch durch einen Preisverfall während der Corona-Pandemie gekennzeichnet sei. Dies habe zu vielen Betriebsaufgaben geführt.
Brandmaier appellierte an die Landwirte, ihre Tiere rechtzeitig zur Abholung anzumelden, um die Planungen der Schlachthöfe zu erleichtern. Außerdem müssten Kälberpässe korrekt ausgefüllt und die Ohrmarken am Tier sein, andernfalls würden die Tiere wieder zurückgewiesen.
Die VVG Bayern eG hat laut Marinus Spann, der seit Anfang des Jahres Vorstandsvorsitzender ist, 2024 rund 182000 Rinder und rund 781000 Schweine vermarktet. Von den 16291 Mitgliedern der Genossenschaft sind 9175 in Oberbayern. Die mitgliederstärksten Landkreise sind Rosenheim (1825), Traunstein (1401) und Mühldorf (1312).
Der Gesamtumsatz der VVG und ihrer GmbHs betrug rund 365 Millionen Euro. Sie beschäftigt mehr als 70 Personen mit einem Arbeitszeitvolumen von 53,6 Vollzeitkräften. Alfred Schubert