Donald Trump beunruhigt die Region

von Redaktion

Interview Andreas Bensegger über die Auswirkungen angedrohter Strafzölle

Rosenheim – Noch kann Andreas Bensegger einigermaßen ruhig schlafen. Wenn der Vorsitzende des Regionalausschusses Rosenheim der Industrie- und Handelskammer (IHK) allerdings auf die täglichen Nachrichten aus Amerika blickt, mache er sich schon Gedanken. Während die wirtschaftliche Lage in Deutschland derzeit auch ohne Donald Trump vor großen Schwierigkeiten steht, droht der amerikanische Präsident mit Strafzöllen.

Heißt: Wer Waren in die USA verkaufen möchte, muss deutlich mehr bezahlen. Davon könnte nach China, Mexiko und Kanada bald auch die EU betroffen sein – und damit auch Unternehmen in der Region Rosenheim. Im Gespräch mit dem OVB erklärt Bensegger, welche Firmen die Zölle besonders treffen, ob Arbeitsplätze gefährdet sind und was dann teurer werden könnte.

Wie gefährlich ist Donald Trump für die Region Rosenheim?

Seine Politik ist definitiv gefährlich für unsere Wirtschaft. Er ist unberechenbar, er ist auf Deals aus.

Das gibt einem zwar die Möglichkeit auf manche Entscheidungen von ihm schnell zu reagieren, um sie in den Griff zu bekommen, aber das wird immer etwas kosten. Und: Wenn wir dann keinen Deal für Trump haben, dann wird diesen ein anderer bekommen – und wir haben einen Nachteil daraus.

Nachteile könnte es auch aufgrund von Strafzöllen geben. Für China, Mexiko und Kanada gibt es sie schon. Auch der EU droht das Szenario.

In diesen Ländern ist man den USA noch mehr ausgeliefert als wir das sind. Aus Mexiko oder Kanada gehen 70 bis 80 Prozent der Exporte nach Amerika. Bei uns sind es rund 50 Prozent. Allerdings sind solche Abhängigkeiten immer schlecht für die Wirtschaft in einem Land. Jetzt müssen wir mal abwarten, was passiert. Anfang April – so der Stand heute – soll es Strafzölle auf europäische Produkte geben. Aber das Markenzeichen von Trump ist die Unberechenbarkeit, also warten wir ab, was wirklich passiert.

Spüren Firmen in der Region bereits etwas vom Politikwechsel in Amerika?

Im Moment ist es noch wie das Kaninchen vor der Schlange. Es ist zurzeit ein starres Abwarten, was als nächstes passiert. In der Region gibt es schon Unternehmen, die vermehrt in die USA exportieren oder dort produzieren. Die haben mir berichtet, dass die Lage noch größtenteils entspannt ist. Die Unsicherheit vor dem Ungewissen ist aber in einigen Branchen da.

Wenn tatsächlich Strafzölle für die EU kommen – welche Firmen in der Region trifft das besonders?

Die Automobilbranche, da gibt es bei uns ja einige Zulieferfirmen, und den Bereich mit Maschinenbau.

Die Folgen für diese wären?

Wenn ein wesentlicher Absatzmarkt wie die USA für uns wegfällt, dann werden weniger Produkte verkauft, die Umsätze gehen zurück und das wirtschaftliche Risiko steigt. Und das in einer Zeit, in der wir sowieso schon ein spannendes, sportliches Umfeld für die Wirtschaft in Deutschland haben. Im Endeffekt könnten damit auch Arbeitsplätze in diesen Firmen in Gefahr sein.

Heißt: Mit amerikanischen Strafzöllen müssen Menschen in der Automobilbranche und im Maschinenbau um ihre Arbeitsplätze fürchten?

Ja, und in der Industrie. Auf die Lebensmittelindustrie, die eher regional liefert, wird das weniger zutreffen, die international exportorientierte Industrie betrifft das allerdings umso mehr. Und die hat schon noch einen deutlichen wertschöpfenden Anteil bei uns, darf man nicht vergessen.

Spekuliert wird auch immer über einen Anstieg der Inflation.

Das ist schon vorstellbar. Wenn die Ausgaben bei den Unternehmen für den Export steigen, werden die Kosten weitergegeben. Wenn wir von Strafzöllen in Höhe von zehn, 20 oder 25 Prozent sprechen, das kann kein Unternehmen in seiner Gewinn- und Verlustrechnung kompensieren.

Also werden einige Sachen für jeden Einzelnen noch teurer?

Genau. Die letzten beißen die Hunde. Die Industrie und die Wirtschaft werden es sich nicht leisten können, die Zölle zu kompensieren. Das geht auch rechnerisch nicht, dementsprechend müssen die höheren Kosten weitergegeben werden. Das trifft in der Kette dann natürlich den Endkunden, den privaten Konsumenten. Der Verbraucher wird die Zeche für die Strafzölle bezahlen müssen.

Kann man schon sagen, was dann genau teurer wird?

Das wird durch alle Bereiche gehen. Und nicht nur für Produkte, die in Zusammenhang mit dem Export nach Amerika stehen. Zum Beispiel importierte Elektroautos aus Asien könnten – je nach Modell – zwischen 15 und 35 Prozent teurer werden, falls es wieder einen richtigen Handelskrieg gibt. Aber auch bei Handys und anderen Elektronikgeräten könnte das zu spüren sein.

Es soll auch Firmen geben, die von Strafzöllen profitieren – ist da etwas dran?

Dazu fehlt mir die Fantasie, dass da jemand in der Region davon profitieren kann. Erst wenn wir uns von der Abhängigkeit der USA lösen und uns um andere Absatzmärkte, zum Beispiel in Südamerika oder asiatischen Ländern, bemühen, können wir auf lange Sicht profitieren. Dabei wurde in vergangenen Jahren etwas geschlafen.

Schließlich hat Trump seit Jahren angekündigt, dass er so vorgeht, wie er es jetzt macht. Da hätten Deutschland und die EU schon deutlich früher in die Pötte kommen müssen, um sich gegen die amerikanischen Maßnahmen zu wappnen.

Interview: Julian Baumeister

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