Palling – Anlass zur Freude bei den heimischen Sanitär-, Heizungs- und Klima-Innungen (SHK): Kürzlich konnten in Palling 63 junge Gesellen ihren erfolgreichen Abschluss feiern. Diesen beruflichen Meilenstein feierten die Vertreter von Innung, Ausbildungsbetrieben, Bildungszentren, Berufsschulen sowie die Familienangehörigen, so wie es im Handwerk üblich ist: mit einer Freisprechung, ausgerichtet von den SHK-Innungen Traunstein und Berchtesgadener Land. Bei den Spenglern waren auch die Auszubildenden der Innung aus Rosenheim mit vertreten.
Bei der Festveranstaltung erfuhr der berufliche Nachwuchs verdiente Wertschätzung mit einem ansprechenden Programm, für das insbesondere auch Obermeister Josef Pflügl (Traunstein) und sein Berchtesgadener Obermeister-Kollege Peter Schuhbeck verantwortlich zeichneten.
Ein „großer Feiertag“
für das Handwerk
Pflügl bezeichnete die Freisprechung als „großen Feiertag für das Handwerk“. Dennoch mache ihn der Rückgang der Auszubildenden traurig (82 im Jahr 2024, 63 in 2025). Besonders dramatisch sei dieser bei den Spenglern. Die Zahl in Bayern sei von 1300 Lehrlingen im Jahr 1995 auf 170 im vergangenen Jahr zurückgegangen. „Dies wird nicht nur für die Betriebe zum Problem, sondern vor allem auch für die Endkunden. Das ist ein gesellschaftliches Problem“, sagte er mit Blick auf eine überdurchschnittliche Förderung der Hochschulen im Vergleich zu den geringeren Förderungen im dualen Ausbildungssystem. „Betriebe, Berufsschulen und die Handwerkskammer arbeiten hervorragend zusammen. Aber in vielen Teilen der Gesellschaft wird das nicht mehr anerkannt“, monierte der Obermeister. „Aber ihr habt einen Beruf erlernt, der immer gebraucht wird“, rief er den jungen Gesellen zu. Man könne eine Heizung zwar am Computer planen, aber einbauen und warten müssten sie Menschen mit fachlicher Kompetenz.
Pflügl und sein Kollege Peter Schuhbeck fühlten auch den drei Landtagsabgeordneten Konrad Baur (CSU), Martin Brunnhuber und Michael Koller (beide FW) in einer Podiumsdiskussion auf den Zahn. Man war sich einig, dass dem Handwerk zu wenig Wertschätzung entgegengebracht werde. Nur sieben Landtagsabgeordnete seien Handwerker, man fühle sich unter den Landespolitikern nicht genug vertreten. Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass die Investitionen in die beiden Berufsschulen in Traunstein und Freilassing nötig und wertvoll seien. Pflügl richtete an die anwesenden Politiker die Bitte, eine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Bildungszentrum des SHK-Handwerks in der Sonntagshornstraße in Traunstein einzurichten.
Ein Erfolg, der
viele Väter hat
Thomas Pate, Leiter des regionalen SHK-Bildungszentrums, blickte auf die zurückliegende Lehrzeit zurück und sorgte für viel Gelächter. Waren doch Themen wie Zwischenprüfung oder das ordnungsgemäße Führen eines Berichtsheftes nicht immer geliebter Alltag für die Anwesenden – egal ob auf Lehrlings- oder Ausbilderseite. Pate machte deutlich, dass der Erfolg viele Väter habe: Von den Ausbildern zu den Lehrern über die Eltern, die gemeinsam geholfen hätten, dass die Auszubildenden mit entsprechendem Fleiß nun den beruflichen Erfolg gebührend feiern konnten.
Stellvertretender Kreishandwerksmeister Thomas Aigner rief den jungen Leuten zu: „Schön, dass ihr heute eure Berufsausbildung abschließen könnt. Qualifizierte Fachkräfte sind Mangelware!“ Die jungen Leute hätten den Grundstock für ihre „lebenslange Arbeitsplatzgarantie“ gelegt. Nach dem offiziellen Freisprechungsakt gab es für die frischgebackenen Gesellen die begehrten Gesellenbriefe. Insgesamt wurden 63 Gesellen aus den beiden Prüfungen Sommer 2024 und Winter 2025 freigesprochen. Prüfungsbeste waren in der Sommerprüfung bei den Anlagenmechanikern (18 Teilnehmer, zwölf erfolgreiche Absolventen, Notendurchschnitt 3,33) Kilian Bertl vom Ausbildungsbetrieb Alois Beutlhauser in Bad Endorf mit einer Gesamtnote von 1,4 und bei den Spenglern (vier Teilnehmer, drei erfolgreiche Absolventen, Notendurchschnitt 3,25) Korbinian Schrittenlocher vom Ausbildungsbetrieb Weiss Holzbau in Staudach-Egerndach mit einer Note von 1,7.
In der Winterprüfung waren von 59 angetretenen Auszubildenden 45 erfolgreich. Der Notenschnitt lag bei 3,63. Prüfungsbester mit einer Note von 1,8 war hier Stefan Zimmermann vom Ausbildungsbetrieb Michael Niedermeier in Laufen. Knapp dahinter mit der Note von 1,9 lag Josef Ohnesorg-Meisl vom Ausbildungsbetrieb Hans Ludwig in Tüßling, gefolgt von Andreas Willers (Note 2,0) vom Ausbildungsbetrieb Toni Meier in Reit im Winkl. Bei den Spenglern kam mit drei Auszubildenden die Hälfte durch. Der Notendurchschnitt lag bei 4,2. Prüfungsbester mit der Note von 2,8 war hier Denys Serdiuk vom Ausbildungsbetrieb Spenglerei Haber in Schleching. Dass sich Leistung lohnt, zeigte sich auch daran, dass die Prüfungsbesten aus dem Sponsorenkreis mit einem Erlebniswochenende belohnt wurden.
Ein Höhepunkt im Rahmenprogramm war auch das Podiumsgespräch mit dem Ausnahmesportler Martin Braxenthaler, der zehnfacher Paralympics-Sieger und gelernter Kfz-Mechaniker ist. Der seit einem Unfall querschnittsgelähmte Surberger warb für ein „unkompliziertes“ Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung und brach eine Lanze für das SHK-Handwerk. Andreas Wittenzellner