Traunstein – „Wir stehen täglich vor großen Aufgaben“, sagte Gerhard Michel jüngst auf der Jahresversammlung der Friseur- und Kosmetiker-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land in Traunstein. Lebendig, kreativ und zukunftsorientiert sei das heutige Friseurhandwerk. Um die Entwicklung in den kommenden Jahren ist dem stellvertretenden Obermeister für den Landkreis Traunstein nicht bange: „Die Zukunft des Friseurhandwerks liegt in unseren Händen und sie sieht gut aus.“
Prüfungsergebnisse unbefriedigend
81 Betriebe sind in den beiden Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land in der nach dem Fachverbandsaustritt neu strukturierten Friseur- und Kosmetiker-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land zusammengeschlossen. 58 junge Menschen standen zum Ende des Jahres 2024 in einem Lehrverhältnis.
Vorstandsmitglied Marion Denzer ging auf die Thematik „Barbershops“ ein. Hier ist der Branche ein oft fehlender Meister in so manchem Betrieb ein Dorn im Auge. Dabei gehört das Friseurgewerbe zu den zulassungspflichtigen Handwerken. Das bedeutet unter anderem, dass für die Eröffnung eines Betriebes ein Meisterbrief erforderlich ist oder in dem Betrieb ein Meister in Vollzeit tätig sein muss. Für die Innung, aber auch die geschäftsführende Kreishandwerkerschaft, ist das Auffinden „schwarzer Schafe“ mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden – und zugleich „rechtlich unsicheres Land“. Es gäbe hier zwischen Handwerkskammer, Gewerbeaufsichtsamt und Ordnungsamt eine konstruktive Zusammenarbeit, sagte Denzer. Auch das Gesundheitsamt sei in eine Begehung mit eingebunden gewesen. Man stecke hier aber in den „Kinderschuhen“, nehme die Thematik jedoch sehr ernst.
Denzer nahm auch zu der im vergangenen Jahr durchgeführten Gesellenprüfung Stellung. 18 Teilnehmer nahmen daran erfolgreich teil, der Notendurchschnitt mit 3,15 war jedoch eher unbefriedigend. Einzelne Absolventen zeigten trotzdem sehr gute Noten. „Wir ‚Alten‘ verändern uns und die Jüngeren verändern sich auch“, sagte sie mit Blick auf die Einstellung zur Prüfung. Nicht allen sei die Bedeutung der Prüfung hinreichend bewusst. „Manche verstehen die Ernsthaftigkeit des Tages nicht.“
Manuela Deneri, Leiterin der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land (Kreiha) legte die Jahresrechnung des vergangenen Jahres vor. Die Innung hat sich nach dem Austritt aus dem Fachverband von den Kosten für die Verbandszugehörigkeit befreit. Dem überschaubaren Zahlenwerk mit positivem Gesamtergebnis stimmten die Innungsmitglieder nach dem Votum der Rechnungsprüferinnen Susanne Holzapfel und Ulrike Brandmair ohne Gegenstimme zu. Auch der Haushaltsplan 2025 wurde ohne Gegenstimme verabschiedet.
Außerdem stand die Neuwahl der stellvertretenden Obermeisterin für den Landkreis Berchtesgadener Land an. Für die aus persönlichen Gründen ausscheidende Simone Mittermaier wurde Denzer von den Anwesenden ohne Gegenstimme gewählt. Als Rechnungsprüferinnen wurden Holzapfel und Brandmair in ihrem Ehrenamt bestätigt.
Diskutiert und abgefragt wurde auch der Bedarf für Fachpraktiker im Friseurhandwerk, mit dem Ziel, einfache fachliche Tätigkeiten selbstständig oder unter Anleitung auszuführen und Entlastung im Salonalltag zu schaffen. Zielgruppe sind hier Menschen mit Behinderung. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre. Im Bereich der Holz- und Metallverarbeitung besteht das Berufsangebot mit Erfolg – für Betriebe und Gesellen gleichermaßen.
Kreiha-Geschäftsstellenleiterin Deneri ging auch auf die geplante Berufs-Informationsmesse (BIM) ein, die vom 30. September bis zum 2. Oktober im Bildungszentrum der Handwerkskammer stattfindet. Hier erwarten die Planer wieder deutlich mehr als 1000 Teilnehmer. Auch die Friseur- und Kosmetiker-Innung will hier wieder Werbung für ihr Handwerk machen.
Ehrungen für Innungstreue
„Die Friseurwerkstatt kommt bei den Jugendlichen gut an“, zeigte sich Vorstandsmitglied Bernhard Mühlbacher überzeugt. Diskutiert wurde auch eine Neuauflage einer Modeveranstaltung. Michl plädierte für ein Miteinander der Betriebe. Bei einer Wiederauflage seien alle Mitglieder zur Mitarbeit aufgerufen. Der Vorstand könne eine solche Veranstaltung alleine nicht stemmen. Suszan Laassidi stellte die Buchung bekannter Namen aufgrund hoher Honorare infrage und wünschte sich mehr Zusammenarbeit mit den Betrieben. Sie war sich dabei mit Vorstandsmitglied Sandra Niederbuchner einig.
Einen breiten Raum nahm auch die Ehrung langjähriger Innungsmitglieder ein, die für ihre Treue zur Handwerkervereinigung geehrt wurden: „Es ist schön, einfach einmal ‚Danke‘ an euch zu sagen. Ohne euch würde es die Innung nicht geben“, sagte Kreiha-Geschäftsstellenleiterin Deneri. Elisabeth Krawietz (15 Jahre), Marion Finkenzeller, Mona Maria Hallinger, Monika Schallinger, Detlef Scholz, Michael Stadler (alle 25 Jahre), Bernhard Mühlbacher (30 Jahre), Sabine Seubert (45 Jahre) und Ulrike Brandmair (55 Jahre) wurden für ihre Innungstreue geehrt.
Im Fachvortrag von Natalie Müller vom Versorgungswerk für die Handwerksbetriebe in Oberbayern ging die Altersvorsorge-Beraterin der Frage nach Vorsorge und Nachfolge im Fall des unerwarteten Ausfalls der Betriebsinhaber ein und zeigte das Risiko von Versorgungslücken auf. Das Handwerk sei hier auch mit Krankheiten wie verstärkt auftretenden Rückenbeschwerden, psychischen Erkrankungen und Unfällen konfrontiert. Selbstständige ohne Sicherheitsnetz stünden dann schnell vor dem finanziellen Aus. Andreas Wittenzellner