Der „Große Bauer“ aus Wasserburg wird 50

von Redaktion

„Der Große Bauer“ von der Privatmolkerei Bauer wird in Wasserburg produziert, doch der Kassenschlager ist international bekannt. Zum 50. Geburtstag des beliebten Fruchtjoghurts geben Markus und Florian Bauer einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen des Unternehmens.

Wasserburg – Florian und Markus Bauer aus Wasserburg sind in Feierlaune: „Es ist ein bisschen als hätten wir selber Geburtstag“, sagen die beiden mit einem Schmunzeln. Der Anlass: „Der Große Bauer“ wird heuer 50. Inzwischen ist der Joghurt das Markenzeichen der Privatmolkerei Bauer mit Hauptsitz in Wasserburg, obwohl das Unternehmen eigentlich aus der Käse-Wirtschaft kommt.

Uropa Franz Seraph Bauer gründete 1887 die Firma als „Bauerschweizer Käsewerk“. Heute, sagen Markus und Florian Bauer, würde der Joghurt 75 Prozent des Umsatzes ausmachen, der Käse spüle die weiteren 25 Prozent des Gewinns in die Kassen.

„250 Gramm sind fast
schon eine Mahlzeit“

Den Erfolg hat „Der Große Bauer“ vor allem Papa Ulrich Bauer, der ihn 1975 erfunden hat, zu verdanken. Damals war der Fruchtjoghurt eine „echte Errungenschaft“. Es sei der erste Joghurt gewesen, bei dem die Frucht schon hineingerührt und nicht als Schicht oben oder unten aufgelegt wurde. Zum Verkaufsschlager wurde der Joghurt auch wegen der Größe. „250 Gramm sind fast schon eine Mahlzeit. So etwas gab es davor ebenfalls noch nicht“, erzählt Florian Bauer. Der Name „Der Große Bauer“ komme daher auch eigentlich von den Kunden. Die Firma selbst habe den Joghurt ursprünglich nicht so benannt.

Inzwischen bietet die Privatmolkerei knapp über 40 Sorten des Joghurts an. Der beliebteste ist dabei nach wie vor Erdbeere. Damals wie heute sei zudem vor allem die Qualität ein wichtiger Faktor. „Unser Vater hat zu seiner Zeit immer gesagt: ‚Wir machen guten Joghurt zu einem vernünftigen Preis‘, das ist auch heute noch unser Anspruch“, so Markus Bauer. Nach wie vor werden neue Sorten, auch von den Bauer-Brüdern getestet, bevor sie auf den Markt kommen. „Es ist auch schon vorgekommen, dass wir sie davor nicht probiert haben. Das hat nicht so gut geklappt“, erzählt Markus Bauer mit einem Schmunzeln. Die Lieblingssorten der beiden sind übrigens Zitrone (Markus Bauer) und im Moment Birne, „wobei das bei mir immer wechselt“, wie Florian Bauer sagt.

Im Jahr 2007 haben die beiden Bauer-Brüder offiziell die Geschäftsführung des Familienunternehmens übernommen. Involviert in der Firma sind die beiden aber schon „seit der Geburt“, wie sie sagen. „Wir sind direkt neben dem Firmengelände aufgewachsen und hatten als Kinder praktisch den größten Kühlschrank der Welt vor der Tür“, erzählt Florian Bauer schmunzelnd. „Bei uns war Beruf und Familie nie wirklich voneinander zu trennen – das eine war immer auch das andere“, stimmt auch Markus Bauer zu. Schon als Kinder hätten die beiden den Betrieb erlebt. „Das hat uns geprägt und unseren Respekt vor der Leistung der Generationen vor uns gestärkt“, sagt er.

Nicht immer sind die beiden einer Meinung. „Das wäre auch nicht gesund“, sagt Markus Bauer. „Ich bin eher der Emotionale, der intuitiv das Für und Wider abwägt. Florian ist jemand, der die Dinge eher analytisch angeht. Da prallen dann manchmal schon zwei Meinungen aufeinander“, erzählt Markus Bauer. Dadurch würden sie sich aber auch „wunderbar“ ergänzen. „Und das Gute ist: Wir kennen uns schon unser ganzes Leben und dementsprechend gibt es eine sehr starke Vertrauensbasis“, setzt Florian Bauer hinzu.

2021 haben die beiden die Geschäftsführung an ein fünfköpfiges Expertenteam übergeben. Seitdem sitzen die beiden Bauer-Brüder Mitglieder im damals neu geschaffenen Aufsichtsrat. Ein Familienunternehmen möchten die Bauers in Zukunft aber trotzdem bleiben. Generation sechs ist zwar noch nicht offiziell mit im Boot, zeige aber durchaus Interesse an der Firma, so die Bauers.

1500 Mitarbeiter sind bei der Privatmolkerei aktuell angestellt, 600 davon am Standort in Wasserburg. Aktuell exportiert die Firma in 45 Länder, derzeit will Bauer den Markt in Dubai erobern. „Das Hauptgeschäft liegt aber immer noch im deutschsprachigen Raum“, sagt Florian Bauer. Auch die Produktion finde in Deutschland, hauptsächlich in Wasserburg, statt. Mit der Stadt sei das Unternehmen stark verbunden. „Unsere Wurzeln sind ein echter Anker – sie geben Stabilität und Identität“, erklärt Florian Bauer. Zudem stammen die Lieferanten von Milch und Frucht aus der Gegend. „Regionalität ist uns wichtig. Unsere Milcherzeuger kommen aus einem Umkreis von weniger als 100 Kilometern“, so Bauer.

Neue Halle
wird gebaut

In Wasserburg entsteht deshalb auch derzeit eine neue Halle für die Herstellung, vor allem pflanzliche Produkte. „Wir sind aber schon jetzt über unsere Lizenz-Marken einer der größten deutschen Hersteller von Soja-Joghurts“, so Florian Bauer. Die vegane Sparte möchte die Privatmolkerei aber aufgrund der hohen Nachfrage in Zukunft noch weiter ausbauen. Bis dahin wird aber erst einmal „Der Große Bauer“ gefeiert. Insbesondere, da der Joghurt pünktlich zum 50. Geburtstag auch wieder Marktführer in der Sparte „Fruchtjoghurt“ sei. „Das freut uns natürlich besonders“, sagt Florian Bauer. Am Samstag (24. Mai) gibt es dazu ein großes Mitarbeiterfest am Frühlingsfestplatz. Um kurz vor 22 Uhr ist zudem auch eine Lichtershow mit Drohnen geplant, die möglicherweise bis in die Altstadt zu sehen sein wird. Genaueres wissen auch die Bauer-Brüder nicht, denn zum Jubiläum des „Großen Bauer“ wollen sich die beiden selbst überraschen lassen.

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