Rechtmehring/Soyen/Albaching – Das Bankhaus RSA steht derzeit im Fokus. Nachdem der Platow-Brief, ein Informationsdienst für Wirtschaft, Kapitalmarkt und Politik, berichtet hatte, dass das Geldinstitut in „finanzielle Schieflage“ geraten sein soll, gibt es weitere Nachrichten: Vorstandsvorsitzender Alfred Pongratz ist von seinem Amt zurückgetreten. Der Aufsichtsrat habe diese Entscheidung in gegenseitigem Einvernehmen angenommen. Das teilte das Bankhaus RSA, mit Geschäftsstellen in Rechtmehring, Soyen, Albaching, Wasserburg und München in einer Presseerklärung mit.
Andreas Thalmeier
weist Vorwürfe zurück
Weiter hieß es in der Mitteilung: „Der Fokus liegt auf der vorausschauenden Modernisierung interner Strukturen und der gezielten Weiterentwicklung von Organisation und Führung – bei uneingeschränkter operativer Leistungsfähigkeit.“ Pongratz habe die Neuausrichtung des Hauses aktiv mitgestaltet und seinen Beitrag zu einem geordneten Übergang geleistet.
Andreas Thalmeier, der als Vorsitzender in einer Doppelspitze mit Pongratz fungiert hatte und nun die Geschäfte derzeit allein weiterführt, wies auf Anfrage der Redaktion die Vorwürfe über eine finanzielle Schieflage des Bankhauses RSA zurück. Dennoch wirft Pongratz‘ Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt Fragen auf.
Herr Thalmeier, was sind die genauen Gründe für Alfred Pongratz‘ Niederlegung seines Amtes im Mai 2025?
Herr Pongratz hat sein Amt als Vorstandsvorsitzender im Rahmen des strategischen Weiterentwicklungsprozesses des Bankhauses RSA eG niedergelegt. Der Schritt erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat. Ziel war es, unter den veränderten regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen eine zukunftsorientierte Neuaufstellung des Hauses zu ermöglichen. Dieser Schritt markiert einen wichtigen Teil eines geordneten Übergangs innerhalb der strategischen Neuausrichtung, die das Bankhaus seit Jahresbeginn verfolgt.
Warum wird der Vorstandsvorsitz erst im Mai 2025 niedergelegt, wenn der Prozess bereits seit Jahresbeginn läuft? Gab es hier eine längere Übergangsphase?
Die Entwicklung und Umsetzung einer strukturellen Neuausrichtung erfolgt stets schrittweise. Seit Jahresbeginn wurde in enger Abstimmung zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und weiteren Partnern der genossenschaftlichen Finanz-Gruppe ein strukturierter Übergang gestaltet. Die Amtsniederlegung im Mai stellt einen geplanten Meilenstein im Rahmen dieses Prozesses dar – auch mit Blick auf aufsichtsrechtliche Anforderungen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Bank möglich ist.
Inwiefern hat Herr Pongratz die Neuausrichtung „aktiv mitgestaltet“ und zu einem „geordneten Übergang“ beigetragen?
Herr Pongratz hat die Grundlagen für die strategische Weiterentwicklung der Bank mit geschaffen und diesen Prozess in der ersten Phase eng begleitet. Der Rückzug aus dem Amt erfolgte verantwortungsvoll und in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat – mit dem Ziel, einen planvollen Übergang zu ermöglichen, ohne operative Abläufe zu stören. Die Umsetzung des Veränderungsprozesses wird nun in einer zweiten Phase unter neuer Verantwortung fortgeführt.
Welche Auswirkungen haben dieser strategische Prozess und der Vorstandswechsel auf die Mitglieder und Kunden des Bankhauses RSA eG?
Unsere Mitglieder und Kunden können sich auf ein stabiles, leistungsfähiges Institut verlassen. Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt. Die strukturelle Weiterentwicklung ist darauf ausgerichtet, das Bankhaus langfristig erfolgreich und nah an der Region zu führen.
Bekommen Sie aufgrund der jüngsten Berichterstattung über die RSA- Bank viele Nachfragen?
Es gab einzelne Nachfragen, die wir transparent beantwortet haben. Unser Ziel ist es, sachlich zu informieren, einzuordnen und Verunsicherungen vorzubeugen – intern wie extern.
Sie feiern in diesem Jahr 125-jähriges Jubiläum. Wie sehr drückt die aktuelle Lage auf die Stimmung, auch bei den Mitarbeitern?
Unsere Mitarbeiter gehen die Herausforderungen dieser Zeit mit hoher Motivation und großem Verantwortungsbewusstsein an. Die gesamte Mannschaft arbeitet mit voller Unterstützung gemeinsam an der nachhaltigen Weiterentwicklung des Hauses – getragen von einem klaren Zukunftsbild, das wir mit Aufsichtsrat und Partnern eng abstimmen. Am 14. Juni 2025 feiern wir die Einweihung unserer neuen Filiale in Albaching mit einem Tag der offenen Tür. Zudem unterstützen wir das dort stattfindende regionale Bier- und Weinfest, das von örtlichen Vereinen organisiert wird. Als Bank engagieren wir uns damit auch im Jubiläumsjahr bewusst in und für die Region – nah bei unseren Mitgliedern und Kundinnen und Kunden.
Wer wird Ihnen als weiteres Vorstandsmitglied zur Seite stehen? Wann wird die Nachbesetzung bekannt gegeben?
Die Besetzung des Vorstandsgremiums wird derzeit in einem Auswahlprozess gemeinsam mit dem Aufsichtsrat vorbereitet. Dieser erfolgt auf Basis eines klaren Anforderungsprofils und unter Berücksichtigung aller aufsichtsrechtlichen Vorgaben. Die operative Führung des Hauses ist gesichert. Die konkrete Nachbesetzung wird bekannt gegeben, sobald alle erforderlichen Abstimmungen – auch mit den zuständigen Aufsichtsbehörden – abgeschlossen sind.
Wie wird die zukünftige Führungsstruktur genau aussehen? Bleibt es bei einem Zweier-Vorstand, oder ist eine andere Konstellation geplant?
Für ein Haus unserer Größenordnung hat sich ein Zweiergremium bewährt – diese Struktur bildet daher den derzeitigen Zielrahmen. Die finale Ausgestaltung liegt in der Verantwortung der zuständigen Gremien und erfolgt unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen und strategischer Entwicklungsperspektiven. Ziel ist eine stabile, zukunftsgerichtete Führungsstruktur mit hoher Anschlussfähigkeit an den eingeschlagenen strategischen Kurs.