„Auf dem Markt ist nicht mehr genügend Arbeit da“

von Redaktion

Bau-Innung schlägt auf Hauptversammlung Alarm – Hoffnung auf das kommende Jahr – Würdigung für 30-jährige Arbeit von Thomas Schmid

Neukirchen – In stürmischer See befinden sich die Betriebe der Bau-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land im Umfeld einer bundesweit schwachen Baukonjunktur, steigender Baupreise, hoher Zinsen und dem Streichen von wichtigen Förderprogrammen. Kürzlich fand die Hauptversammlung der 78 Mitgliedsbetriebe in Neukirchen statt.

In der Rückschau auf das vergangene Jahr blickte Innungs-Obermeister Thomas Maier auf die Bausumme in Höhe 270 Millionen Euro bei einer Lohnsumme von 52 Millionen Euro. „Das ist immer noch eine stolze Summe“, wies er auf die Bedeutung der Bauwirtschaft in der Region hin. Gleichzeitig machte er deutlich, dass auch im laufenden Jahr mit einem prognostizierten Rückgang von bis zu 0,5 Prozent nicht mit einer signifikanten Besserung zu rechnen sei. Es herrsche ein harter Preiskampf bei gleichzeitig deutlichen Preisrückgängen, die teilweise nicht mehr kostendeckend seien. „Auf dem Markt ist nicht mehr genügend Arbeit da“, schlug er Alarm.

Stark nachgefragte und nunmehr leere Fördertöpfe im Bereich des Holzbaus seien auch eine Chance für den Massivbau, ergänzte der Obermeister, der hinzufügte, dass der Holzbau nicht „das Problem und das Feindbild“ des Massivbaus sei. Er monierte eine fehlende Baustoffneutralität und ideologische Entscheidungen und prangerte fehlendes Fachwissen bei den verantwortlichen politischen Akteuren an.

Maier machte deutlich, dass die Einnahmen der Innung aufgrund des zunehmenden Mitgliederrückganges weniger werden. Gleichzeitig nehme die Bedeutung der Innung zu, was nicht zuletzt auch in den zunehmenden bürokratischen Anforderungen begründet sei.

Die Innung hat sich im Berichtsjahr bei einer Reihe von öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie beispielsweise einer Kinderbuchübergabe in der Sonnenschule in Sankt Georgen, der Freisprechungsfeier und der Berufsinformationsmesse (BIM) in Traunstein präsentiert. Bei Letzterer wolle man in der Zeit vom 30. September bis 2. Oktober in diesem Jahr wieder präsent sein und um Lehrlinge werben. Durch einen Innungsausflug ins französische Straßburg sei das gute Miteinander unter den Firmeninhabern gestärkt worden.

Lehrlingswart Andreas Di-Qual blickte auf die Ausbildungszahlen zurück: 35 Teilnehmer nahmen an der Zwischenprüfung des vergangenen Jahres teil, 28 waren es bei der Gesellenprüfung. Er bedankte sich bei den Mitwirkenden, die zum Gelingen der Prüfungen mitgewirkt hätten. Es bestehe eine gute Zusammenarbeit. Aktuell lernen bei leichtem Rückgang 96 Auszubildende in den drei Lehrjahren die Bauberufe. „Wir müssen wieder mehr Jugendliche für unser Gewerk gewinnen. Das ist der schönste Beruf der Welt.“

Die Geschäftsstellenleiterin der Kreishandwerkerschaft (Kreiha), Manuela Deneri, stellte eine veränderte Satzung vor, die auch handwerksähnlichem Gewerbe, für das keine Ausbildungsordnung erlassen worden ist, den Weg in die Innung öffnet. Diese fand die einstimmige Zustimmung der anwesenden Mitglieder.

Kassenwart Ludwig Kaiser stellte die Jahresrechnung 2024 vor, die ein ausgeglichenes Ergebnis präsentierte. Dem Votum der Rechnungsprüfer Ferdinand Brandl, Andreas Graßl und Robert Sax folgend, wurden der Kassier und die Vorstandschaft entlastet sowie das Zahlenwerk ohne Gegenstimme verabschiedet, was auch für den Haushalt 2025 galt. Auch die vorgestellten Zahlen für die beiden Jahre für das Berufsförderungswerk des Baugewerbes erhielten die Zustimmung der Mitglieder.

Thomas Schmid, Oberbayern-Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Bau-Innungen, der für sein 30-jähriges Wirken von Obermeister Maier gewürdigt wurde, führte abschließend aus: „Die Talsohle ist durchschritten, 2026 wird besser werden.“ So konnte er für die geplagte Branche doch noch einen Hoffnungsschimmer verbreiten.wz

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