Per Software zu glücklichen Mitarbeitern

von Redaktion

Ein gutes Arbeitsklima ist für viele Firmen gerade in Zeiten des Fachkräftemangels entscheidend. Ein Rosenheimer Start-up verspricht, die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit einer Software dauerhaft zu verbessern. Was dahintersteckt und ob die Idee wirklich funktioniert.

Rosenheim – Eine funktionierende Kaffeemaschine, flexible Arbeitszeiten oder eine gute Stimmung im eigenen Team – die Anforderungen an den eigenen Arbeitsplatz sind vielfältig geworden. „Die meisten scheitern jedoch an fehlender oder nicht zielführender Kommunikation“, meint Anna Maria Kurz, Gründerin der Firma Kibun. Und genau hier setzt Kurz mit ihrem Team an. Die Idee: „Wir wollen mit unserer Software dabei helfen, die wahren Probleme in Organisationen zu erkennen, um sie somit besser lösen zu können.“

Kleines Rad
im Getriebe

Die Unternehmerin spricht dabei aus eigener Erfahrung. Vor ihrem Masterstudium in Entrepreneurship und Innovation in Bozen arbeitete sie rund eineinhalb Jahre für ein großes Unternehmen im Produktmanagement. „Da habe ich schnell gemerkt, wie ich nicht arbeiten will“, berichtet Kurz. Sie fühlte sich dort wie ein kleines Rad, das im großen Getriebe zu funktionieren hatte, und merkte, dass sie daran etwas verändern wollte. Im abschließenden Semester des Studiums war es ihre Aufgabe, in der Theorie eine Firma zu gründen. Das hat Kurz dann auch gemacht – allerdings in der Praxis. 2019 noch ein Bozener Uniprojekt, ist Kibun heute ein Start-up im Rosenheimer Stellwerk 18, dem Gründernetzwerk der Region. 

Die Stimmung sichtbar machen

Doch wie genau soll ein Programm nun das Arbeitsklima verbessern? „Das kann man sich vorstellen wie einen Fitness-Tracker für Unternehmen“, erklärt die Gründerin. Das bedeutet, dass die Daten nicht nur einmal, sondern in regelmäßigen Zyklen erhoben und ausgewertet werden. Zum Start gibt es dafür jede Woche eine kurze Umfrage unter allen Mitarbeitern, die per SMS oder E-Mail versendet wird. 

Aus einem Katalog von 80 Fragen werden in der ersten Phase jede Woche fünf davon gestellt, somit dauert die Umfrage circa eine Minute. Die erste Frage nach der allgemeinen Zufriedenheit ist dabei immer gleich.

„Damit können wir kontinuierlich die Stimmung sichtbar machen“, sagt Kurz. Die restlichen Fragen beziehen sich auf unterschiedliche Schwerpunkte, die je nach Branche variieren und für Unternehmen ergänzend personalisiert werden können. 

Nach 16 Wochen ist die erste Phase beendet und die Führungskräfte haben die Gelegenheit, mit den Rückmeldungen zu arbeiten und wirklich in die Umsetzung zu gehen. Nach weiteren vier Monaten gibt es die nächste Fragerunde, in der sich ablesen lässt, ob sich etwas verbessert hat. Auch hier gibt es dann wieder Zeit für das Management, darauf zu reagieren und so beginnt der Zyklus von Neuem.  

Unternehmen werden von Kibun begleitet

Mitarbeiter und Geschäftsführer bekommen während des gesamten Prozesses Hilfe von Kibun. „Unser Kernteam besteht aus vier Leuten. Aber wir haben ein internationales Netzwerk von rund 55 Coaches, die die Unternehmen bei der Umsetzung individuell begleiten”, erklärt Kurz. 

Das Konzept scheint zu funktionieren. So bestätigen beispielsweise der Käse-Hersteller Alpenhain, der Fahrradhändler Lucky Bike oder die Supermarktkette Edeka Südbayern, dass „die Unternehmenskultur dadurch nachhaltig verbessert wurde“.

Fälle, in denen das System nicht so gut funktioniert, gibt es jedoch auch, wie die Gründerin offen zugibt. „Es braucht vor allem eine Veränderungsbereitschaft der Unternehmer. Wer das nicht mitbringt, wird auch mit unserer Software keinen Erfolg haben“, meint sie. Aber auch die Hilfe der Mitarbeiter ist entscheidend. „Im Schnitt erreichen wir 60 bis 70 Prozent“, sagt Kurz. 

Im Moment arbeitet Kibun mit 40 Unternehmen zusammen und wird über ein Lizenzmodell finanziert. „Daher variiert der Preis je nach Anzahl der Mitarbeiter und der unterschiedlichen Anforderungen, liegt aber bei wenigen Euro – man könnte sagen bei einem Cappuccino – pro Mitarbeiter im Monat“, meint die Gründerin. 

System soll auch an Schulen funktionieren

Sie und ihr Team wollen die Idee in Rosenheim nun weiterentwickeln. „Es gibt natürlich immer Möglichkeiten, die Software zu verbessern”, sagt Kurz. Aber auch außerhalb von Unternehmen wird Kibun mittlerweile aktiv.

So wird das Programm beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung und an Schulen integriert, um auch dort die Kommunikation von Schulleitung und Lehrkräften für ein besseres Umfeld für Schüler und Eltern zu verbessern. „Auch da gibt es noch so viel Potenzial“, meint Kurz.

Artikel 7 von 8