Mühldorf – Passau, Mühldorf und Rosenheim verbindet manches, auch wenn zwischen den Städten gut 150 Kilometer liegen. Da ist zum einen der Inn, der in Passau in die Donau mündet, da ist zum anderen der Oberpfälzer Großhändler für Kfz-Teile Küblbeck aus Weiden. Der hat sowohl in Passau (seit 2009) als auch in Mühldorf (seit 2002) und Rosenheim (seit 2004) eine Niederlassung.
Doch mit einer dieser Gemeinsamkeiten ist es in wenigen Wochen vorbei: Ende Mai hat Küblbeck nämlich allen Mitarbeitern seiner Passauer Niederlassung gekündigt, wie die Lokalredaktion der Passauer Neue Presse (PNP) berichtet. Für den Großteil der rund 20 Mitarbeiter ist der 30. Juni der letzte Arbeitstag; für die Altgedienten ist am 30. November Schluss.
„Jetzt bricht
alles zusammen“
Nach Angaben der PNP kam die Kündigung für die Passauer „aus heiterem Himmel“. Ein Mitarbeiter wird mit den Worten zitiert: „Wir sind total fertig, jetzt bricht alles zusammen.“
Rund 20 Mitarbeiter, so viele hat Küblbeck in etwa auch in Mühldorf. Genauer konnte es Geschäftsführer Julian Küblbeck gegenüber den OVB-Heimatzeitungen am Telefon nicht angeben. Die Niederlassung liegt in Mühldorf Süd in der Donaustraße.
Müssen nach den Entlassungen in Passau jetzt auch die Mühldorfer oder Rosenheimer um ihren Job bangen? „Nein“, betont Küblbeck. „Hier sind keine Änderungen geplant.“
Die Mitarbeiter brauchen also keine Angst zu haben? „Ja. Ich war diese Woche in Mühldorf. Ich habe mit allen gesprochen und klar gemacht, dass wir keine Veränderungen planen.“ Dasselbe gilt laut Küblbeck auch für Rosenheim.
Über 400 Mitarbeiter an zwölf Standorten
Zu den Hintergründen für die Entlassungen in Passau und den Unterschieden zu Mühldorf wollte sich Küblbeck nicht näher äußern. Das sei eine „normale Entscheidung“ im Geschäftsleben gewesen. „So wie man mal eine Filiale eröffnet, schließt man mal eine.“
Gerade in der Logistik verändere sich vieles, könnten Kunden auch anderweitig bedient werden, deutet Küblbeck an. Dann sei es eine Abwägung. „Das ist das Normalste auf der Welt, dass mal eine Niederlassung geschlossen und eine andere geöffnet wird“, wiederholt er und deutet im Gegenzug Ausbaupläne für den Standort Cham an. Am Telefon wollte er das aber nicht näher ausführen.
Küblbeck ist nach eigenen Angaben einer der führenden Großhändler für Kraftfahrzeugteile und Werkstattausrüstung in Bayern, Österreich und Tschechien. Mit mehr als 400 Mitarbeitern an zwölf Standorten beliefert das Unternehmen seine Partner „bis zu viermal täglich“ mit Ersatzteilen des freien Kfz-Aftermarktes sowie mit Originalteilen von fast allen Herstellern.
Die Geschichte des Familienunternehmens reicht 100 Jahre zurück. Sie begann 1925 in Karlsbad als Auto-Reparaturwerkstätte, Zylinderschleiferei, Zimmer- und Garagenvermietung an Chauffeure und Kurgäste. 1926 waren Josef und Theobald Küblbeck Bosch-Vertragshändler im damaligen Sudetenland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete Theobald Küblbeck 1948 in Weiden einen Kraftfahrzeugteilehandel und einen Einzelhandel mit Elektrogeräten. Seitdem wuchs das Unternehmen und übernahm zahlreiche Bosch-Großhändler – unter anderem 2002 in Mühldorf und 2004 in Rosenheim. Seit 2013 ist Julian Küblbeck in vierter Generation in dem Familienunternehmen. Vor vier Jahren übernahm Küblbeck eine Niederlassung in Innsbruck und bedient von dort aus Tirol sowie Südtirol. Jörg Eschenfelder