Anger – 38 Mitgliedsbetriebe hat die Bäcker-Innung Berchtesgadener Land-Traunstein aktuell und hat damit gegenüber dem vergangenen Jahr (41 Betriebe zum 31. Dezember 2024) einen weiteren Rückgang zu verzeichnen. 47 junge Menschen lernen derzeit den Beruf des Bäckers oder des Bäckereifachverkäufers.
Bei der Jahreshauptversammlung der Innung in Anger berichtete Obermeister Stefan Neumeier jüngst von einer „branchenfreundlichen Politik“ der neuen Bundesregierung, in der sich Themen wie Bürokratieabbau, Abschaffung der Bonpflicht für Kleinbeträge oder die ermäßigte Mehrwertsteuer im Café wiederfinden.
Gesetzliche Regelung
„überfällig“
Neumeier stellte jedoch gleichzeitig die Forderung, den Begriff „Bäcker“ zu schützen: „Die Verbraucher müssen Handwerksbäcker klar von Backshops und Tankstellen unterscheiden können. Die Begriffe ‚Bäcker‘ und ‚Bäckerei‘ dürfen nicht von Anbietern verwendet werden, die lediglich Industrieware aufbacken“, so Neumeier. Eine gesetzliche Regelung hierzu sei überfällig, um echte Handwerksqualität zu schützen und unlauteren Wettbewerb zu verhindern. „Wo ‚Bäcker‘ oder ‚Bäckerei‘ draufsteht, muss auch echtes Handwerk drin sein!“, forderte der Obermeister.
Er ging auf eine Reihe von Aktivitäten der Innung ein. So wurde erstmalig eine Stollenprüfung am Traunsteiner Christkindlmarkt durchgeführt, bei denen sich auch die Besucher als Koster und „Bewerter“ beteiligen konnten. Die Stollenprüfung stieß auf gute Resonanz der Marktbesucher. Auch die Resultate der Brotprüfung, die in beiden Landkreisen stattfand, seien sehr gut gewesen, berichtete Neumeier.
Seit 2015 ist die seinerzeit aus den beiden Innungen Berchtesgadener Land und Traunstein fusionierte Innung geschäftsführend von der Bäcker- und Konditoren-Einkauf Bad Reichenhall eG (BÄKO) geleitet worden. Nach dortigen Unregelmäßigkeiten im Jahr 2024, die der Obermeister als „Super-Gau“ bezeichnete, sei klar gewesen, dass man auch für die Innung eine neue Geschäftsführung brauche. Diese habe man nun in der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land (Kreiha) gefunden.
Bäckermeister Klaus Schneider wies auf das langfristige Schrumpfen des Bäckerhandwerks hin: Bayernweit gebe es nur noch 1700 Betriebe, die sich in 50 Innungen organisierten.
Von Dagmar Sinzinger von der künftig wieder geschäftsführenden Kreiha wurden die Einnahmen-Überschussrechnungen für 2023 und 2024 vorgetragen. Diese hängen indirekt in Teilen auch an den Zahlen der BÄKO, die ihre Zahlen des Jahres 2023 in einer teils turbulenten Generalversammlung verabschiedet hatte. Dennoch betritt auch die neue Geschäftsführung Kreiha „dünnes Eis“, was die vorhandenen Unterlagen aus der Vergangenheit anbelangt. „Davon ausgehend, dass die vorliegenden Zahlen stimmig sind, bitten wir um Zustimmung“, sagte Kreiha-Geschäftsstellenleiterin Manuela Deneri vorsichtig. Dem wurde nach kurzer Diskussion von den anwesenden Mitgliedern zustimmend Folge geleistet. Die vorgelegten Zahlen wurden nach dem positiven Testat der beiden Rechnungsprüfer Josef Deisenseer und Stefan Oswald ebenso einstimmig verabschiedet wie auch der Haushaltsplan des laufenden Jahres.
Strategien, um
Schüler anzusprechen
Neuwahlen standen nur beim Rechnungsprüfungsausschuss an. Das Ehrenamt ging ohne Gegenstimme an die beiden Bäckermeister Josef Deisenseer und neu an Andreas Zechmeister.
Das Thema „Strategien zur Nachwuchsgewinnung“ stand auf der Agenda von Werbewart Andreas Neumeier und Kreiha-Geschäftsstellenleiterin Deneri. Letztere berichtete von der letztjährigen Berufsinformationsmesse (BIM). Das Bäckerhandwerk sei hier schon von Anfang an dabei, Schüler könnten sich zum Beispiel beim Brezendrehen praktisch im Handwerk versuchen. Fast 1400 Schüler hätten dem Konzept im vergangenen Jahr recht gegeben. Die BIM wolle man daher auch im kommenden Jahr Ende September durchführen. Schon jetzt gibt es demnach eine hohe Anzahl an Anmeldungen von Schulklassen.
Studiendirektor Hubert Gstettner, Fachbetreuer im Bereich Ernährung und Gastronomie an der Staatlichen Berufsschule I Traunstein, wies auf die Herausforderung hin, die in der Ausbildung von ausländischen Berufsschülern besteht. So seien fehlende Deutschkenntnisse doch oft eine hohe Hürde für einen erfolgreichen Schulbetrieb und das Erlernen einer Ausbildung. Gstettner betonte, dass die technologischen Herausforderungen in Zeiten der künstlichen Intelligenz (KI) große Veränderungen brächten. Das gelte gerade auch für junge Menschen. Diesen Veränderungen müssten sich die Schulen wie auch das Handwerk gleichermaßen stellen. Andreas Wittenzellner