Stromnetz in Haag neu geregelt

von Redaktion

Wurden die Kraftwerke Haag (KWH) von den Bayernwerken übernommen? Was zumindest beim Haager Starkbierfest für Lacher sorgte, führt bei manchen weiterhin zu Verwirrung. Wer wen übernommen hat, was das für die Stromkunden im Haager Land bedeutet und welche Firma wofür zuständig ist.

Haag/Soyen – „Die Bayernwerke haben sich erbarmt und das marode Netz der Kraftwerke Haag gekauft. Sogar Äthiopien hat Entwicklungshilfe angeboten, weil die Strom-Infrastruktur in Haag so schlecht ist“: Diese Aussage des Fastenredners Florian Haas sorgte bei den Gästen des Haager Starkbierfest in Grandls Hofcafé für viele Lacher. Selbst Fabian Herl, seit Anfang des Jahres einer der beiden Geschäftsführer der Kraftwerke Haag, musste dabei schmunzeln.

Kundenanfragen
zur Übernahme

Doch ganz so einfach scheint es nicht zu sein. Immer wieder erreichen die beiden Geschäftsführer, Fabian Herl und Johann Brand, Kundenfragen zur Übernahme der Kraftwerke Haag.

Es stimmt: Seit Januar hat die Bayernwerk Netz GmbH den gesamten Betrieb des Stromverteilnetzes von der KWH Netz GmbH übernommen. Die KWH Netz GmbH wiederum war bis 2023 eine Schwestergesellschaft der Kraftwerke Haag GmbH, bei der Johann Brand ebenfalls Vorsitzender ist.

Festzustellen bleibt: Die Kraftwerke Haag GmbH beliefert als Vertriebsgesellschaft weiterhin die Stromkunden. Diese ist der Grundversorger in der Region. Im Endeffekt ändert sich für den Stromverbraucher also nichts, heißt es auf Anfrage. Wer einen neuen Stromliefervertrag abschließen möchte oder Fragen zur Stromrechnung habe, könne sich weiterhin an die Kraftwerke Haag wenden. Die Bayernwerk Netz GmbH würde sich als Netzbetreiber um die Infrastruktur und den Betrieb des Stromnetzes kümmern, wie beispielsweise Hausanschlüsse oder Störungen.

Rund 15000 Kunden betreuen die Kraftwerke Haag. Sie kommen vorwiegend aus der Region, erklärt Herl. Strom sei das Kerngeschäft des Unternehmens, als Energieversorger will sich das Unternehmen aber „möglichst breit“ aufstellen. So seien Photovoltaikanlagen für Privathaushalte oder Freiflächenanlagen sowie Batteriespeicher ein weiterer Schwerpunkt, den das Haager Unternehmen mit seinen rund 20 Mitarbeitenden ausweiten will. Zudem sind die Kraftwerke Haag dabei, Ladesäulen für E-Autos zu installieren, beispielsweise in Soyen. Ein großes Dilemma dabei seien die Tankkarten für diese Fahrzeuge: „Sie funktionieren nicht überall, es gibt unterschiedliche Preise an verschiedenen Ladesäulen. Ein großes Problem für die Nutzer“, weiß Herl. Als Lösung würden die Kraftwerke Haag eine Ladekarte anbieten, die den Zugang zu rund 390000 Ladepunkten in ganz Europa ermögliche. Die Herausforderung der Energiewende nehme das Unternehmen an. „Es ist der richtige Weg in eine gute Zukunft“, erklärt Herl.

Seit über 30 Jahren
Werksleiter

Einen Beitrag dazu leistet das Wasserwerk in Vorderleiten bei Soyen. Dieses Kraftwerk ist der Ursprung der Unternehmensgruppe Kraftwerke Haag. Bei der Begehung des Betriebs fällt gleich das große Fallrohr auf, „50 Meter lang und einen Durchmesser von eineinhalb Metern“, sagt Lorenz Wieser, Verantwortlicher für die Anlage.

Das Werk bezieht das Wasser vom Soyener See, der oberhalb davon liegt. Das Gewässer ist Speicher- und Badesee zugleich. Das Wasser gelange über einen 2,2 Kilometer langen Stollen in 60 Meter Tiefe unter Soyen hindurch zum Kraftwerk, erklärt der Hausherr. Den Höhenunterschied von rund 50 Metern überwindet das Fallrohr.

Wasserwerk wurde
bereits 1922 erbaut

Erbaut wurde das Wasserwerk bereits 1922. Um das Wasser aus dem Soyensee nutzen zu können, wurde damals ein künstlicher Zufluss, der Nasenbach, mittels eines Wehres in das Gewässer umgeleitet. Ein natürlicher Zufluss bestand aber bereits, der Fischbach, erklärt Wieser. 1993 gab es eine grundlegende Sanierung und vor Kurzem wurde es erneut modernisiert. „Früher war das ein Drei-Schicht-Betrieb, das ist vorbei. Mittlerweile läuft alles automatisch“, erklärt der Leiter. Die drei „historischen“ Turbinen, wie Wieser sie bezeichnet, sind aber immer noch dieselben, wie beim Einbau vor über hundert Jahren.

Wieser hat mit 19 Jahren Landmaschinenmechaniker gelernt und ist seit 1993 Werksmeister im Betrieb. Rund 180 Quadratmeter groß ist sein Revier. An der einen Seite im Werk sind Schalttafeln, in der Mitte des Raums die großen Turbinen. An einer Seite der Wand ist eine Tafel angebracht, die erklärt, wie das Soyenseewerk damals entstanden ist. Auch Herl zeigt sich begeistert von dem Wasserwerk. „Es ist erstaunlich, dass schon vor über hundert Jahren jemand auf die Idee gekommen ist, die Kraft des Wassers für Stromerzeugung zu nutzen“, sagt der Geschäftsführer.

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