Nußdorf – Zölle, Gegenzölle und die zeitweise Aussetzung von Zöllen: Das von außen oft unberechenbar erscheinende Handeln von US-Präsident Donald Trump beschäftigt auch Wirtschaftsführer in der Region. Wie die aktuelle US-Wirtschaftspolitik einzuschätzen ist, darüber diskutierten Mitglieder des IHK-Regionalausschusses Traunstein vor Kurzem bei einem Treffen in den Räumen von KLVrent in Nußdorf, einem Tochterunternehmen der Eberl-Gruppe.
Als Experte informierte Christoph Angerbauer, Bereichsleiter für Außenwirtschaft bei der IHK für München und Oberbayern, aus erster Hand. Er war jüngst mit einer Delegation der Deutschen Industrie- und Handelskammer in der US-Hauptstadt gewesen und hatte sich mit US-Wirtschaftsexperten ausgetauscht. Mit 28,9 Milliarden Euro seien die USA für Bayern der Exportmarkt Nummer eins, sagte Angerbauer. Das entspricht einem Anteil von 12,8 Prozent der Gesamtbilanz. Umgekehrt importiert die bayerische Wirtschaft Waren im Wert von 12,8 Milliarden Euro aus den USA, was Rang sechs entspricht. Angerbauer machte deutlich, dass Trump in seiner zweiten Wahlperiode professioneller aufgestellt sei als in seiner ersten Amtszeit. Durch die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses könne der US-Präsident aktuell mit seinen stakkatoartig erlassenen „executive orders“ durchregieren. Spätestens bis zu den Halbzeitwahlen im Herbst 2026 solle vieles durchgebracht werden.
Nach den Worten des Außenhandelsexperten werden „Unsicherheit und Instabilität noch die nächsten drei Jahre beherrschen“. Neben der Stärkung der USA als Wirtschaftsstandort seien der unerbittliche Kampf gegen Chinas technologischen Fortschritt und der Wiederaufbau militärischer Produktionskapazitäten aktuell prägende Faktoren der US-Politik. Dies zeige sich etwa in massiven Gebührenerhöhungen gegen Containerschiffe aus China, die US-Häfen anlaufen wollen. China dominiert aktuell die globale Schiffbauindustrie.
In der Diskussion berichteten Unternehmer aus dem Landkreis, dass die wankelmütige Zollpolitik die Zusammenarbeit mit US-Firmen „massiv erschwere“, etwa durch unkalkulierbare Mehrkosten für Maschinenbauer und Hersteller von Spezialmaschinen. Angerbauer riet, mit „den amerikanischen Handelspartnern im Gespräch zu bleiben“, die Verträge dahingehend zu prüfen, wer anfallende Zölle zu tragen habe und die Geschäftspartner aufzufordern, über die Negativfolgen auch die dortigen Abgeordneten zu informieren.
So habe BMW als größter Autoexporteur der USA etwa seine Verkäufer für Gegenaktionen mit ins Boot geholt. Der massive Mitarbeiterabbau bei den US-Zollbehörden und erste Gerichtsverfahren wegen ungerechtfertigter Zölle verstärkten den Eindruck „unkontrollierter Verhältnisse“. Den Unternehmern gab Angerbauer mit auf den Weg, „sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten“.
IHK-Gremiumsvorsitzender Nikolaus Binder riet, dass Europa und Deutschland seine Hausaufgaben machen müssen. Durch die Lösung bürokratischer Schrauben und die Erleichterung von Investitionen könne man Verluste durch US-Strafzölle „bei Weitem ausgleichen“. Axel Effner