Region wird Wasserstoff-Knotenpunkt

von Redaktion

Das Chemiedreieck wird Teil des europäischen Wasserstoff-Kernnetzes – und das schon bald. Bereits 2026 sollen bestehende Erdgasleitungen in Burgkirchen, Burghausen und Haiming Wasserstoff transportieren können. Bei einem Informationsabend konnten Bürger nun mehr über das Projekt erfahren.

Burghausen – Mit dem Projekt „HyPipe One“ will die bayernets GmbH Wasserstoff direkt ins Chemiedreieck liefern. Damit dies künftig möglich ist, sollen bestehende Erdgasleitungen zwischen Gendorf, Burghausen und Haiming technisch auf Wasserstoff umgestellt werden. Das ambitionierte Infrastrukturvorhaben, das Teil des europäischen Wasserstoff-Kernnetzes ist, wurde kürzlich bei einer Veranstaltung im Burghauser Bürgerhaus vorgestellt. Rund 70 Besucher informierten sich dort über Baupläne, Zeitrahmen und Sicherheitsmaßnahmen.

Burghausen als Schlüsselstandort

Das Projekt „HyPipe One“ ist Teil eines weitaus größeren Plans, nämlich dem Aufbau eines europaweiten Wasserstoff-Kernnetzes. Das Projekt wurde deswegen von der Europäischen Kommission als Vorhaben von gemeinsamem Interesse (PCI) eingestuft. Ziel ist es, Wasserstofferzeugung und -bedarf über Ländergrenzen hinweg zu verbinden und so die Versorgungssicherheit, Klimaneutralität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu stärken.

Dass der Startschuss ausgerechnet im Raum Burghausen fällt, ist kein Zufall: Das Chemiedreieck zählt zu den größten industriellen Verbrauchszentren Europas – mit enormem Energiebedarf und zugleich einem hohen Potenzial für zukünftige Wasserstoffnutzung. Zudem hat die Region den Vorteil, dass über Österreich zwei Importleitungen aus Italien und der Ukraine nach Deutschland führen.

„Burghausen ist prädestiniert für die Vernetzung von Standorten“, so der Projektentwickler, Jonas Heideker. „Wir sind in sehr engem Kontakt mit der RAG Austria und es gibt Pläne für Wasserstoffspeicher in Oberösterreich.“ Wer den Wasserstoff liefere, sei jedoch noch offen. „Wir versuchen, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen und vermarkten nur die Kapazitäten“, so Heideker. „Wir sind aber guter Dinge wegen der ansässigen Player in der Chemieindustrie.“

Umrüstung
statt Neubau

Konkret betrifft das Projekt die Erdgasleitungen Gendorf-Burghausen (GB24, Baujahr 1985) und Burghausen-Lengthal (BL86, Baujahr 1996/2000), die künftig den Transport von Wasserstoff mit bis zu 95 bar ermöglichen sollen. „Wir haben die Leitungen umfangreich geprüft“, erklärte Maren Raubenheimer, Leiterin der Planungs- und Bauabteilung. Wo nötig, würden Mess- und Regeltechnik ausgetauscht, um die Sicherheit zu gewährleisten. Die Umstellung sei „technisch anspruchsvoll, aber machbar“, erklärte Raubenheimer weiter.

Zahlreiche Maßnahmen sind dafür vorgesehen: In Burgkirchen etwa wird eine bestehende Leitung getrennt und teilweise umgerüstet, in Burghausen sollen zwei neue Verbindungsleitungen im Bereich Lengthal gebaut werden. In Haiming ist eine 150 Meter lange Leitung zur Verdichterstation geplant. Ergänzt wird das Ganze durch eine Erweiterung des Stationsgeländes in Lengthal. Schon ab dem zweiten Halbjahr 2025 sollen die Baustellen eingerichtet und bereits im ersten Quartal 2026 mit dem Bau begonnen werden. Dieser soll bereits Ende des Jahres fertiggestellt werden.

Strenge Sicherheitsprüfungen

Eines der zentralen Anliegen der Anwesenden war die Sicherheitsfrage. Wasserstoff gilt als hochreaktiv – doch laut dem Unternehmenssprecher Dirk Barz besteht kein Grund zur Sorge: „Wir betreiben seit Jahrzehnten Gashochdruckleitungen im höchsten Sicherheitsstandard und Wasserstoff ist ein Gas wie jedes andere.“ Alle Leitungen werden ihm zufolge durch Gutachten überprüft und sogenannte Molchungen zur Innenkontrolle durchgeführt. Auch die EU-Vertreterin Simona Rems versicherte: „Diese Infrastruktur ist bereits heute kritisch und unterliegt höchsten Sicherheitsanforderungen.“ Zudem sei keine Ortung der Leitungen per GPS möglich – ein Aspekt, der das Risiko gezielter Sabotage senke.

Haushalte derzeit nicht im Fokus

Eine weitere Frage aus dem Publikum betraf die Wasserstoff-Beimischung: „Wir transportieren 100 Prozent Wasserstoff – keine Mischung“, stellten die Projektverantwortlichen klar. Dies sei eine bewusste, strategische Entscheidung. Auch Haushalte könnten theoretisch angeschlossen werden, jedoch seien aktuell industrielle Großverbraucher im Fokus. Auch das Zusammenspiel mit anderen Energieformen wie Biogas war Thema. Laut Maren Raubenheimer ist man offen, jedoch müsse jeweils geprüft werden, welche Energieform Vorrang habe. Biogas könne im Methan-Netz bleiben, dürfe den Wasserstoffhochlauf aber nicht behindern. „Wir sind grundsätzlich offen, haben als Fernleitungsnetzbetreiber aber eine Transportaufgabe zu erfüllen und müssen herausfinden, wer rechtlich Vorrang hat.“ Anfragen könnten an das Unternehmen gerichtet werden.

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