Burgkirchen – Im Bürgerzentrum Burgkirchen fand jüngst ein Sommergespräch vor rund 50 Besuchern zum Thema Chemiepark Gendorf statt. Das Thema: „Wie sicher sind die Arbeitsplätze?“ Moderator und SPD-Bürgermeisterkandidat Stefan Bonauer konnte spannende und hochrangige Gäste für die Diskussionsrunde an Land ziehen.
Starke Rezession in
der Chemie-Branche
Mit kurzen Eröffnungsstatements startete die Debatte, wobei Dr. Markus Born, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes Bayern der Chemischen Industrie, die Probleme gleich deutlich offenlegte: „Wir haben eine starke Rezession in der Chemie und finden uns auf dem Niveau der 90er-Jahre wieder. Grund hierfür ist, dass wir in den vergangenen Jahren energiepolitisch in die falsche Richtung gelaufen sind. Allerdings macht die neue Bundesregierung Hoffnung auf Besserung.“
Staatssekretärin Dr. Bärbel Kofler brachte es noch deutlicher auf den Punkt: „Chemie war, ist und wird immer wichtig sein. Vor allem im Chemie-Dreieck, welches mir sehr am Herzen liegt.“ Laut Jürgen Fernengel, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD Oberbayern, hat der Chemiepark Gendorf nach wie vor eine hohe Anziehungskraft und sei ein „Wunscharbeitsplatz für viele Menschen“.
Zu Beginn wurde die Frage aufgerufen, was aktuell richtig gut im Chemie-Dreieck laufe. „Direkt die schwerste Frage zum Start“, sagte Michael Schnabel, Betriebsratsvorsitzender bei der InfraServ Gendorf, schmunzelnd. „Wir haben zwei Neuansiedlungen in der Region mit einer Kunststoffrecycling-Anlage und einem Batterie-Recycler, die nicht nur sehr klimafreundlich sind, sondern auch Arbeitsplätze schaffen.“ Dies sei „absolut“ der richtige Weg, denn solche „Innovationen können die chemische Industrie stärken“, so Schnabel.
Dem schloss sich Dr. Markus Born an, der nochmal betonte, dass die „Neuansiedlungen bewusst nach Gendorf wollten“. Laut Bärbel Kofler hat sich in der Politik eine Menge getan, denn das Verständnis für „moderne Umweltpolitik und Industrie“ wachse immer weiter. Zudem seien auch „vernünftige Rahmenbedingungen“ geschaffen worden. Dr. Bernhard Langhammer, Sprecher von ChemDelta, sah dies ähnlich: „Eine gute Infrastruktur, wie beispielsweise der Bau von Hochspannungsleitungen, ist absolut notwendig, um international mithalten zu können.“
Dyneon und (k)eine
„goldene Zukunft“
Die Lage bei den Beschäftigten im Chemie-Dreieck ist laut den Angaben der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) grundsätzlich gut: „Wir haben eine starke Gewerkschaft und gute Ausbildungszahlen. Auch das Engagement der Mitarbeiter ist sehr groß, wobei ich schon zugeben muss, dass der Arbeitsdruck immer schwieriger wird“, verriet Markus Staller, Mitglied des Bezirksvorstands Altötting der Gewerkschaft. Die Arbeitnehmer bekämen schließlich mit, wie es bei Dyneon zugehe.
Noch vor fünf Jahren galt die Tochterfirma des US-Konzerns 3M als die Zukunft: „Hätte mir damals einer gesagt, dass Dyneon schließen würde, hätte ich es nicht für möglich gehalten. Nun ist es wirklich eine kritische Situation. Sie tragen ein Viertel der Werksgemeinkosten, die dann aber auf andere Standortteilnehmer umgelegt werden müssen“, erklärte Dr. Bernhard Langhammer.
Für Staller von der IG BCE ist die logische Konsequenz daraus, dass Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, „um Kosten zu senken“. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz wäre möglich. Doch die Ungewissheit schlage bei den Mitarbeitern auf die Gesundheit: „Da stehen ganze Familien dahinter, die weiterhin versorgt werden müssen. Der psychische Druck ist riesig“, erklärte Michael Schnabel, der nach wie vor mit InfraServ auf Ersatzlösungen hofft, um den Standort zu sichern. Zudem ärgere ihn das Aus von Dyneon, da das Werk „auch die mit Abstand sauberste Anlage“ sei.
Von der Landesregierung sei „viel zu wenig unternommen worden“, so die Meinung von Staller: „Eine ganz schwache Leistung unserer hochrangigen Politiker. Einzig unsere regionalen Vertreter, wie beispielsweise Martin Huber, Erwin Schneider oder Bärbel Kofler, haben sich intensiv dafür eingesetzt.“ Diese Bemerkung sorgte für großen Applaus unter den Zuhörern. Die Staatssekretärin betonte im Anschluss die Gefahr, sich „von unsaubereren Standorten“ wie etwa China abhängig und sogar „erpressbar“ zu machen, wenn man an Standorten wie Gendorf keine Neuansiedlungen zulasse. Dann seien auch Arbeitsplätze in Gefahr. „Deutschland ist die drittgrößte Industrienation, wobei die Chemie aus der modernen Industrie nicht mehr wegzudenken ist. Wir haben eine super Basis, tolle Technologien und Vernetzungen, müssen aber wirtschaftliche Rahmenbedingungen setzen, um die Kurve zu bekommen. Ansonsten wird es schwer“, prognostizierte auch Dr. Markus Born vom Landeverband Bayern der Chemischen Industrie.
Laut Michael Schnabel von InfraServ kann man sich nach wie vor im Chemiepark Gendorf bewerben und eine Ausbildung starten. Nach Wortmeldungen aus dem Publikum fand Moderator Stefan Bonauer die passenden Schlussworte: „Es zeigt sich Licht am Horizont. Wir haben gute Arbeitsplätze, wenn auch nicht mehr so viele, und super Voraussetzungen. Darauf gehört aufgebaut.“