Rosenheim – Von Zufriedenheit geprägt ist die Erntebilanz, die der Kreisverband Rosenheim des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in diesem Jahr zieht. „Wir sind von Wetterkapriolen verschont geblieben“, nannte BBV-Kreisobmann Josef Andres bei einem Pressegespräch einen wesentlichen Grund für das positive Fazit. Daran ändere auch der regenreiche Juli nichts.
Ein Segen für die
Almwirtschaft
ImGegenteil: „Wassermangel ist bei uns heuer sicher kein Thema“, gewinnen der Kreisobmann, Kreisbäuerin Katharina Kern und BBV-Kreisgeschäftsführer Martin Peus diesem Umstand auch einen durchaus positiven Aspekt ab. Kern, die selbst eine Alm betreibt, freut sich vor allem auch darüber, dass die Niederschlagsmenge nicht nur den Grünlandbauern genutzt hat, sondern auch ein Segen für die Almwirtschaft war.
Bis zu sieben Grünlandschnitte hätten Topbetriebe in diesem Jahr geschafft, in der Regel seien es sechs gewesen, berichtet der Kreisobmann. „Das geerntete Gras reicht für die Versorgung der Tiere mit Grundfutter aus“, ist Andres erleichtert darüber, dass sich aufgrund dieser Tatsache die Kosten für den Zukauf von Futter für die Tierhalter im Rahmen halten dürften.
Rund 3000 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte gibt es derzeit in Stadt und Landkreis Rosenheim. In den Ställen der Betriebe stünden etwa 130000 Rinder, etwa 61000 Kühe gäben Milch. „Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant geblieben“, berichtet der Kreisobmann.
Die Folgen des Klimawandels spüren auch die Landwirte bei ihrer täglichen Arbeit immer deutlicher. „Die erste Mahd erfolgte heuer bereits von Mitte bis Ende April. Wir sind außerdem drei Wochen früher auf die Alm gegangen als noch vor 30 Jahren“, nennt Kreisbäuerin Katharina Kern zwei konkrete Beispiele.
Martin Peus unterstreicht diesen Trend mit einer Erkenntnis aus der diesjährigen Obsternte. „Es gibt nur wenig Kirschen heuer, für deren Wachstum war es zum Teil einfach zu kalt“, sagt der BBV-Kreisgeschäftsführer. „Das passt“, bringt Josef Andres hingegen die Bewertung der Getreideernte kurz gefasst auf einen positiven Nenner. Die Bauern erfüllten auch auf diesem Sektor hohe Qualitätskriterien. In einer Grünlandregion wie dem Rosenheimer Land ergäben sich jedoch Vorteile für die Produzenten, weil das Getreide großteils zur Tierfütterung verwendet werde. „Da sind die Ansprüche nicht ganz so hoch wie bei Brotgetreide oder Braugerste“, sagt der Kreisobmann.
Biobetriebe
stehen unter Druck
Weiter unter erheblichem wirtschaftlichen Druck stehen die heimischen Biobetriebe, von denen bereits im Vorjahr einige aufgegeben hatten. „Beim Verkauf von Bioprodukten stellen wir nach wie vor eine Stagnation fest. Die Konkurrenzsituation ist schwieriger geworden“, sagt Andres. Ihm zufolge wurden diese Lebensmittel früher regional erzeugt, doch heute gibt es eine weltweite Produktion. „Das macht den Wettbewerb schwieriger“, erklärt er.
Kritik an den
Verbrauchern
Zwei Aspekte ärgern BBV-Kreisgeschäftsführer Martin Peus in diesem Zusammenhang besonders. „Viele Verbraucher sprechen über die hohe Qualität der Bioprodukte, kaufen dann aber doch billigere Ware im Discounter ein. Bei den weltweit erzeugten Biolebensmitteln wird zudem nicht so ernsthaft wie in Deutschland geprüft, unter welchen Bedingungen sie erzeugt wurden.“
Kreisbäuerin Katharina Kern hat einen Rat an die Verbraucher, der ihnen den Kauf biologisch erzeugter Lebensmittel schmackhaft machen soll. „Wer sparen will, sollte nur saisonale Produkte kaufen. Die sind in der Regel günstiger.“ Da stimmt ihr der Kreisobmann zu. „Ich brauche keine Erdbeeren an Weihnachten“, sagt er.
Ein gutes Bild geben nach Auskunft des BBV die Maisfelder in der Region ab. Von einem Überangebot will der Verband auch in diesem Jahr nicht sprechen und wartet mit konkreten Zahlen auf. In der Stadt und im Landkreis Rosenheim würden derzeit etwa 67000 Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt. Davon werden 70 Prozent als Grünland bewirtschaftet. Von den restlichen 30 Prozent Fläche dienten 52 Prozent als Ackerland – und damit unter anderem auch dem Maisanbau. 25 Prozent der Restfläche sind dem Anbau von Getreide vorbehalten.
„Rindfleisch in ganz
Europa gefragt“
Was die Preisentwicklung auf dem Milchmarkt betrifft, sehen die BBV-Vertreter derzeit weder einen Grund zur Klage, noch für Jubelgesänge. Etwa 53 bis 54 Cent erhalten die Bauern aktuell pro Liter Milch. „Das war schon mal weniger. Dennoch bedeutet ein höherer Preis nicht automatisch auch einen höheren Gewinn“, sagt Josef Andres. Man müsse bedenken, dass die Kosten für Energie, Maschinen, Personal und Futtermittel gestiegen seien. „Das alles reduziert den Erlös. Wenn wir die aktuelle Situation mit der vor 30 Jahren vergleichen, müsste der Milchpreis heute eigentlich bei mehr als einem Euro liegen“, verdeutlicht der Kreisobmann.
Dagegen bereitet besonders der Rindfleisch-Markt den heimischen Bauern im Moment große Freude. „Der ist regelrecht explodiert. Das Fleisch ist in ganz Europa gefragt“, berichtet Josef Andres. Während der Kilopreis für Schweinefleisch mit etwa 2,20 Euro im Vergleich zum Vorjahr so gut wie unverändert geblieben ist, zog er als Folge der großen Nachfrage beim Rindfleisch deutlich an. Lag der Kilopreis 2024 um diese Zeit etwa zwischen 4,20 und 4,40 Euro, ist er heuer auf 6,20 Euro geklettert.
„Zu viele Vorschriften,
die uns behindern“
Auch wenn sie insgesamt positiv auf das Erntejahr blicken, bereitet ein Umstand den Landwirten weiter großen Kummer. „Es gibt viel zu viele Vorschriften, die uns bei unserer Arbeit behindern“, beklagt Kreisbäuerin Katharina Kern. „Wir müssen uns nach der Vegetation richten und nicht nach vorgegebenen Daten“, kritisiert Josef Andres unter anderem überflüssige terminbezogene Verordnungen, die den Bauern das Leben schwer machten.
Ein Umstand mit dem BBV-Kreisgeschäftsführer Martin Peus fast täglich in seiner Arbeit konfrontiert wird. „Immer mehr Landwirte klagen, dass die Tätigkeit am Schreibtisch stark zunimmt. Das kostet sie auch Geld, welches die Bauern sinnvoller ausgeben könnten“, schließt er sich der Forderung der Verbandsvertreter nach Bürokratieabbau an.