„Ihr seid Fundament und Kapital unserer Gesellschaft“

von Redaktion

30 Gesellen im Bau-Handwerk freigesprochen – Daniel Brunner ist Innungssieger

Bergen – Für 30 Gesellen aus den Betrieben der Bau-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land fand jüngst ein Festtag statt, wurden sie doch im Festsaal in Bergen freigesprochen. Damit war das Ende der Lehrzeit besiegelt und der Aufbruch in die Gesellenzeit erfolgreich geschafft.

Viele Gäste aus dem Handwerk, von den Berufsschulen, aus der Politik und vor allem auch aus den Familien der jungen Handwerker waren dabei, um diesen Festtag würdig miteinander zu feiern.

„Es liegen drei Jahre Lehrzeit mit Höhen und Tiefen hinter Euch“, sagte Obermeister Thomas Maier in seiner Festrede. Diese seien abwechslungsreich und spannend zugleich gewesen. „Ihr habt viel gesehen und gelernt, Erfahrungen gesammelt und Euer Wissen ständig erweitert.“ Als Fachkräfte seien sie gefragt und könnten sich die Arbeitsstellen aussuchen. Sie seien die Zukunft des Bau-Handwerks.

Maier verwies darauf, dass es – nicht zuletzt auch aufgrund des hohen Rückstaus im Bereich der öffentlichen Infrastruktur, aber auch durch einen hohen Bedarf im Wohnungsbau – viel Arbeit gebe. In Deutschland würden viele Wohnungen fehlen. Die Forderung an die politischen Entscheider sei, die Probleme schnellstmöglich, zielführend und pragmatisch zu lösen. Den jungen Gesellen sprach er ein besonderes Lob aus: Sie seien „Fundament und Kapital unserer Gesellschaft“.

Bergens Bürgermeister Stefan Schneider gab den jungen Handwerkern mit auf den Weg: „Sucht die Arbeit, die Euch gefällt und Spaß macht, und dann kann man auch am Schluss seines Arbeitslebens zufrieden sein.“ Maurer würden jeden Tag sehen, was sie mit ihren Händen geschaffen hätten.

Landtagsabgeordneter Dr. Martin Brunnhuber (FW) lobte in seinem Grußwort das Bau-Handwerk: Er habe geradlinige Menschen am Bau kennengelernt. Er freute sich, dass er die jungen Gesellen wiedersah, die er vor drei Jahren noch in seiner damaligen Tätigkeit als Schulleiter in Freilassing begrüßen konnte. Auch sein Landtagskollege Konrad Baur (CSU) nannte den Tag einen „wunderbaren und wichtigen Tag“. „Der bayerische Weg des dualen Systems ist einzigartig – und auch Ihr, liebe Gesellen, seid einzigartig!“, rief er den jungen Handwerkern anerkennend zu.

Berchtesgadens Landrat Bernhard Kern lobte die Betriebe in der Region. Es bestehe ein guter Mix aus kleinen, mittleren und großen Betrieben. Die Neubauten der Berufsschulen in Traunstein und im Berchtesgadener Land, mit denen die Schulen auf einen modernen Stand gebracht würden, schafften beste Voraussetzungen für eine zeitgemäße und qualitative Ausbildung.

Sabine Ofner, stellvertretende Schulleiterin des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Berchtesgadener Land, sagte: „Ihr habt nicht nur Eure Betriebe stolz gemacht, sondern auch Eure Angehörigen und Eure Lehrer!“

Lehrlingswart Andreas Di Qual ging auf die Details der Gesellenprüfung ein, in der die Prüflinge unter anderem eine Trennwand aufmauern sowie einen Unterbau herstellen und höhengerecht einbauen mussten. 34 Lehrlinge waren zur Prüfung angetreten – darunter drei junge Frauen –, 30 haben diese erfolgreich abgelegt. In der Praxis lag der Notendurchschnitt bei 2,97, in der Theorie bei 3,15.

Die Anwesenden versäumten es nicht, für eine Gedenkminute für einen jungen, tragisch ums Leben gekommenen Gesellen innezuhalten. Der 19-jährige Tobias Brandl war im Sommer 2025 nach dem erfolgreichen Ablegen der Gesellenprüfung verstorben. In einem bewegenden Moment stellten seine Berufsschulkameraden und ihr Lehrer jeweils eine weiße Rose in eine Vase auf der Bühne.

Im Nachgang nahm Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter die offizielle Freisprechung vor und lobte in seiner Rede das Durchhaltevermögen und den Fleiß der Ex-Lehrlinge. Mit einer kurzen Formel sprach er die jungen Handwerker von den Pflichten des Lehrverhältnisses frei und hob sie unter dem lang anhaltenden Applaus der Anwesenden in den Gesellenstand.

Vier Gesellen wurden für ihre ausgezeichneten Leistungen besonders geehrt: Daniel Brunner vom Ausbildungsbetrieb Mayer Hoch- und Tiefbau in Ruhpolding, der schon mit einem zweiten Platz bei der Begabtenförderung des Bayerischen Baugewerbes sehr erfolgreich war, war mit einem Notendurchschnitt von 94,5 Punkten Prüfungsbester, dicht gefolgt von Valentin Kriechbaum (91,5 Punkte) vom Ausbildungsbetrieb Johann Hohlneicher Bau in Siegsdorf und Katharina Mühlfeldner (90,0) vom Ausbildungsbetrieb Josef Fuchs in Teisendorf. Ebenfalls hervorragend schnitt Stefan Brandauer (88,0) vom Ausbildungsbetrieb Stangassinger Bau in Marktschellenberg ab.

Traditionell erhielten die Prüfungsbesten auch eine finanzielle Anerkennung der Schlagmann-Edmüller-Stiftung. „Hier ist die Würdigung der goldene Abschluss“, sagte Stiftungsvertreter Hans-Peter Hofbauer. Der Ziegelbau brauche den Vergleich mit dem Holzbau nicht zu scheuen. Man freue sich, dass die Baukonjunktur wieder Fahrt aufnehme.

Musikalisch sorgte die Fuchs-Musi für den zünftigen Ton einer auch nach dem „offiziellen Teil“ noch gemütlich weitergehenden Freisprechungsfeier. wz

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