Ältere Bewerber kämpfen mit Hürden

von Redaktion

Die Arbeitslosigkeit in der Region ging im September leicht zurück – konjunkturelle Eintrübungen sind auf dem Arbeitsmarkt aber weiterhin sichtbar. Vor allem Arbeitssuchende über 50 tun sich bei der Stellensuche schwer.

Rosenheim/Traunstein/Mühldorf – Der Arbeitsmarkt ist weiterhin durch die schwache Konjunktur geprägt. Dennoch ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen in der Region in den vergangenen Wochen leicht gesunken.

Dr. Nicole Cujai, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Rosenheim, erklärt: „Der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit ist üblich für diese Jahreszeit. Personalverantwortliche in den Betrieben sind aus dem Urlaub zurückgekehrt. Sie haben Vorstellungsgespräche geführt, Entscheidungen getroffen und neue Arbeitsverträge abgeschlossen.“ Zudem hätten sich junge Frauen und Männer abgemeldet, weil sie kurzfristig noch eine betriebliche Ausbildung aufgenommen haben oder eine höhere Schule (FOS/ BOS) besuchen. Beides habe dazu beigetragen, dass die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im September im Agenturbezirk Rosenheim um 170 Personen auf 10250 zurückgegangen ist. Die Arbeitslosenquote lag damit wie im Vormonat bei 3,2 Prozent (Vorjahresmonat: 3,0 Prozent).

Zurückhaltung bei
Neueinstellungen

Dennoch ist festzustellen, dass seit Beginn des Jahres jeweils mehr Menschen arbeitslos gemeldet waren als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Laut Cujai liegt dies daran, dass Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhaltender sind und sich zum Teil auch von Mitarbeitern trennen. „Das führt dazu, dass Bewerber häufig länger auf Stellensuche sind und die Arbeitslosigkeit steigt.“

Für die Stadt Rosenheim errechnet sich laut Arbeitsagentur für den September eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Vormonat: 5,3 Prozent; September 2024: 5,0 Prozent). Derzeit sind hier 1957 Bürger ohne Arbeit. Im Landkreis Rosenheim liegt die Arbeitslosenquote bei 3,2 Prozent (Vormonat: 3,2 Prozent; September 2024: 2,9 Prozent). Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen insgesamt für den Landkreis beträgt 4823.

Dr. Nicole Cujai nimmt den „Tag der Älteren“, der am vergangenen Mittwoch, 1. Oktober, stattfand, zum Anlass, um auf die Bewerbungssituation dieser Frauen und Männer einzugehen: „38 Prozent der Menschen, die in unserem Agenturbezirk arbeitslos gemeldet sind, sind älter als 50 Jahre. Es ist schade, dass sich diese Bewerber, die häufig viel Berufserfahrung und umfangreiche Fachkenntnisse mitbringen, bei der Stellensuche vergleichsweise schwerer tun.“ Ihr Appell an Betriebe: „Geben Sie diesen Frauen und Männern eine Chance. Häufig entpuppen sich diese dank ihrer beruflichen Kenntnisse und Erfahrung und ihrer Persönlichkeit am Arbeitsplatz als Bereicherung.“ Die Arbeitsagentur biete hier Unternehmen Unterstützung in vielerlei Hinsicht. Eine Probearbeit sei genauso möglich wie ein Lohnzuschuss bei der Arbeitsaufnahme.

Karrieremesse in der
Auerbräu-Festhalle

Viele Jugendliche haben derweil im September eine Ausbildung begonnen. Doch laut Dr. Nicole Cujai gibt es nach wie vor viele junge Menschen, die noch nach einer Lehrstelle suchen, oder Betriebe, die noch auf der Suche nach einem Auszubildenden sind. Die Agenturleiterin ermuntert beide Seiten, Kontakt zu den Berufsberatern der Arbeitsagentur aufzunehmen. Zudem findet am Samstag, 18. Oktober, von 10 bis 16 Uhr in der Auerbräu-Festhalle in Rosenheim die Karrieremesse „meineZukunft!“ statt.

Auch der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Traunstein zeigt sich weitgehend stabil. „Die Quote im September zeigt, dass unser Arbeitsmarkt trotz der abnehmenden Dynamik weiterhin robust ist“, bestätigt Michael Vontra, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Traunstein.

Wie Betriebe den
Winter überbrücken

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Traunstein ist im September 2025 leicht gesunken. Insgesamt waren hier 10487 Menschen arbeitslos gemeldet, 14 weniger als im August (-0,1 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies jedoch einen Anstieg um 1011 Personen (+10,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote lag bei 3,6 Prozent und damit unverändert zum Vormonat, jedoch über dem Vorjahreswert von 3,2 Prozent.

Die Arbeitslosenquote allein im Landkreis Traunstein betrug im September 3,3 Prozent, das ist ein Gleichstand zu August und ein Anstieg zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozentpunkte. 3362 Menschen sind hier arbeitslos gemeldet, das sind 422 Menschen mehr als vor einem Jahr und 17 weniger als im August.

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mühldorf lag im September bei 3,8 Prozent, das ist ein Gleichstand zu der August-Quote. 2686 Menschen waren im September arbeitslos gemeldet, 13 oder 0,5 Prozent mehr als im August. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 214 Menschen mehr. Die Quote lag im Vorjahresmonat bei 3,5 Prozent.

Mit Blick auf den Herbst rechnet Vontra mit saisonüblichen Ausschlägen, insbesondere bei saisonabhängigen Betrieben. „Wichtig ist, dass Betriebe und Beschäftigte frühzeitig die Instrumente wie das Saison-Kurzarbeitergeld nutzen sollten, um den Winter gut zu überbrücken und ihr Personal zu halten“, so Vontra.

Im Ausbildungsbereich zeigt sich ein positives Bild: Viele Jugendliche fanden im Bezirk Traunstein eine Ausbildungsstelle. Von 3008 Bewerbern fanden bis Ende August alle bis auf 333 eine Ausbildung, entschieden sich für einen weiterführenden Schulbesuch oder nahmen eine Arbeit auf.

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