Rosenheim – Zu viele offene Stellen für zu wenig Auszubildende. Ein Szenario, das definitiv nicht neu, aber immer wieder ein Problem für die Unternehmen im Rosenheimer Landkreis ist. Daher werden vermutlich einige Geschäftsführer am heutigen Donnerstag einen Blick nach Berlin werfen, wenn dort der Gesetzentwurf „zur Modernisierung des Wehrdienstes“ diskutiert wird.
Wirtschaft ist auf
Nachwuchs angewiesen
Die Befürchtung: Wenn der Nachwuchs erst zum Bund anstatt in die Betriebe geht, fehlen gerade zum Start der potenziellen neuen Wehrpflicht die jungen Mitarbeiter. „Die Politik steht vor einem Dilemma“, sagt Andreas Bensegger, IHK-Vorsitzender der Region Rosenheim. Einerseits versteht er auch aus wirtschaftlicher Sicht, dass die Verteidigungsbereitschaft durch mehr Soldaten erhöht werden muss. „Andererseits ist die Wirtschaft – auch im Raum Rosenheim – dringend auf junge Nachwuchskräfte angewiesen.“ Aus Sicht der IHK ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht daher nur die „B-Lösung“. Vielmehr sollte man versuchen, mit deutlich höheren Gehältern den freiwilligen Wehrdienst attraktiver für junge Menschen zu machen.
Rosenheims Kreishandwerksmeister Rudolf Schiller warnt jedoch davor, die Bundeswehr dabei zu sehr von außen zu fördern. „Die Politik sollte sich mehr aus den wirtschaftlichen Abläufen und Strukturen raushalten. Ein Markt regelt sich in vielen Bereichen selbst“, ist er überzeugt. Demnach könnte sich eine zu starke Förderung eher negativ auswirken.
Welche Unternehmer in Rosenheim besonders vom Wehrdienst betroffen sein könnten, können weder IHK noch Kreishandwerkskammer vorhersagen. „Ich glaube aber nicht, dass es spezielle Branchen, sondern dass es alle Berufsbereiche treffen wird“, meint Schiller.
Er hat außerdem das Gefühl, dass die Handwerker in der Region die Auswirkungen nicht sofort wahrnehmen werden. „Aber natürlich wird das spürbar, denn junge Menschen werden nicht mehr und kommen auch immer später in den Arbeitsmarkt“, sagt Schiller.
Diskussion um
Losverfahren
Der Kreishandwerksmeister blickt allerdings auch positiv auf den aktuellen Ausbildungsmarkt in Rosenheim, der im vergangenen Jahr um drei Prozent gestiegen sei.
Der neue Wehrdienst könnte bereits ab Januar 2026 in Kraft treten. Nach der Beratung im Bundestag soll der Gesetzentwurf an die Ausschüsse überwiesen werden. Die weiteren Sitzungen dazu werden im Verteidigungsausschuss geführt.
Wie der neue Wehrdienst aussieht, ist noch nicht final geklärt. Aktuell steht im Raum, dass alle Männer eines Jahrgangs nach dem 18. Geburtstag einen Fragebogen zum Wehrdienst ausfüllen müssen und sich dadurch freiwillig melden können. Sollten sich darüber nicht genügend Freiwillige finden, wird über ein Losverfahren oder eine Musterung diskutiert.