Rohrdorf – „Wer heute seine Hausaufgaben nicht macht, den wird es in Zukunft schlicht nicht mehr geben.“ Mit diesem Satz könnte man den Antrieb beschreiben, der hinter den zahlreichen Klimaschutzaktivitäten des Rohrdorfer Zementwerks steckt. Und was diese Hausaufgaben anbelangt, so zeigt sich das Zementwerk gerade im Bereich der CO2-Reduzierung als wahrer Musterschüler.
Das ist auch wichtig: Weltweit sollen Schätzungen zufolge rund 2,8 Gigatonnen der jährlichen CO2-Emissionen derzeit auf die Zementindustrie zurückgehen. Dabei wird der Bedarf an Zement und Beton in den nächsten Jahren noch weiter steigen: Bis zum Jahr 2050 wohl in einer Größenordnung von zwölf bis 23 Prozent.
Getemperte Tone als
Schlüssel zur Einsparung
Ganz wegbringen lässt sich das CO2 bei der Zementherstellung nicht: „40 Prozent“, so erklärte Geschäftsführer Mike Edelmann, „werden verbleiben, da kann man anstellen, was man will“. 60 Prozent der Menge, die 2020 noch anfiel, kann aber theoretisch vermieden werden. Und dafür, dass das auch praktisch möglich wird, arbeiten im Zementwerk 25 Spezialisten, zusammengefasst im „Net-Zero-Emission-Team“.
Die jüngste Entwicklungsleistung dieses Teams ist eine Versuchsanlage zur Herstellung sogenannter getemperter Tone, die bereits seit Juli in Betrieb ist. Getemperte Tone sind Tone, deren physikalische Eigenschaften durch Erhitzen (Tempern) so verändert werden, dass sie sich hervorragend als Rohstoff für die Zementherstellung eignen. Dadurch kann der Mengenanteil des sogenannten Zementklinkers, der zu einem erheblichen Teil aus Kalkstein besteht, verringert werden.
Allein durch den teilweisen Ersatz des Zementklinkers durch die getemperten Tone könnte schon die Hälfte der insgesamt möglichen CO2-Einsparung erreicht werden. Diese Versuchsanlage, die derzeit etwa täglich 50 Tonnen getemperten Ton produziert, ist also von erheblicher Bedeutung.
Deshalb waren zu ihrer offiziellen Einweihung, die unlängst stattfand, nicht nur Landrat Otto Lederer und Landtagsabgeordneter Daniel Artmann gekommen, sondern auch Daniela Ludwig, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern. Sie betonte in ihrer Rede, dass das Zementwerk Rohrdorf mit dieser neuen Anlage erneut beweise, dass es zu den innovativsten Unternehmen in der Region zähle: „Ich bin beeindruckt, mit welcher Entschiedenheit und welchem unternehmerischen Mut zu Investitionen Rohrdorfer diese Aufgabe angeht.“
Mike Edelmann, der Geschäftsführer des Zementwerks, freute sich über diese Einschätzung und wies dankend darauf hin, dass dieses Rohrdorfer Pilotprojekt von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert werde. Denn das ist nicht immer so: Eine Versuchsanlage zur CO2-Abscheidung während des Produktionsprozesses, die es seit 2022 gibt, erstellte das Zementwerk komplett auf eigene Kosten, weil, wie es damals hieß, das Warten auf die Bewilligung von Förderanträgen einfach zu lang gedauert hätte.
Noch einige
Baustellen offen
Aus Sicht des Zementwerks sind auch jetzt noch einige Baustellen offen: Gerade bei der Zementherstellung sind es zwei Punkte: Erstens ein vernünftiger, tragfähiger Strompreis gekoppelt mit wirklich versorgungssicheren Netzen. Zweitens wirkliche Planungssicherheit beim Transport des CO2. Beides bedarf einer massiven Investition in die Infrastruktur. „Wir brauchen die Unterstützung und den Rückhalt der Politik, sonst sind die Klimaziele nicht zu schaffen“, so Mike Edelmann.