Qualität gegen Billigkopien

von Redaktion

Priener Firma stellt sehr erfolgreich Gymnastikbälle und „Moonhopper“ für den globalen Markt her

Prien – Auf dem Weg zwischen Bachham und Prutdorf befinden sich auf der rechten Seite zwei größere, recht unscheinbare Fabrikhallen, deren Schilder mit roter Schrift auf weißem Grund und umgekehrt etwas auffälliger sind. In einem der ersten Räume der Fabrik fallen sofort unterschiedlichste Farben und eine Vielzahl an Produkten auf. Im sogenannten Showroom des Familienunternehmens Togu sind große, kleine, blaue, rote, lilafarbene und grüne Bälle, Kissen, Handgeräte und vieles mehr aus dem Togu-typischen Gummistoff ausgestellt.

Rund 800 Artikel
im Sortiment

Die Sport-, Fitness- und Medizinprodukte sind bekannt aus Physiotherapiepraxen, Sportvereinen oder Rehakliniken. Die grünen Gymnastikbälle, die in den 90er-Jahren von einer großen Krankenkasse sämtliche Haushalte fluteten, wurden alle in Prien produziert. Auch der Hüpfball mit den zwei Pömpeln als Griffen wurde in Prien entwickelt. Springende Medizinbälle und der „Moonhopper“ sind ebenfalls in der Chiemseegemeinde entwickelt und hergestellt worden.

Inzwischen umfasst das Togu-Sortiment rund 800 Artikel, ohne die Farbauswahl zu berücksichtigen. Die Geschichte des Betriebs begann in den 50er-Jahren. Nachdem Deutschland Fußball-Weltmeister wurde, brach ein regelrechter Ball-Boom im Land aus – die Lederbälle wurden meist damals schon in Asien produziert. Toni und Gust Obermaier tüftelten unweit der heutigen Produktionsstätte an einem Ball aus einem Guss, ganz ohne Naht oder Klebstoff.

Dies gelang ihnen, und sie gewannen dafür 1956 in Brüssel einen Erfinderpreis. Togu – für TOni und GUst – war geboren.

Zunächst lag der Fokus auf Bällen. Heute kommen die Produkte im Training, der Rehabilitation und Therapie, bei Wellness, Sport und Spiel zum Einsatz. „In Deutschland sind wir führender Hersteller dieser Produkte, sind aber auch weltweit, beispielsweise in Südkorea, vertreten und gefragt“, sagt Wolfgang Moosleitner. Zusammen mit den Inhabern Vera und Giovanni Angelini ist er für die Geschäftsführung zuständig. Vera Angelini ist die Enkelin des Gründers Toni Obermaier.

Der Erfindergeist ist dem Familienbetrieb erhalten geblieben. Toni Obermaier junior entwickelte unter anderem die Noppen auf einem Fußtrainer, später Aero-Step genannt, nachdem sein Orthopäde ihm empfahl, im Sommer öfter barfuß am Chiemseeufer durch den Kies zu spazieren, um sein Fußbett zu stärken. Die Noppen auf mittlerweile verschiedensten Balancegeräten waren die „Winterlösung“ dafür. Immer wieder melden sich auch Physiotherapeuten, um Feedback anzubringen oder Produktideen vorzustellen.

Die jüngste Erfindung ist ein Balancekissen mit Gelfüllung. Stabilisierungsübungen auf dem Kissen sind durch das „arbeitende“ Gel anspruchsvoller; zudem kann das fünf Kilo schwere Sportgerät als Gewicht für Kräftigungsübungen vielseitig eingesetzt werden.

Inhaberin Vera Angelini ist als Grafikerin ebenso in die Betriebsabläufe eingebunden wie ihr Mann Giovanni, der als Maschinenbauer Maschinen entwickelt und baut, die später Togu-Produkte herstellen. Darüber hinaus sind beide beispielsweise auf Messen viel unterwegs, um die Firma ständig weiterzuentwickeln. Die Herstellung in Prien hat ihren Preis: Hohe Personal- und Produktionskosten erfordern höhere Verkaufspreise. „Scheinbare Alternativen zu unseren Produkten gibt es teilweise zum Spottpreis bei großen Online-Händlern“, sagt Moosleitner, der unter anderem für den Vertrieb im Unternehmen zuständig ist.

Togu setzt nach wie vor auf Qualität: „Wir verwenden hier nur die besten Zutaten für unsere Produkte“, versichert er.

Die Mischungen für die Produkte werden erst in Prien gemixt. Dabei wird nur das PVC, ein wichtiger Bestandteil der Kunststoffprodukte, vom „hochwertigsten Lieferanten in Europa verwendet“. Dies hat zwar seinen Preis, doch dafür gibt Togu auf viele Produkte eine 30-jährige Garantie. Außerdem sind alle Produkte vollständig recycelbar. Zwar kann daraus kein neuer Gymnastikball entstehen, jedoch Hartplastik wie Plastikflaschen.

Beim Gang durch den Firmensitz fällt zunächst der typische Geruch alter Fabriken aus den 70er-Jahren auf. In der Produktionshalle ist ein künstlicher Plastikgeruch allzu deutlich. Die Funktionsweise der Maschinen entspricht größtenteils noch der aus den 60er-Jahren.

Zunächst wird ein flüssiges Kunststoffgemisch in Formen gefüllt. Diese begeben sich dann auf einen Rundlauf und werden langsam erhitzt. Dabei drehen sich die Formen kontinuierlich. So kann sich die Flüssigkeit überall in der Form gleichmäßig verteilen, wodurch durch die Hitze ein festes Produkt entsteht. Auch bedruckt werden können die Bälle oder Fitnessgeräte direkt in Prien.

Die Wirtschaftskrise macht sich auch bei Togu bemerkbar. Ein Umzug der Produktion ist jedoch nach wie vor kein Thema. „Einerseits ist es Tradition, andererseits auch eine Abwägung dessen, was wir in der Zukunft erreichen wollen.

Das hier ist eine weltweit einzigartige Produktionsstätte“, stellt Moosleitner klar. Diese Produktionsstätte ermöglicht eine Vielzahl von Möglichkeiten, Flexibilität und Markenprodukte in bester Qualität. „Vor 15 Jahren hatte ich den Gedanken: Jetzt gibt es von unserem Original schon so viele Kopien, viel kann da nicht mehr kommen. Dann ist noch viel mehr gekommen“, sagt der Verkaufsspezialist und verweist auf Shops mit billigster Ware aus Asien.

Marktposition mit
Innovationen festigen

Togu will seine Marktposition weiter festigen; „Made in Germany“ reicht dabei nicht aus. Neben neuen Produkten werden ganze Konzepte mitverkauft; im Keller der Firma steht ein Videostudio, das weiter ausgebaut werden soll. „Innovation und Zuverlässigkeit, das ist auch unsere Philosophie“, bringt es Moosleitner auf den Punkt.

Die Innovation zeigte sich zuletzt auch an zwei neuen Produkten, die für Hunde neu ausgelegt wurden. Denn der Markt der Tierphysiotherapie wächst aufgrund der rund zehn Millionen Hunde in Deutschland. Zukünftig dürften sich die Berührungspunkte mit Togu-Produkten also eher vergrößern. Alle Produkte werden in einer unscheinbaren Fabrikhalle in Prien am Chiemsee hergestellt.

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