Mettenheim – Professor Dr. Stephan Schneider von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, der seit 2021 den Einfluss des CO2-Fußabdrucks auf die Milchproduktion erforscht und zudem Vorsitzender des Arbeitskreises „Futter und Fütterung“ der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ist, konnte jüngst vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging und dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Altötting-Mühldorf für einen Vortragsabend gewonnen werden.
Mehr als 70 Bauern folgten der Einladung ins Gasthaus Kreuzerwirt, um sich über den CO2-Fußabdruck in der Milchviehhaltung zu informieren. Seit 2022 ist im Rahmen des „Green Deals“ der EU die EU-Taxonomie gültig, welche die Nachhaltigkeit von Wirtschaftsaktivitäten EU-weit klassifiziert. Ziel ist die Transformation hin zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaftsweise. Der Finanzwirtschaft kommt dabei eine zentrale Rolle zu, da sie Investitionen bereitstellt und die Transformation durch Kreditvergabe steuert. Zukünftig erhalten Betriebe innerhalb der EU nur noch Geld für Investitionen, die als nachhaltig klassifiziert sind.
Eine zentrale Botschaft des Vortrags war, dass es möglich ist, den CO2-Fußabdruck durch Verbesserungen in der fachlichen Praxis zu senken. Professor Dr. Schneider betonte, dass das notwendige Wissen in der Berufsschule, Fachschule, Meisterausbildung und im Studium vermittelt wird. Je früher Betriebe beginnen würden, Treibhausgasemissionen zu senken, desto mehr Zeit bleibe für die Umstellung auf eine nachhaltig klimaschonende Produktion. Diese werde insbesondere vom Lebensmitteleinzelhandel und den Molkereien forciert, um die Vorgaben der EU umzusetzen. Laut dem Experten profitieren auch die Betriebe von einer konsequenten Umsetzung der guten fachlichen Praxis. Er hob hervor: „Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit gehen vielfach Hand in Hand, wenn Arbeitsabläufe effizient gestaltet und Haltungsverfahren bestmöglich gemanagt werden.“
Von der Kälberaufzucht über die Fütterung bis zum optimierten Stallklima sieht Schneider viele Möglichkeiten, den CO2-Fußabdruck zu senken. Kleine Maßnahmen beim Stallbau, wie der Einbau erhöhter Fressstände mit Gummiauflage und emissionsarmer Gummibeläge, sowie die Anschaffung von Güllesammelrobotern, führen laut ihm ebenfalls zu einer Verbesserung der Klimabilanz. Auch der Ausstoß von Emissionen in der Güllegrube lasse sich durch das Abdecken von Güllebehältern in Kombination mit dem Einbringen von Güllezusätzen verringern. Zudem könne der Einsatz spezieller Futterzusatzstoffe die Emissionen reduzieren. Ob Investitionen in den Klimaschutz von Abnehmern und Verbrauchern honoriert werden, werde sich in den nächsten Jahren zeigen, so Schneider.
Claudia Mühlhauser vom AELF Töging dankte dem Referenten sowie allen Anwesenden für ihr großes Interesse und die konstruktive Diskussion. Abschließend wies sie auf das Angebot des AELF Töging zur Gründung eines Arbeitskreises zum CO2-Fußabdruck hin. re